Börsenbetreiber SIX positioniert sich als Transaktionsbank für Schweizer Banken

ZÜRICH - ZH - Weil bei den Banken der Kostendruck steigt und sich gleichzeitig die Ertragsperspektiven verschlechtern, suchen sie zunehmend nach gemeinsamen Lösungsansätzen. In diese Bresche will die SIX springen mit der Idee einer Transaktionsbank.

SIX: Börsenbetreiber positioniert sich als Schweizer Transaktionsbank play
Urs Rüegsegger, Chef der SIX-Gruppe, will mit dem Finanzdienstleister zur Transaktionsbank für alle Banken werden. KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

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«Das Interesse ist gross an einer gemeinsamen Lösung», sagte URS Rüegsegger, Chef der SIX-Gruppe im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag». Im Verwaltungsrat der SIX sei man sich einig, diese Idee voranzutreiben. «Die Stossrichtung ist definiert und unsere Aktionäre stehen geschlossen dahinter», so Rüegsegger.

Konkret geht es darum, dass die Banken ihre Geschäftsprozesse im Hintergrund, das sogenannte Back Office, zusammenlegen sollen. Dabei soll die SIX «als gemeinsame Infrastrukturgesellschaft der Banken in Zukunft eine prominente Rolle einnehmen».

Ein solches sogenanntes Shared Back Office Center soll eine einzige Plattform betreiben und die entsprechenden Dienstleistungen nur einmal aufbereiten, skizziert Rüegsegger sein Ideal. «Es müsste eine Basisplattform geschaffen werden, an die idealerweise mehrere unterschiedliche Banken-IT-Systeme andocken können.»

Selbst die beiden Grossbanken UBS und CS sollen dereinst bei einer solchen Lösung mitmachen. «Wenn die Akteure wirklich ernsthaft ihre Kosten senken möchten, macht es Sinn, dass alle Banken mitmachen», sagt Rüegsegger.

Anbieten möchte er Dienstleistungen, «mit denen sich die Banken nicht differenzieren, die durch das Zusammenführen Skaleneffekte erzeugen und die das Potential haben, weiter automatisiert zu werden». Konkret sind das Dienstleistungen im Zahlungsverkehr, in der Wertschriftenabwicklung, aber auch im Hypothekarprozess oder in der Verarbeitung der Kreditkartenherausgabe.

Doch derzeit sei es noch zu früh, um bereits über die Strukturen einer solchen Transaktionsbank zu entscheiden. «Wir sind daran, unsere Position in dieser Frage zu schärfen», so Rügsegger. Dabei stelle man sich die taktische Frage: «Starten wir mit einem grossen Brocken oder starten wir Schritt für Schritt?»

Darüber hinaus spürt jedoch auch die Finanzdienstleister- Gesellschaft SIX, dass die Banken ihren Margendruck an SIX weitergeben. Deshalb muss auch die SIX-Gruppe bei ihrer Kostenstruktur über die Bücher.

«Wir werden uns überlegen müssen, ob wir gewisse Aufgaben auch an günstigeren Orten erledigen können, wie etwa in Indien oder Polen», räumt Rüegsegger ein. Bereits heute beschäftigt die SIX-Gruppe über Partner 200 Mitarbeitende in Mumbai und weitere 150 Personen in Krakau.

Urs Rüegsegger steht seit acht Jahren an der Spitze der SIX und gedenkt dies auch weiterhin zu tun. Es sei für ihn kein Thema, das Präsidium des Verwaltungsrats zu übernehmen, das derzeit vakant ist. «Mit gefällt meine Arbeit und ich freue mich auf viele spannende neue Aufgaben», sagt er. (SDA)

Publiziert am 09.10.2016 | Aktualisiert am 10.10.2016
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