Nun reichts Das Aus für Pannen-Firma Cisalpino

  • Aktualisiert am 13.01.2012

ZÜRICH – SBB und Trenitalia haben die Nase voll von den Pannen: Sie lösen die Tochterfirma Cisalpino auf und sorgen wieder selber für die Verbindungen durch die Alpen.

Die Bahngesellschaft Cisalpino, das Tochterunternehmen von SBB und Trenitalia, wird aufgelöst. Am 13. Dezember nehmen die beiden Staatsbahnen den internationalen Bahnbetrieb durch die Alpen wieder selber in die Hand.

Mit dem neuen Betriebskonzept soll der Verkehr auf der Nord-Süd-Achse zwischen der Schweiz und Italien wieder verlässlicher werden, wie SBB und Tenitalia heute mitteilten. Die Qualität entspreche seit längerem nicht mehr den Erwartungen und werde allzu oft als ungenügend taxiert.

Die Muttergesellschaften hätten sich in den vergangenen Monaten bemüht, zusammen mit der Tochter Cisalpino die Verlässlichkeit des Rollmaterials und die Pünktlichkeit zu verbessern. Das habe zu Fortschritten geführt, entspreche aber noch nicht dem gewünschten Qualitätsniveau.

Keine Nachtzüge mehr nach Italien

Die rund 40 Mitarbeitenden der Cisalpino werden von SBB und Trenitalia übernommen. SBB und Trenitalia haben zudem beschlossen, ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember die Nachtzüge zwischen der Schweiz und Italien einzustellen.

Die Cisalpino-Fahrzeugflotte wird aufgeteilt. Fünf der insgesamt neun ETR-470-Kompositionen gehen an Trenitalia, vier an die SBB. Die erst teilweise ausgelieferten 14 neuen ETR-610-Kompositionen werden zwischen den beiden Bahnen je hälftig aufgeteilt.

Häufige Negativschlagzeilen

Cisalpino war 1993 von SBB, Trenitalia und BLS (Bern Lötschberg Simplon Bahn) gegründet worden. Zuletzt waren SBB und Trenitalia zu je 50 Prozent beteiligt.

Von Anfang an sorgten Pannen und Zugsverspätungen allzu häufig für Negativschlagzeilen. Im vergangenen Februar hatte das Bundesamt für Verkehr (BAV) einen Konzessionsentzug angedroht, wenn die Qualität sich nicht deutlich verbessere. Anfang September dann hiess es seitens des BAV, der von Cisalpino eingeschlagene Weg als «zielführend» und sah vom Konzessionsentzug ab.

An sich habe das Management gut gearbeitet, es habe aber einen eingeschränkten Spielraum gehabt, erklärte BAV-Sprecher Gregor Saladin heute. So habe Cisalpino nicht über eigene Lokomotivführer verfügt, sondern über solche von SBB und Trenitalia. Die Forderung, dass weniger Lokführer häufiger mit den Zügen führen und sie damit besser im Griff hätten, könne jetzt eher umgesetzt werden. (SDA/hhs)

Enttäuschte Mitarbeiter

Die Mitarbeiter der Cisalpino AG nehmen den Entscheid von SBB und Trenitalia «mit Enttäuschung zur Kenntnis», wie sie in einer Mitteilung schreiben. Sie würden den Entscheid aber mittragen und alles Mögliche tun, um den reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Bis zum Ende des laufenden Fahrplans werden Mitarbeiter und Management noch in ihren bisherigen Funktionen weiterarbeiten. Sie täten dies mit «ungebrochenem Engagement» zu Gunsten der Kundinnen und Kunden. Bereits gekaufte oder gebuchte Zugtickets würden nach dem 13. Dezember von den Mutterbahnen zu gleichen Konditionen übernommen.
Zu viele Pannen: Die Muttergesellschaften holen sich die Aufsicht über den Cisalpino wieder zurück.- cisalpino.ch

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