CS-Chef Thiam im Gegenwind Der Mann ohne Freunde

ZÜRICH - Erst sieben Monate im Amt, doch bereits in der Kritik: CS-Chef Tidjane Thiam steckt in einer Vertrauenskrise. Die Aktionäre zweifeln, dass er seine Ziele erreichen kann.

«Die grösste Bürde ist eine Übernahme aus dem Jahr 2000»

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Das waren noch Zeiten: Als CS-Präsident Urs Rohner vor elf Monaten Tidjane Thiam als Nachfolger des glücklosen Brady Dougan präsentierte, schoss die CS-Aktie um 7,8 Prozent  in die Höhe auf 25 Franken. Jetzt ist der Titel weniger als 15 Franken wert. Heute morgen verlor er bis zu 12 Prozent.   

Das ist ein brutales Misstrauensvotum gegen Thiam. «Wo bleibt das Licht am Ende des Tunnels?», fragt ZKB-Analyst Andreas Brun. Die CS habe im letzten Jahr die bereits tiefen Erwartungen nicht erfüllt. Ähnlich die Bank Vontobel: Die CS-Ergebnisse seien schwach, kommentiert sie.

Klar: Für den Verlust von 2,9 Milliarden Franken im letzten Jahr kann Thiam wenig. Der ivorisch-französische Doppelbürger muss ausbaden, was seine Vorgänger angerichtet haben. Vor allem Lukas Mühlemann: Er kaufte im Jahr 2000 die Investmentbank DLJ für völlig überrissene 20 Milliarden Franken. Weil die Bank das Geld nie einspielte, klaffen nun Löcher in der Bilanz.

Thiam hat sich selber Probleme geschaffen

Doch alle Probleme auf die Vorgänger abwälzen, das kann Thiam nicht. Einen Teil hat er selber geschaffen. Der Kurssprung bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr erfolgte, weil alle Welt glaubte, Thiam werde aus der CS eine zweite UBS machen – also das Investmentbanking herunterfahren und auf die Vermögensverwaltung setzen.

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CS-Chef Thiam wehrt sich gegen Gerüchte: «Das ist Manipulation.» Keystone

Doch Thiam hat andere Pläne. Er hält am Investmentbanking fest. «Die Debatte über das Investmentbanking ist irrational», sagt er. «Man muss die Demagogie stoppen.» Das Geschäft mit Firmenfinanzierungen spiele eine wichtige Rolle für die Gesamtwirtschaft. Man müsse es nur richtig betreiben.

Damit hat er zweifellos recht. Doch der Markt zweifelt, dass dies der CS ausgerechnet unter dem Versicherungsmann Thiam gelingen sollte. Schliesslich scheiterte auch Dougan. Und der war ein eingefleischter Investmentbanker. 

CS-intern hat sich Thiam viele Feinde geschaffen 

Noch ein Problem hat sich Thiam selber zuzuschreiben: Seine im Oktober präsentierten Ziele sind derart ehrgeizig, dass sie niemand für realistisch hält. Thiam will den Vorsteuergewinn bis 2018 auf 9 bis 10 Milliarden Franken steigern. Alle Geschäftsbereiche sollen mindestens doppelt so viel Geld einspielen wie heute. Das erinnert fatal an windige Strategiepapiere von Unternehmensberatern wie McKinsey, wo Thiam einst seine Sporen abverdiente: viel heisse Luft, wenig Inhalt.

Seither steht Thiam im Gegenwind. Im Preiszerfall an der Börse drückt sich das Misstrauen aus. Doch nicht nur dort. Um Thiam gibts permanent Gerüchte - mal wird kolportiert, er stehe vor dem Absprung zum Internationalen Währungsfonds, dann soll er die eingeleitete Strategie schon wieder über den Haufen geworfen haben oder von seinem Chef Rohner auf die Abschussliste gesetzt worden sein. Auch wenn das alles nur Quatsch ist: Es zeigt, dass sich Thiam in den sieben Monaten bei der CS schon viele Feinde geschaffen hat.

Der einstige Minister in der Elfenbeinküste lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen – zumindest äusserlich. «Es gibt eine Gerüchte-Industrie, damit machen gewisse Leute Geld», sagte er heute zur haltlosen Behauptung, er wolle das Investmentbanking verkaufen. «Das ist Manipulation.»

Seht der Verwaltungsrat noch hinter Thiam? 

Auch an seinen Zielen hält er fest. Ein CEO dürfe sich nicht an Quartalsergebnissen und Kursschwankungen an der Börse orientieren. «Ich spiele dieses Spiel nicht mit», sagt er. Die Strategie der CS sei auf zehn Jahre angelegt. Die CS sei auf Kurs, die anvisierten Ziele bis 2018 zu erreichen. 

Die Frage ist aber: Bekommt er die Zeit zu beweisen, dass er recht hat? Oder entzieht ihm der Verwaltungsrat um Urs Rohner vorher das Vertrauen?      

Publiziert am 04.02.2016 | Aktualisiert am 19.02.2016
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23 Kommentare
  • Thomas  Zürcher 04.02.2016
    Es herrscht Endzeitstimmung im ganzen Land.Hiobsbotschaften am Laufmeter und das ist erst der Anfang."Bitte Anschnallen"!
  • Alexa  Baumann , via Facebook 04.02.2016
    Ohne Freunde aber mit einem fürstlichen Gehalt. Es wird ihm egal sein weil in 12 Monaten wird er wohl eh nicht mehr in Zürich sein.
  • Ursula  Zweifel 04.02.2016
    Meine Freundin arbeitet weit "oben" in der CS. Sie berichtet, dass der Mann grundsätzlich die Anforderungen im Asiengeschäft nie und nimmer erfüllte, keine Aufträge einbrachte und mit den Leuten
    • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
      04.02.2016
      Frau Zweifel, wenn Ihre Geschichte stimmt, ist Ihre Freundin weit "oben" in der CS eine Plaudertasche. Egal ob man mit den Chefs in einer Bank einverstanden ist oder nicht, dank der Diskretion Ihrer Mitarbeiter haben die Schweizer Banken immer noch einen sehr hohen Stellenwert.
  • Paul  Mauchle aus St.Gallen
    04.02.2016
    Es ist einfach unglaublich was diese Banken anrichten. Milliarden-Verluste, Millionen-Bussen usw. Dann wird den einfachen Angestellten in den Hintern getreten. Teilweise wird die Teppich-Etage mit hohen Boni und Entschädigungen entlassen und die nächsten die kommen werden weiter wursteln. Wo lernt man ein solches Vorgehen? An den hochgepriesenen Hochschulen, die auch noch vom einfachen Bürger finanziert werden.
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    04.02.2016
    Thiam dürfte am wenigsten an der Misere der CS schuld sein. Wo blieb und bleibt die Verantwortung des Verwaltungsrates? Warum werden z.B. Mühlemann, seine Mitstreiter und Nachfolger nicht in die Verantwortung genommen? Aus dieser Zeit dürften noch einige bei der CS arbeiten, die damals von unseligen Geschäften wussten, wenn sie nicht sogar daran beteiligt waren. Die Boni dafür haben sie kassiert. An Thiam dürften sie kaum Freude haben, da er nun aufräumen soll.