Flucht nach vorne CS empfiehlt Deutschland eine Steueramnestie

  • Publiziert: 13.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Nach dem Erfolg in Italien soll auch Deutschland eine Steuer-amnestie durchführen. Dies sei eine sehr effiziente Weise, um an Geld zu kommen, sagt der Verwaltungsratspräsident der Grossbank Credit Suisse, Hans-Ulrich Doerig.

Er würde Deutschland «sehr ans Herz legen», dem italienischen Beispiel zu folgen, sagte Doerig in der «Samstagsrundschau» von Radio DRS. Eine Steueramnestie könne eine grosser Erfolg werden, brauche doch Deutschland angesichts des erwarteten Staatsdefizits von über 110 Mrd. Euro in diesem Jahr dringend Geld.

Die deutsche Regierung will bislang von einer Steueramnestie nichts wissen, sondern setzt auf Selbstanzeigen von Steuersündern. Von der CD mit gestohlenen Kundendaten Schweizer Banken gehe entsprechender Druck aus, räumte Doerig ein. Deutschland solle für Klarheit sorgen, welche Bank betroffen sei, denn die gegenwärtige Situation sei eine Belastung für die Bank.

Wieviel Geld bei der Credit Suisse unversteuert sei, wisse er nicht. Insgesamt rund 100 Milliarden Franken an Vermögen von europäischen Kunden verwaltet sie in der Schweiz. Davon sei aber ganz sicher nicht alles schwarz, «das würde ich sehr bestreiten». Viele Kunden kämen, weil sie Vertrauen in die Credit Suisse hätten und nicht wegen dem Bankgeheimnis oder zur Steuerhinterziehung.

Zwei Drittel blieben

Bei der Credit Suisse wurden laut DRS im Rahmen der italienischen Steueramnestie 15 Milliarden Franken deklariert. Zwei Drittel seien bei der Bank geblieben, sagte Doerig. Auch bei der Konkurrentin UBS wurde das vierte Quartal laut CEO Oswald Grübel sehr stark beeinflusst von der italienischen Steueramnestie.

Es sei zwar unausweichlich, dass es auf dem Schweizer Bankenplatz zu weiteren Geldabflüssen komme. Ein Grossteil davon könne aber abgefangen werden, «bei uns zum Beispiel durch unser eigenes Netzwerk in diesen Ländern», sagte Grübel gegenüber Radio DRS.

CS strebt Weissgeld-Strategie an

Kleinere Privatbanken haben hingegen vielfach nicht diese Mittel. So freut sich denn auch die Credit Suisse über Neukunden, «die wir früher nicht hatten, von denen wir geträumt haben», wie Doerig erklärte. Die CS strebe aber eine Weissgeld-Strategie an. Sie wolle kein neues Geld, das nicht versteuert ist, versicherte Doerig.

Einen automatischen Informationsaustausch über Kundendaten lehnt Doerig aber wegen des Schutzes der Privatsphäre kategorisch ab. Man könne erst darüber reden, wenn er zum weltweiten Standard werde, wenn auch die USA, Singapur oder Hongkong dabei seien. Die Schweiz solle offensiv die Abgeltungssteuer als Alternative propagieren. (SDA/dct)

play Der Verwaltungsrats-Präsident der Credit Suisse: Hans-Ulrich Doerig. (RDB)

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