Rettungsschirm soll Staatsanleihen kaufen Börsen enttäuscht über Draghi

  • Publiziert: 02.08.2012
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Der Chef der europäischen Zentralbank, Mario Draghi (Archiv)

(Keystone)

Der Leitzins in Europa bleibt weiterhin auf dem historischen Tief von 0,75 Prozent. Vorerst will die EZB noch keine Staatsanleihen kaufen. Dafür der Rettungsschirm EFSF.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich am Donnerstag grundsätzlich bereit gezeigt, Staatsanleihen kriselnder Euroländer zu kaufen. EZB-Chef Mario Draghi dämpfte aber zugleich die Erwartung an ein baldiges Handeln. Anleger zeigten sich enttäuscht.

Draghi betonte nach einer Sitzung des EZB-Rates erneut die Entschlossenheit der Zentralbank im Kampf gegen die Schuldenkrise. «Der Euro ist unumkehrbar», sagte er. Die EZB sei grundsätzlich zu weiteren Stützungsmassnahmen für kriselnde Eurostaaten bereit.

Konkrete Schritte nannte Draghi aber nicht. Massnahmen wie der Kauf von Staatsanleihen würden «in den kommenden Wochen diskutiert», sagte der EZB-Chef vor den Medien.

Um die Lage zu entspannen, müssten die Regierungen für ein Eingreifen der Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM an den Anleihemärkten bereitstehen, sagte Draghi. Die EZB könnte sich an Stützungskäufen im Rahmen ihres Mandats beteiligen - «in einem Umfang, der ausreicht, das Ziel zu erreichen», wie Draghi ausführte.

Der Entscheid der EZB für stärkeres Eingreifen im Kampf gegen die Schuldenkrise fiel nicht einstimmig - ein Mitglied des 23-köpfigen EZB-Rats stimmte dagegen. Widerstand kam offenbar aus Deutschland: Es sei bekannt, dass der Präsident der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, Vorbehalte gegen derartige Massnahmen habe, sagte Draghi.

Börsen auf Talfahrt

Im Vorfeld war erwartet worden, dass sich Draghi über konkrete mögliche Hilfen der EZB für Euro-Staaten in der Schuldenkrise äussert. Seit Tagen hatten Spekulationen die Runde gemacht, wonach die EZB Anleihen von Euro-Krisenstaaten aufkaufen könnte, um deren Zinsniveau zu drücken.

Draghi hatte diese Erwartungen selbst geschürt. «Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir - es wird ausreichen», hatte der Italiener vor einer Woche in London gesagt. Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, «fällt das in unser Mandat».

Dax büsst über 3 Prozent ein

Mit seinen Äusserungen vom Donnerstag enttäuschte Draghi die Anleger an den europäischen Börsen. Der spanische und der italienische Leitindex stürzte zeitweise um 5 Prozent ab.

Der deutsche DAX büsste vorübergehend über 3 Prozent ein. Der Swiss Market Index (SMI) sank um 1 Prozent, blieb aber im Plus. Der Euro büsste gegenüber dem Dollar seine Gewinne vom Vormittag wieder ein. Zudem stiegen die Renditen spanischer und italienischer Anleihen wieder deutlich an.

Falls die EZB die Staatspapiere kaufen würde, bekämen die Krisenländer etwas Luft: Die Zinsen würden zumindest kurzfristig die Zinsen senken und die Haushalte der betroffenen Länder entlasten. Allerdings würde der Kauf zu einer Ausweitung der Geldmenge führen und damit die Inflationsgefahr erhöhen.

Leitzins wie erwartet unverändert

Wie die EZB weiter bekannt gab, belässt sie den Leitzins für die Euro-Zone bei 0,75 Prozent. Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank mit Geld versorgen können, war erst Anfang Juni auf das tiefste Niveau seit der Einführung des Euro gesenkt worden. Deshalb hatten Ökonomen trotz der zuletzt eskalierenden Schuldenkrise nicht mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet.

