Steuerhinterziehung Blattner: Amtshilfe bringt wenig

  • Publiziert: 21.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Werner Vontobel

Amtshilfe bei Steuerhinterziehung bringe dem Ausland wenig, meint Ex-Nationalbankdirektor Niklaus Blattner. Die Forderung nach einem automatischen Informationsaustausch bleibe auf dem Tisch.

Professor Niklaus Blattner (65) ist einer der besten Kenner des Schweizer Finanzplatzes. Vor seiner Wahl in das Direktorium der Nationalbank war er Direktor der Schweizerischen Bankiervereinigung. Dabei hat er stets eine kritische Distanz gewahrt, die auch im Gespräch mit SonntagsBlick zum Ausdruck kommt.

Amtshilfe, so Blattner, werde auch in Zukunft ein umständliches Verfahren bleiben, solange sich an den Prozeduren nichts ändere. Ein automatischer Informationsaustausch zwischen den Schweizer Banken und der ausländischen Steuerbehörde wäre deshalb aus Sicht des Auslands die bessere Lösung. «Der Druck Richtung Einführung des automatischen Informationsaustausches wird somit nicht abnehmen.»

Blattner glaubt nicht, dass eine Veränderung des Bankgeheimnisses für die Banken ein nicht wieder gutzumachender Schaden wäre. «Auch im Ausland verdienen die Banken mit der Vermögensverwaltung Geld. Entscheidend ist die Qualität der Dienstleistung.» Arme Vermögensverwalter seien selten.

Für Steuerhinterzieher, die in Zukunft über weniger Schutz verfügen, könne man wenig tun. «Schliesslich wussten sie, dass sie Steuern hinterzogen haben. Und an die ‹perfekte Hinterziehung› zu glauben, wäre zu dumm gewesen.» Hilfe könnte dagegen vom Heimatstaat kommen, welcher den Kunden eine Steueramnestie anbieten könnte. Solche Amnestien müssten jedoch für die Steuerhinterzieher attraktiv sein, sonst blieben sie wirkungslos.

Für die Idee, die Schweiz solle als Retourkutsche das Abkommen mit der EU über die Zinsbesteuerung aufkünden, hat der ehemalige Nationalbankdirektor nur sanfte Ironie übrig: Besonders für ein kleines Land, das über wenig Mittel verfüge, um die «Kreise der Grossen» zu stören und mehr als die Hälfte seines Wohlstands über Exporte erzielt, sei die alte bib-lische Regel nicht schlecht: «Seid sanft wie die Taube und listig wie die Schlange.» Alles Poltern und Proleten sei nur Ausdruck von Hilflosigkeit.

Die Schweiz sollte ganz im Gegenteil auch weiteren ausländischen Staaten das zurzeit mit der EU praktizierte Modell der Zinsertragsbesteuerung anbieten. Zudem sollte auf Dividendenerträge ausgedehnt werden, womit «weitere Schlupflöcher gestopft würden».

Doch auch dies dürfte kaum genügen. Selbst mit einer umfassenden Quellensteuer würden nämlich bloss die Kapitalerträge besteuert, aber nicht das Kapital selbst, «das ja einmal Einkommen war und im Ursprungsland nicht selten bis heute unversteuert blieb». Auch aus diesem Grund, so Niklaus Blattner, bleibe ein automatischer Informationsausgleich wohl auf dem Verhandlungstisch.

Die Schweiz bleibt unter Druck.  

play Skeptisch: Der Druck aus dem Ausland halte an, sagt Niklaus Blattner. (RDB)

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft