Chef Bertrand Jungo enthüllt «Bei uns kann man jetzt mit dem Handy zahlen»

ZÜRICH - Manor-Chef Bertrand Jungo (47) ist stolz: Als erster grosser Detailhändler führt das Warenhaus am Montag bargeldloses Bezahlen per Smartphone ein.

So funktioniert Manors «Zahlen per Handy»

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Tui-Chef Martin Wittwer (55) «Höhere Preise im Reisebüro können wir uns...
2 Kampf der E-Voting-Systeme Post bringt die Wahlurne nach Hause
3 Neue Studie enttarnt Weihnachtsgeschenk-Geizhälse Männer sind 27...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
2 Kommentare
Fehler
Melden

Blick.ch: Haben Sie sich schon das neue iPhone 5s im Ausland besorgen können?

Bertrand Jungo: Anfang Oktober bekomme ich es über einen Mitarbeiter, der über gewisse Verbindungen verfügt.

Hierzulande besitzt schon fast jeder Zweite ein Smartphone: Weltrekord!

Mobilität hat heute ein Gesicht und das sieht so aus (zeigt sein iPhone). Mit dem Smartphone hat man ständig und überall Zugriff auf Produkte, vergleicht und bestellt direkt übers Internet. Meine beiden Töchter handhaben das auch so und entscheiden dann selber, ob sie bei Manor einkaufen oder nicht. Diesem mobilen Konsum wollen wir nun besser Rechnung tragen.

Ein Beispiel?

Wir machen zuerst das Smartphone zum Portemonnaie. Ab morgen können Kunden in unseren 64 Warenhäusern schweizweit in wenigen Sekunden bargeldlos bezahlen. Und bis Mitte 2014 rüsten wir alle Häuser mit Gratis-WLAN aus.

Migros und Coop versuchen das auch. Gelungen ist es ihnen bisher nicht. Wo ist der Haken?

Den gibts nicht. Eine Million Menschen besitzen eine Manor-Karte. Sie alle können diese nun in ihr Smartphone integrieren und als Bezahl-App nutzen. Übrigens auch bei Jumbo, der wie wir zur Maus-Frères-Gruppe gehört. Damit sind wir der erste Detailhändler in der Schweiz, der Bezahlen mit dem Smartphone möglich macht.

Auf den internationalen Übertragungsstandard NFC für mobiles Bezahlen verzichten Sie?

Keinesfalls. Diese Technologie führen wir im Lauf des Jahres 2014 ein. Dann wird es einer breiten Masse möglich sein, direkt mit dem Handy zu bezahlen, ohne eine Kundenkarte haben zu müssen. Bis jetzt schaffte NFC hierzulande allerdings noch nicht den Durchbruch.

Dank der Manor-App können Sie noch besser Kunden ausspionieren!

Wir leisten den Konsumenten einen Dienst, indem wir ihnen diese Karte gratis anbieten. Sie ermöglichen uns, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Wir geben ihnen dafür verschiedene Vorteile. Das geht über reine Rabattcoupons hinaus. Wir inspirieren den Kunden, von Ausspionieren kann keine Rede sein. 

Sind meine Daten sicher, wenn ich mobil bezahle?

Absolut. Die Sicherheit ist hundertprozentig gewährleistet, weil wir keine persönlichen Daten auf dem Smartphone speichern. Bis 40 Franken braucht es keinen PIN-Code, darüber hinaus schon.

Sie erleichtern das Einkaufen im Warenhaus. Doch die Post geht längst in den Onlineshops ab.

Darum stocken wir auch kontinuierlich die Artikelzahl auf Manor.ch auf. Heute haben wir 20000 Produkte im Shop und erzielen damit hoffentlich dieses Jahr erstmals einen zweistelligen Millionen-Betrag.

Kannibalisieren Sie damit nicht Ihr Geschäft?

Nein. Die Hälfte aller Onlinebestellungen wird in unseren Warenhäusern abgeholt: ein hoher Wert. In fünf Jahren erwarte ich durch mobile Bestellungen den Umsatz, den eine mittelgrosse Manor-Filiale macht. Also 50 bis 60 Millionen Franken pro Jahr.

Manor setzte im letzten Jahr 2,8 Milliarden Franken um. Da ist das doch nur ein Klacks.

Oberflächlich betrachtet ja, aber es geht hier nicht nur um direkte Onlineumsätze. Der neue Kunde geht online, informiert sich und kauft nachher im Warenhaus oder umgekehrt. Dieser Mechanismus hat dazu beigetragen, dass wir nicht wie andere unter dem ungünstigen Wetter im Frühjahr litten. Einbrüche wie im Jahr 2012 gab es nicht.

