Halsabschneiderische Mitarbeiter, unberechenbare Justiz Das Land der unbegrenzten Verluste

  • Publiziert: 16.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Roman Seiler
play Am Pranger der US-Justiz Für die UBS hat dies hunderte Millionen Franken Bussgelder – und happige Reputationsverluste zur Folge. (Keystone)

Das US-Geschäft wurde für die UBS zum Milliardengrab. Innerhalb weniger Monate überstiegen die Verluste im Investment-Banking sämtliche Gewinne der letzten zehn Jahre in diesem Bereich.

Anything goes», alles ist möglich im Turbokapitalismus der USA – sogar ein 45-Milliarden-Verlust. So viel Geld hat die UBS in einem Jahr auf Wertpapieren abschreiben müssen, die mit US-Ramschhypotheken oder anderen faulen Krediten unterlegt sind. Weitere Verluste in Milliardenhöhe werden wohl noch folgen.

Es ist aber auch wirklich schwierig, in den USA vernünftig Geschäfte zu machen:

• Das US-Rechtssystem ist unberechenbar. So stellt die Justiz zurzeit die UBS lautstark an den Pranger. Unter anderem wird die Bank gezwungen, Daten über US-Kunden herauszurücken, die Geld vor dem Steueramt verstecken wollten. Das hat Bussgelder in der Höhe von Hunderten Millionen Franken zur Folge – und happige Reputationsverluste.

• In der Königsdisziplin des US-Bankings (Wertschriftenhandel, Unternehmensfinanzierungen und Beratung bei Konzernfusionen und -übernahmen) geht etwa die Hälfte der Einnahmen an die Angestellten. «Regenmacher», wie die Topshots genannt werden, kassieren Dutzende von Millionen – pro Jahr, versteht sich. Davon profitiert inzwischen auch das restliche Management, moniert Konrad Hummler (55), Teilhaber der Privatbank Wegelin. Es konnte damit die in den USA üblichen, hohen Bonussysteme übernehmen.

• Brandgefährlich wird es, wenn das Geschäft obendrein schlecht geführt wird. Bei der UBS fuhr ein «B-Team», so Ex-Chef Marcel Ospel (58), die unglaublichen Verluste ein. Dass unterqualifizierte Mitarbeiter derartige Risiken eingehen dürfen, findet der Ex-Credit-Suisse-Manager und heutige Bankenprofessor an der Uni Zürich, Hans Geiger (64), «unverständlich». SVP-Nationalrat Hans Kaufmann (60), Ex-Chefökonom der Bank Julius Bär, kritisiert: «Das UBS-Management hat auf ein Geschäft vertraut, das auf luschen Krediten basierte. Zudem wurde es Opfer der nicht funktionierenden US-Finanzaufsicht.»

Insgesamt hat die UBS in diesem Geschäft nur Geld verlocht (siehe Tabelle). Daher sagt Konrad Hummler: «Die Aktivitäten im Investment-Banking schaden den Aktionären. Die Bewertung der Aktie einer Bank, welche Investment-Banking betreibt, ist tiefer als die der Aktie eines Finanzinstituts, das nur in der Vermögensverwaltung tätig ist.»

Und er kritisiert: «Die Aktionäre werden für das erhöhte Risiko, das die Bank eingeht, nicht entschädigt.» In der Tat haben Aktionäre, die Anfang 1998 UBS-Anteile gekauft haben, laut Daten der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg Jahr für Jahr 0,8 Prozent auf ihrer Investition verloren. Wohlverstanden: nach Auszahlung von Dividenden und Kapitalrückzahlungen!

Doch wenn man einmal drin ist im US-Geschäft, kommt man kaum mehr raus. Zwar stellt sich für Geiger «zumindest mittelfristig» die Frage nach einem teilweisen Rückzug: «Aber das geht nicht so rasch. In den USA arbeiten mehr Leute für die UBS als in der Schweiz. Zudem wäre es extrem teuer, mitten in der Krise auszusteigen.» Aber die UBS habe «ja gottlob Zeit», um einen solchen Entscheid zu fällen.

Am schnellsten möglich wäre es, so Geiger, das US-Vermögensverwaltungsgeschäft abzustossen. Übernommen wurde es im Jahr 2000 mit dem Kauf von Paine Webber für 18 Milliarden. Seither resultierte unter dem Strich – unter anderem wegen der Abschreibung der Marke – ein Verlust von zwei Milliarden Franken.

Einfach den USA den Rücken zu kehren, hält auch Kaufmann nicht für möglich: «Eine Bank, die ihren Kunden einen umfassenden Kundenservice anbieten will, muss auf den grössten Finanzmärkten präsent sein.» Zudem würde ein Rückzug «auch in der Schweiz zu einem massiven Personalabbau führen».

Immerhin werden Teile des Investment-Bankings jetzt massiv heruntergefahren. UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (59) verspricht zudem, die Weichen in Richtung einer möglichen Abspaltung zu stellen. Er dividiert die Geschäftsbereiche der UBS wieder auseinander.  

Die USA-Bilanz der UBS

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