Darum sind die Parteibonzen scharf auf Syngenta: Chinas Heisshunger

Experten sind nicht überrascht, dass der chinesische Staatskonzern ChemChina Syngenta kauft. Der Deal passt in eine Reihe ähnlicher Übernahmen. Denn Chinas Landwirtschaft muss immer mehr Menschen versorgen.

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China hat ein grosses Problem: 1,4 Milliarden Menschen müssen ernährt werden. Aber immer mehr fruchtbares Land wird überbaut. Die beeindruckenden Zahlen nannte ChemChina-Präsident Ren Jianxin (58) in Basel grad selber: «Wir müssen 22 Prozent der Weltbevölkerung ernähren, haben aber nur noch sieben Prozent der Ackerfläche zur Verfügung.»

Man braucht weder Volkswirtschaft noch Agronomie studiert zu haben, um zu erkennen: Hinter dem Kauf von Syngenta durch den chinesischen Staatsbetrieb ChemChina steckt knallhartes Kalkül. Der Deal wurde von ganz oben abgesegnet, von Präsident Xi Jinping (62) und seinen Parteibonzen.

Wie schon zuvor auch die Übernahmen des französischen Futtermittelherstellers Adisse oder der Agrochemie-Firma Adama aus Tel Aviv. Denn: Die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit und die Steigerung der Agrarproduktion sind eines der wichtigsten Anliegen im Regierungsprogramm.

Syngenta soll China helfen

«China interessiert sich für die Entwicklung von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen, vor allem von Samen, die den Bauern helfen, den Einsatz von Chemikalien und Düngemitteln reduzieren», sagt Wei Ruan, Chefökonom bei Norinchukin Research Institute in Tokio, zur Agentur Bloomberg.

Syngenta können einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der hoch gesteckten Ziele leisten: «Die Biotechnologie von Syngenta trägt dazu bei, die landwirtschaftliche Produktion in China steigern», glaubt Ruan.

Heisst: ChemChina hat sich Syngenta nicht zuletzt deshalb unter den Nagel gerissen, um vom grossen Wissen der Basler im Bereich Pestizide und gentechnischer veränderter Pflanzen zu profitieren. Und auf einen Schlag den Weltmarktführer in seinen Reihen zu haben. Ein cleverer Schachzug. Nicht nur für die Chinesen. Auch Syngenta kann so auf im wichtigen Markt China Fuss fassen.

Landkauf im Ausland

Zweiter wichtiger Pfeiler im chinesischen Kampf um mehr Anbaufläche und höhere Erträge sind Zukäufe von Ackerland im Ausland. Etwa in Australien oder in Afrika. Der spektakulärste Fall: In der Ukraine will China Ackerland von einer Fläche kaufen, die fast so gross ist wie die Schweiz.

In einem ersten Schritt erhält China Zugriff auf 100'000 Hektar Land, am Ende sollen es drei Millionen Hektar werden. Darauf sollen in den nächsten 50 Jahren für den chinesischen Markt Schweine gezüchtet und Getreide angebaut werden. Mit Dünger von Syngenta.

Publiziert am 04.02.2016 | Aktualisiert am 12.05.2016
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18 Kommentare
  • Markus   Leuenberger aus Veyrier
    04.02.2016
    Grosskampf. China gegen Katar/Saudis. Und vergessen wir Indien nicht.
    Wir sind nur noch Statisten oder Know-How Lieferanten.
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    04.02.2016
    Dass man aus Rücksicht auf gute Geschäfte, sich nicht mehr getraut auch die Menschenrechte anzusprechen, ist doch sehr heuchlerisch. China ist in diesem Jahr noch tiefer gesunken. Dass Bürger- und Menschenrechte gar keine Rolle mehr spielen, zeigt sich auch am Prozess gegen den Anwalt Pu der sich lediglich für die Rechte von einfachen Leuten und ethnischen Minderheiten einsetzt.
  • Paul  Strassmann 04.02.2016
    Na ja, bisher war es einfach so, dass Schweizer Unternehmen im Ausland eingekauft hatten. Abgesehen davon: Vielleicht werden wir in wenigen Jahren sehr froh darum sein, wenn China seine Unternehmen auf europäischem Boden vor was auch immer schützt. Immerhin ist es heute wirklich keine Selbstverständlichkeit, sein Geld in Europa zu investieren....
  • Lukas  Müller 04.02.2016
    Machen wir uns nicht zuviel Sorgen über China, die 1-Kind-Politik der Chinesen wird sich bereits in den nächsten 10 - 20 Jahren dahingehend auswirken, dass wir im Land der Mitte das grösste "nicht finanzierte" Altersheim haben werden! Die sollten sich besser an einem Rolator- oder Katheter-Hersteller beteiligen!
  • David  Brunner aus Wetzikon
    04.02.2016
    Der Bundesrat Johann Schneider-Ammann schloss einmal das Studiums des Elektroingenieurs an der ETH Zürich ab. Danach folgten MBA, Prokurist, Präsident im eingeheirateten Familienunternehmen und zahlreiche repräsentative Engagements in der Maschinenindustrie. Ich hörte ihn manchmal im Radio sprechen und gestern, wie die Übernahme der Syngenta durch Chinesen schöngeredet wird. Ich bedaure sehr die Art, wie er als Bundesrat der Schweizer Exportindustrie zusieht, wie sie den Bach runter geht.