Hartes Urteil Blochers Ex-Buchhalter erhält 8 Jahre

  • Publiziert: 03.09.2010, Aktualisiert: 14.01.2012

DOMAT/EMS - GR - Er hat als Chefbuchhalter bei der Ems-Chemie von Christoph Blocher 13,2 Millionen Franken ergaunert. Heute morgen hat er nun sein Urteil erhalten.

Punkt 10 Uhr musste Heinz V. (74) heute vor Gericht erscheinen. Zur Urteilsverkündung. Das Gericht hat entschieden: bei der Ems-Chemie ist schuldig und erhält 8 Jahre Freiheitsentzug – unbedingt. Sein Komplize Peter P. (67) erhält 4 Jahre. Zudem müssen die beiden knapp 14 Millionen Franken zahlen. Der grösste Teil davon geht an Ems, seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Das Gericht ist beim Urteil sogar über den Antrag des Staatsanwalts hinausgegangen. Der hatte für V. 6 Jahre gefordert, für den Komplizen P. 4 Jahre. Das Argument: V. habe ein doppeltes Gesicht. Er habe bei seinen Taten sein hohes Ansehen ausgenutzt und er verfüge über eine unerschöpfliche kriminelle Energie.

Ein tiefer Fall: V. war einst eine geschätzte Persönlichkeit der Region. Der gebürtige Deutsche machte bei Ems Karriere bis zum Chefbuchhalter, war im Verwaltungsrat der Raiffeisenkasse, Finanzchef im Eishockeyclub von Chur und Mitglied des Kirchenrates.

Nach Ems-Rückzug von Christoph Blocher aufgeflogen

Doch da gab es offenbar noch eine dunkle Seite: Laut der Anklage hat er über Jahre 13,2 Millionen Franken ergaunert. Bei seinem Arbeitgeber Ems-Chemie. Ein Jahr nach der Wahl von Ems-Patron Christoph Blocher in den Bundesrat und seinem Rückzug bei der Ems flog V. mit seinen Machenschaften auf.

Zusammen mit seinem Komplizen soll er eine richtige Schmiergeldwaschmaschine betrieben haben. Da wurden Rechnungen im Namen von Tarnfirmen verbucht und anschliessend mit Provisionen begünstigt. Zudem bereicherte er sich an der Ems-eigenen Genossenschaft für Wohnungsbau.

Verräterisch war, dass die Ermittler auf den Konten von V. viel mehr Geld fanden, als er je im Leben hätte verdienen können. Das Geld stamme von V.s verstorbener Ehefrau und er sei ein talentierter Börsianer, sagte sein Anwalt.

Diese Erklärungen haben V. vor Gericht nichts genützt. Nach der Urteilsverkündung wurde er zusammen mit Komplize P. sofort aus dem Saal geführt. (map)

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