Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam Der Ankündigungs-Beauftragte

ZÜRICH - Weniger Investmentbanking, weniger Stellen, weniger Ausgaben: CS-Geschäftsführer Tidjane Thiam verspricht viel. Die Realität sieht anders aus.

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Seit Juli 2015 Vorsitzender der Geschäfts­leitung von Credit Suisse: Tidjane Thiam. Getty Images

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Der CS-Chef weiss um die Kraft der Worte – aus seiner Zeit als Minister in Côte d’Ivoire: Krisenzeiten muss man mit Krisensprache begegnen – in der Politik wie in der Wirtschaft. Mit Begriffen wie «Sparen», «Kontinuität», «Fortschritt» und der Verkündung künftiger Gewinnzahlen.

Klar, dass Tidjane Thiam (53) diese symbolträchtigen Worte verwendete, als die Credit Suisse am Mittwoch fürs dritte Quartal lediglich einen Mini-Gewinn von 41 Millionen Franken meldete und der Ak­tienkurs um sieben Prozent absackte.

Thiam baut ab, was er aufgebaut hat

Bis Ende der Woche ging es weiter abwärts, obwohl Thiam stolz darauf verweisen konnte, dass er in diesem Geschäftsjahr schon 5400 Stellen gestrichen habe und damit – so das Signal an die Aktionäre – auf gutem Wege sei, bis Ende Jahr 1,4 Milliarden Franken einzusparen. Die Streichungen betreffen allerdings nur 600 Angestellte mit CS-Vertrag, wie die Bank auf Anfrage einräumt, also gerade einmal elf Prozent.

Vor allem traf es Zeitangestellte, externe Vertragsnehmer und Berater. Und: Thiam baut nur ab, was er selbst aufgebaut hat. Unter seiner Ägide nahmen die Kosten für «professionelle Dienstleister» heftig zu: Im vierten Quartal 2015 kosteten sie Credit Suisse über eine Milliarde Franken.

Im März hatte Thiam eine «Beschleunigung des Kosteneinsparungsprogramms» ausgerufen und die geplanten Stellenstreichungen von 4000 auf 6000 erhöht. Aber Ende September arbeiteten 47'690 Menschen weltweit bei der CS – etwa 500 mehr als Mitte 2016.

160 Millionen mehr für Externe

Offenbar setzte der einstige McKinsey-Berater Thiam stark auf Consulting. Noch im ersten Halbjahr 2016 gab die Bank über 160 Millionen Franken mehr für Externe aus als im Vorjahr. Erst jetzt sinken die Ausgaben leicht.

Die Differenz zwischen dem, was Thiam sagt, und dem, was er tut, ist auch auf anderen Feldern unübersehbar. So verkündete er klar, dass er das globale Investmentbanking zurückfahren müsse. Doch als Thiam das Ruder übernahm, arbeiteten weniger Banker in den beiden Investment-Bank-Teilen als heute: Im zweiten Quartal 2015 waren im Bereich Global Markets 11470 Mitarbeiter tätig, heute sind es 210 mehr.

Man nehme hier Anpassungen vor, erklärt Pressesprecher Christoph Meier. Im Bereich Investment Banking & Capital Markets dagegen baue man «gezielt auf». Denn, so der Sprecher: «Das Geschäft ist weniger kapitalintensiv und unterstützt auch unsere Bank für Unternehmer-Aktivitäten.»

Gewinn-Projektion war «illustrativ»

Das passt nicht so richtig zum markigen Spruch «Right-size the Investment Bank» (die Investment Bank zurechtstutzen), mit dem Thiam am Investorentag aufgetreten war. In jenem Oktober 2015 präsentierte Thiam eine ambitionierte Folie mit der Überschrift: «Die Gruppe wird erwartungs­gemäss profitables Wachstum liefern.»

Für 2018 rechnete Thiam damals mit einem stolzen Vorsteuergewinn zwischen neun und zehn Milliarden. Zum Vergleich: Im vergangenen Krisenjahr waren es gerade mal 88 Millionen.

Inzwischen ruderte Thiam in einem Interview kleinlaut zurück. Er habe die Zahlen klar als Projektion eingeführt und als «illustrativ» eingestuft.

Publiziert am 06.11.2016 | Aktualisiert am 06.11.2016
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16 Kommentare
  • Walter  Staub , via Facebook 06.11.2016
    Langsam wird einem klar, weshalb CS-Leute immer vom Pumpenschlauch reden, sobald der Name Thiam angesprochen wird.
  • Stefan  Alexander aus Opfikon
    06.11.2016
    Dieser Mann weiss wie man Geld macht.
    Vor Stellenantritt bei CS zik Mio. erhalten.
    Seit Stellenantritt ein königliches Salär mit Boni in Mio.-Höhe erhalten und erhält dies weiterhin. Sollte er entl. werden gibts wiederum Mio. Abgangsentschädigung.
    Und für was???
    Für nichts können. Falsche Ankündigungen. Kommt auf keinen grünen Zweig. Mitarbeiter meiden ihn. Geschönte Zahlen. CS Aktie am Abgrund.
  • Annemarie   Setz 06.11.2016
    Ankündigen und Tatsachen aufdecken sind zweierlei. Das müsste ein bestens salarierter Bankmanager wissen, und es hat überhaupt nichts mit der Hautfarbe von Thiam zu tun. Am besten sind eben immer noch die Banker, die das Zeug von der Pike auf gelernt haben und nicht die Quereinsteiger aus Politik und Mac Kinsey. Die machen sich bei Misslingen ihrer Aktion mit einer saftigen Abstimmung einst still von dannen.
  • W.  Friedli aus KTM
    06.11.2016
    Klar wie Guelle. Hauptsache er hat ein grossen Zapfen-Lohn. Der er eigentlich nicht verdient aber keiner merkt es und keiner unternimmt was. Ist doch sauber das Banken Lohn-System. Die CS melken solange wie es geht. Ja die Chinesen uebernehmen sicher die CS ist nur eine Frage der Zeit. Der neue Name CCS ein zusaetzliches C steht fuer China. Ausverkauf der Schweizer Banken steht vor der Tuere. Leider ist das die Tatsache liebe Schweizer die Loesung das Konto bei CS Bank aufloesen.
  • Sandro  Baumgartner , via Facebook 06.11.2016
    Vielen Dank Herr Thiam Sie sind ein Vorbild für alle Schwarzen Menschen in der Schweiz.