Dank St. Galler Tüftler Alfred Bruni (55) So frisch war Milch vom Hof noch nie

MUOLEN SG - Mit seinen Brunimaten erobert Alfred Bruni derzeit die Welt. 2016 kann er 200 Stück an deutsche Bauern verkaufen – trotz des starken Frankens.

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Weil Europas Milchbauern von den Verarbeitern kaum noch etwas für ihre Milch bekommen, setzen sie auf den Verkauf ab Hof. So können sie für ihre Milch bis zum Vierfachen des aktuellen Preises erzielen.

Das nützt auch Alfred Bruni (55) aus Muolen SG. Ihm gehört die Firma Brunimat, die Milchautomaten herstellt. Je tiefer der Milchpreis, desto besser lassen sich seine Automaten verkaufen. «2016 gibt ein Rekordjahr!», sagt Bruni zu BLICK. Der Erfinder rechnet erstmals mit einem Absatz von 300 Automaten. 

«Die Nachfrage ist explodiert»

Vor allem Deutsche sind scharf auf den Brunimaten. 200 Stück gehen 2016 ins Nachbarland. «Die Nachfrage ist explodiert», sagt Bruni. Der Milchpreis ist im Sommer unter 20 Cent gesunken: «Die Direktvermarktung wird immer dann zum Thema, wenn die Preise den Bauern schmerzen.»

Bruni ist gelernter Bauer. 1994 wurde der Milchmarkt liberalisiert, und er sah seine Chance für seinen Brunimaten. Lange besorgte er tagsüber den Hof und tüftelte abends am ersten Automaten herum. 2006 verkaufte er schweren Herzens seine 40 Milchkühe. Er wollte ganz auf die Karte Unternehmer setzen. Nun beschäftigt er zwei Angestellte.

Der Milchbauer sei heute vielerorts auch Hofladenbesitzer. «Die Landwirte denken ökonomischer, sie erweitern ihr Angebot. Sie wollen die Kunden auf den Hof holen und ihnen ein Erlebnis bieten», sagt Bruni. 

Deutsche bestehen auf einer Quittung

Ärger macht ihm die Bürokratie in Deutschland. Sie nehme bisweilen bizarre Züge an. «Offiziell gelten meine Automaten als Zapfsäulen. Deshalb bestehen die Deutschen darauf, dass die Automaten Quittungen ausspucken, auf denen auf den Milliliter genau steht, wie viel Milch der Kunde gekauft hat.» Wie bei einer Tankstelle. «Das ist absurd. Meine Apparate verkaufen frische Rohmilch und nicht Diesel oder Bleifrei 95!», sagt Bruni.

Die Brunimaten kosten zwischen 5000 und 10’000 Franken. Weniger als vergleichbare Produkte aus dem Ausland. «Im deutschsprachigen Raum verzichte ich auf Zwischenhändler», sagt Bruni. Auch ein Serviceteam gibt es nicht. Wenn etwas kaputtgehe, könne er mit dem Bauern am Telefon rasch klären, wo das Problem liegt. Zwei Tage später habe der Kunde das Ersatzteil im Briefkasten. «Einbauen können es die Bauern selber.»

In Deutschland auch bei Edeka

Keine Freude macht ihm der starke Franken. «Der drückt auf die Marge. Ich würde lieber zu einem Kurs von 1.50 verkaufen», sagt er. Aber jammern nütze nichts. «Wir müssen das Beste daraus machen und unsere Produkte ständig optimieren.» Die Produktion ins billigere Ausland zu verlagern, ist für Bruni kein Thema. «Schweizer Maschinen geniessen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Diesen Vorteil geben wir nicht her.»

3000 Automaten hat Alfred Bruni bereits verkauft, 500 davon stehen in der Schweiz. Vor allem auf Bauernhöfen direkt an der Strasse. Schweizer Detailhändler haben sich noch nicht dafür interessiert. In Deutschland gibt es seine Automaten sogar in Edeka-Filialen und bei Kaufland. «Derzeit stehen wir auch in Verhandlungen mit Bauern in der Türkei und in Norwegen», sagt er, dessen Automaten auch schon kopiert wurden. Das nerve zwar. «Eigentlich ist es aber ein Lob.» Sein ganzer Stolz: «Auch in Russland, Neuseeland und sogar in Kenia stehen meine Automaten.»

So funktioniert der Brunimat

Der Bauer füllt die Automaten mit frischer Rohmilch in 200-Liter-Tanks. Der Automat ist auf 3,5 Grad heruntergekühlt. Ein Rührwerk verhindert, dass die Milch verrahmt. Der Kunde öffnet eine Klappe, stellt seine mitgebrachte Glasflasche hinein. Dann bezahlt er, drückt einen Knopf – und die Milch sprudelt. Nach jedem Bezug wird der Abfüllbereich automatisch gereinigt.

Wechselt der Bauer die Milchtanks aus, werden alle Leitungen gespült. Die Automaten gibt es mit verschiedenen Bezahlsystemen: Sie schlucken Münz, nehmen Noten und akzeptieren sogar Kreditkarten. Auf Wunsch sind sie mit einem Alarm ausgerüstet, um Diebe zu vertreiben. Der Bauer bekommt ein SMS, wenn einer seiner Automaten geknackt wird.

Publiziert am 29.11.2016 | Aktualisiert am 29.11.2016
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3 Kommentare
  • Fritz  Frigorr 30.11.2016
    Innovation ist immer besser, als nur Subventionen kassieren. Doch ist der Schweizer Franken nicht stark, wie hier mal wieder fälschlicherweise behauptet wird. Und die Quittung will der deutsche Staat deshalb, damit er weiss, was verkauft wurde. Das hat nichts mit einer Tankstelle zu tun.
  • Rolf  Vogel aus Schachen
    30.11.2016
    Also ich finde das eine tolle Idee, aber eben das ist nichts für faule Bauern, sonder nur für inovative.
  • Susan  Köhli , via Facebook 29.11.2016
    So ein Chabis. Mit dem Milchpintli am Abend die Milch beim Bauern abholen und ihm dabei beim Melken zusehen. Zu Fuss und nicht im Range Rover. nach Hause laufen. Das ist frisch. ( und leider heute nicht mehr möglich)