Coop verkauft illegalen Tabak Snus-Verbot kostet Jobs

ZÜRICH - Seit August ist der Verkauf bestimmter Kautabake als «Snus» verboten. Coop und Valora halten sich nicht daran. Doch die Kontrollbehörden tun nichts. Warum?

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 «Ich komme mir vor wie in einer Bananenrepublik!» Patrick Fiechter, Kautabak-Importeur Sabine Wunderlin

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Patrick Fiechter (33) lebt in der Schweiz. Doch seit dem 23. August schimpft er: «Ich komme mir vor wie in einer Bananenrepub­lik!» Denn seit jenem Tag sind einige Sorten Kautabak in der Schweiz verboten. Dem Geschäftsmodell von Fiechters Firma – dem Import von Mundtabak – droht deshalb das Aus.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat in einer Weisung die Tabakverordnung neu ausgelegt. Nun sind fein geschnittene Kautabake genauso wie pulvriges oder körniges Snus zu behandeln, das man sich in kleinen Beuteln unter die Lippe schiebt. Der Verkauf von Snus ist in der Schweiz verboten.

Geld fliesst ins Ausland, Schweizer Gewerbe geht kaputt

Für den Eigenbedarf darf man aber alle zwei Monate bis zu 1,2 Kilo importieren. Fiechter findet das absurd: Geld fliesse ins Ausland ab, das Schweizer Gewerbe gehe kaputt. Durch die Weisung seien 400 bis 500 Jobs bedroht, schätzt Fiechter. «Bei uns sind sechs Arbeitsplätze in Gefahr.» Es sei zudem ­eines Rechtsstaats unwürdig, dass ein Amt dem Parlament vorgreife.

Tatsächlich beschäftigen sich die Parlamentarier schon lange mit dem Tabakgesetz. Vergangene Woche hat die nationalrätliche Gesundheitskommission darüber debattiert. Im März hatten die Vorsitzenden von fünf Fraktionen in einem Brief darum gebeten, das BAG solle das Ergebnis des ordentlichen Gesetzgebungsprozesses abwarten. Das Amt schien darauf einzugehen: Im Juli hiess es noch, man warte ab, bis die politische Lage geklärt sei. Ende August kam dann die Wende.

Coop kritisiert das BAG wegen «Snus»-Regelung

Auch einer von Fiechters Kunden, der Detailhandelsriese Coop, kritisiert das BAG. Man hätte eine Klärung der Fragen im Zuge des laufenden politischen Prozesses be­grüsst, sagt Coop-Sprecher Ramon Gander. Die Weisung des BAG sei ziemlich unerwartet gekommen. Man habe sich darum nicht auf die Änderung vorbereiten können.

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Dieser Kautabak wird jetzt vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) wie «Snus» behandelt und ist damit illegal. Coop verkauft ihn trotzdem. Sabine Wunderlin

Jetzt dürften Unternehmen wie Coop eigentlich nicht einmal mehr ihre Lagerbestände an verbotenem Kautabak ab­stossen. Laut BAG gibt es keine Übergangsfrist. Verstösse gegen das Verbot werden mit bis zu 40'000 Franken Bussgeld oder Gefängnisstrafe geahndet. Die zuständigen Kantons­chemiker unternehmen aber noch nichts.

Stichproben erst ab November

«Hier geht es um Verhältnismässigkeit», sagt Otmar Deflorin (49), Präsident des Verbands der Kantonschemiker der Schweiz. «Erst ab November werden wir Stichproben bei den Betrieben im Inland durchführen.» Es sei wichtig, zuerst die Grenzen dichtzumachen. Dort haben sich laut Zollverwaltung bereits «einige Hundert Kilogramm Snus» angesammelt.

Publiziert am 17.10.2016 | Aktualisiert am 17.10.2016
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  • Wolfgang  Benfattoum , via Facebook 17.10.2016
    Alles Mummpitz. Nur weil man kann, heisst es noch lange nicht, dass man alles in seinen Koerper reinzwingen muss. Gesund leben ist doch gar nicht so schwer. Aber lasst doch die Leute in Ruhe. Sollen doch machen was sie wollen. Euer Koerper wirds euch eines Tages zurueckzahlen.
    • werner  widmer aus russikon
      17.10.2016
      Wolfgang,
      Das Ganze hat nur ein Problem. Wer zahlt die Folgekosten (Krankenkasses, Sozialamt etc.) Darum hat die Oeffentlichkeit schon ein Recht einzugreifen. Die Tabakkauer könnten auch eine Verzichtserklärung unterschriebn, dass sie die Folgenkosten selbst tragen.
  • Kurt  Bidi aus Bern
    17.10.2016
    schön hat der Bund ja nichts besseres zu tun, wichtiger wäre doch mal die Krankenkassen resp. Ärzte und Spitalpolitik zu überarbeiten, aber stop da ist Arbeit angesagt dies ist nicht die stärke der Politik man geht den schwierigen fällen lieber aus dem Weg und beschäftigt sich mit Kautabak ich mache einfach was falsch
    • Daniel  Ernst aus Bern
      17.10.2016
      Wir haben die Einheitskrankenkasse für mich unverständlicherweise abgelehnt. Jetzt bitte einfach nicht über die teuren Krankenkassen motzen.. Wir hatten es in den eigenen Händen.
  •   17.10.2016
    Scheinbar haben die BAG-Tester den Snus ins Hirn geschoben, nur so kan ich mir erklären, dass der Snus verboten sein soll. Von meinen Verwanten in Schweden "Snusen" sicher 30 Prozent. Dies um das Rauchverbot zu umgehen, oder weil es für sie besser ist. Snus ist chemisch dem Tabak nahe. Der Saft geht nicht in die Lunge, wenn überhaupt in den Magen. Als Leistungssteigernd wird er nur bei lahmen Hockeyspielern empfunden - nützt aber nichts.