Auch die beiden anderen Leitzinssätze bleiben gleich. Die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität liegt bei 1,50 Prozent, der Einlagefazilität bei 0 Prozent. (SDA/tun)

Sollten die Euro-Länder den Mut zum grossen Befreiungsschlag haben?»

Beliebteste Kommentare

  • Ruedi  Blumenthal , Domat/Ems
    Löst diese Pleiten-EU endlich auf und gebt den Ländern Ihre Währungen zurück. Lasst die Menschen in diesen Ländern selber entscheiden was sie tun und lassen. So wird das Leben in diesen Ländern wieder menschlicher und für die Menschen. Dieser von niemenadem gewählte EU-Wasserkopf hat keine Berechtigung!
    • 02.08.2012
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  • jürg  frey , teufen
    Jetzt beginnt die Plünderung der EZB. Was für eine düstere Zukunft blüht den EU Predigern. Gut, dass es noch Staaten gibt die diesen Einheits-Währungsblödsinn nicht mitmachen.
    • 02.08.2012
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Alle Kommentare (7)

  • Duri  Candrian , Northfield , via Facebook
    Europa muss weiter pumpen, damit das Luftschloss Europa am Leben bleibt und nicht in sich zusammenfällt. Wie eine Kinder-Hüpfburg.

    Je länger die europäischen Länder pumpen, desto unzufriedener wird das Volk. Neue europäische Konflikte zwischen den Noch-Mitgliedsländern sind noch im laufenden Jahrzehnt schon vorprogrammiert.
    • 03.08.2012
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  • rolf  sulzer
    das eu/€-karusell dreht sich immer schneller - es wird nicht mehr lange dauern, dann fliegen die ersten raus - solange, bis es endgültig zum stillstand kommt - es braucht zeit, aber es passiert.
    • 03.08.2012
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  • Hans   von Atzigen
    Die SNB ist doch mit im Boot der grenzenlosen Liquiditätsausweitung.Die kauft unbegrenzt EUROS.Damit wird die CH Frankenmenge massiv Ausgeweitet = Inflationiert.
    Oder ganz einfach da wird Exportsubventionierung über die Notenpresse betrieben.Kurzfristig gut langfristig desaströs.
    Hift auf dauer auch nicht weiter denn innzwischen beginnt der Einbruch der Absatzmaerkte zu wirken.Da leuft jetzt die Auflösung der sog.Marktwirtschaft.Das System rollt sich jetzt durch die Hintertüre auf dies in Vorm von unabwendbaren Absatzmarkteinbrüchen.Der Realsozialismus ist längst in den Binsen gelandet.Der Geldschöpfsozialismus ist auf dem Weg in die Binsen.Sehr sehr schlecht aber unaufhaltsam.Der UDSSR ReichsverweserGorbi hat es absolut richtig auf den Punkt gebracht.Zitat leicht abgewandelt.Wer zu spät kommt und begeifft den bestraft die Elende Realität.
    Freundlichen Gruss an den Zensor.Megalach. Auch die in der UDSSR systematische Zensur konnte das Ende der UDSSR nicht verhindern.
    • 02.08.2012
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  • Ha  Meier , Zürich
    Die Hochfinanz pündert gezielt den Mittelstand aus. Die Schulden der Grossbanken wurden zu Schulden der Bürger Bürgen gemacht. Die Regierungen der EU-Länder werden von der Hochfinanz gesteuert und dies, hat nichts mehr mit Demokratie zu tun.Mario Draghi ist als Ex-Goldmann-Sachs Banker so oder so nicht tragbar. Und der ESM ist ein diktatorisches Gesetzt. ESM = Ermächtigungsgesetzt zum Staatsstreich für Milliardäre.
    Schaut auf Youtube: "Der große Euroschwindel". Die Katastrophe ist mit diesen Leuten vorprogrammiert.
    • 02.08.2012
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  • jürg  frey , teufen
    Jetzt beginnt die Plünderung der EZB. Was für eine düstere Zukunft blüht den EU Predigern. Gut, dass es noch Staaten gibt die diesen Einheits-Währungsblödsinn nicht mitmachen.
    • 02.08.2012
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