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US District Court in Miami, Florida, am vergangenen Dienstag: Das Gericht ermächtigt die Steuerbehörde IRS, bei der UBS Informationen über deren amerikanische Kunden einzufordern. Der Verdacht: Die Bank habe Tausenden von US-Bürgern geholfen, Milliarden vor dem Fiskus zu verstecken.
IRS verfügt mit dem ehemaligen UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld (43) über einen Insider, der seit mehr als einem Jahr mit den US-Behördenvertretern kooperiert. Ende Juni legte der US-Amerikaner ein Geständnis ab. Er habe im Auftrag der UBS dem Milliardär Igor Olenicoff (65, siehe Box) geholfen, rund 200 Millionen Franken schwarz im Ausland anzulegen.
Ein SonntagsBlick vorliegendes Gerichtsprotokoll vom 13. Mai zeigt aber ein differenzierteres Bild. Birkenfeld, Ex-Direktor in der UBS-Filiale Genf, war kein Star-Anlageberater, sondern eher ein mit der UBS zerstrittener Aussenseiter. Ihm war es laut Bankinsidern nicht gelungen, neben Olenicoff mehr als eine Handvoll US-Kunden zur UBS zu bringen, die Vermögenswerte im Ausland anlegen wollten.
Daher setzten ihn seine Vorgesetzten unter Druck – weil er ihre Vorgaben nicht erfüllen konnte. Er akquirierte zu wenig Neugelder und erzielte für die Bank zu wenig Einnahmen durch Vermögensverwaltung. Wer seine Ziele im Beratungsgeschäft nicht erfüllt, muss in der Regel die Bank verlassen.
Birkenfeld konnte sich halten, mehr schlecht als recht. Im Verlauf der Auseinandersetzungen versuchte er den Spiess umzudrehen und wies intern darauf hin, «er sei besorgt über gewisse Bankpraktiken», und bezeichnete die «internen Reglemente» als «lückenhaft». Birkenfeld hat dem IRS aber offenbar keine Dokumente vorlegen können, die diesen Vorwurf belegen.
2006 erhielt Birkenfeld eine miserable Qualifikation. Kurz danach verlor er seinen Kunden Olenicoff und quittierte seinen Job bei der UBS, wohl auch um einer Kündigung zuvorzukommen. Im Anschluss prozessierte er gegen die Bank. Er forderte einen Bonus von zwei Millionen Franken. Nach einigem Hin und Her einigte man sich auf eine Zahlung von einer halben Million.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Birkenfeld gemäss Schweizer Recht längst der Bankgeheimnisverletzung schuldig gemacht. Er spekulierte darauf – allerdings vergeblich –, dass er dank seiner Kooperation mit den Behörden straffrei ausgehen würde. Sein einstiger Kunde Olenicoff, der sich selbst angezeigt hatte, bezichtigte Birkenfeld zuvor der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.
Aus Birkenfelds Einvernahmeprotokoll geht auch hervor, dass sein Verteidiger Danny Onorato (43) behauptet, Birkenfeld habe seinen Vorgesetzten namens «Licdee» bei den Behörden angeschwärzt. Dabei handelt es sich um Martin Liechti (47, siehe Box), der im April von den US-Behörden in Miami als Zeuge im Strafverfahren wegen Steuerbetrug festgehalten wird.
Liechti macht nun unfreiwillig Ferien in Miami. Er logiert in einem Hotel. Die Behörden nahmen ihm den Reisepass ab und legten ihm eine elektronische Fussfessel zur Überwachung an. Seine Angehörigen besuchen ihn nicht – aus Angst, ebenfalls nicht mehr ausreisen zu dürfen.