Nach rückläufigen Umsätzen in den letzten Jahren wächst Manor also 2013?

Wir erwarten noch drei umsatzstarke Monate mit dem Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr. Darum kann ich heute schon sagen, dass wir 2013 leicht wachsen.

Durch den Einkaufstourismus fliesst aber auch Umsatz ab.

Nach wie vor generieren wir in grenznahen Filialen wie Basel und Genf mehr als 30 Prozent unserer Einnahmen. Der Einkaufstourismus gehört aber zur neuen Normalität im Detailhandel. Dennoch kämpfen wir für längere Öffnungszeiten und unterstützen die Motion Lombardi, die in diese Richtung geht.

Grosse Warenhausketten im Ausland sind verschwunden. Manor hält sich gut. Wieso?

Kein Warenhaus auf der Welt ist so nahe beim Kunden wie wir. Fünf Millionen Schweizer sind in 15 Autominuten in einer Manor-Filiale. Wir haben uns immer darauf ausgerichtet, eine breite Bevölkerung anzusprechen und deren Bedürfnisse zu antizipieren. Wichtig ist auch, dass jede Filiale einen lokalen Bezug behalten hat.

Diese Woche wurde bekannt, dass Swiss Life Sie aus dem Manor-Haus an der Bahnhofstrasse werfen will. War das ein Schock?

Wie Sie sehen, bin ich ganz entspannt. Dieses Wochenende feiern wir das Ende der einjährigen Umbauphase unseres Flaggschiffs in Zürich. Ich freue mich, dass ich unseren Kunden ein solches Haus präsentieren kann. Wir hätten nicht zwölf Millionen Franken investiert, wenn wir nicht längere Zeit bleiben wollten.

Der Gebäudeeigentümer sagt, Sie hätten eine Offerte für die Verlängerung des Mietvertrags zu «marktüblichen Preisen» abgelehnt?

Es gibt gewisse Unstimmigkeiten in der Interpretation der Vertragsverlängerung. Diese werden aktuell vom Mietgericht geklärt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie wussten schon seit 2008 von den Plänen des Versicherers. Haben Sie Swiss Life zu wenig offeriert?

Nein, wir haben ein faires Angebot gemacht. Schauen Sie, wir haben täglich 350000 Kunden in unseren 64 Manor-Filialen. Davon entfallen rund 40000 auf die Bahnhofstrasse. Es täte sehr weh, wegziehen zu müssen. Zürich ist eine wunderbare Stadt für Detailhändler, die Bahnhofstrasse sowieso. Da muss man einfach sein.

Werden Sie für Ihr Flaggschiff kämpfen?

Wir sind es unserer Kundschaft schuldig, durch alle gerichtlichen Instanzen zu gehen und für den Standort zu kämpfen. Ich hoffe, das merkt man. Wir sind der Auffassung, dass es auch an der Zürcher Bahnhofstrasse Platz für erschwingliche, aber stilvolle Produkte geben muss, und die Einkaufsmeile nicht nur kleinen Shops mit Luxus, Luxus, Luxus überlassen wird.

Publiziert am 29.09.2013 | Aktualisiert am 12.08.2014
teilen
teilen
0 shares
2 Kommentare
Fehler
Melden
Auch bei Jumbo: Zahlen per Handy
Bertrand Jungo führt bei Manor das Bezahlen per Natel ein – 2014 sollen alle Filialen mit Gratis-WLAN ausgestattet werden. play
Bertrand Jungo führt bei Manor das Bezahlen per Natel ein – 2014 sollen alle Filialen mit Gratis-WLAN ausgestattet werden. Sabine Wunderlin

TOP-VIDEOS

2 Kommentare
  • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
    29.09.2013
    Der Mann verspricht absolute Sicherheit! NFC wurde schon gehackt ...

    Liebe Leute lasst euch nicht blenden und wenn ihr doch bargeldlos bezahlen möchtet, dann verlangt dafür 0 Gebühren und Rabatte für die eingesparten Kosten von Manor!
  • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
    29.09.2013
    Was läuft hier eigentlich ab? Blick, das wäre etwas für den investigativen Journalismus! Die NSA ist mit allen grossen Firmen und Staaten "verfilzt", Konten und Zahlungsverkehr werden gelesen. Mobile Daten werden ausgelesen ... ich weiss es steht viel auf dem Spiel! Doch eines ist sicher, dass bargeldloser Zahlungsverkehr, bargeldloses Zahlen mit Karten oder Smartphones schlicht unsicher ist!!!!! Also was läuft hier falsch???