Bizarrer Streit um den IP-Käfer Warum Denner jubelt und Aldi vom Kniefall vor der Migros spricht

IP-Suisse gibt Denner den Käfer – für Aldi und Lidl bleibt das bekannte Logo tabu. Darum gehts im bizarren Discounter-Streit.

Migros-Tochter Denner darf neu mit dem Käfer von IP-Suisse werben play
Migros-Tochter Denner darf jetzt mit dem IP-Suisse-Käfer auf der Verpackung werben. Zvg

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IP-Suisse-Bauern und Denner spannen zusammen: Ab dem 6. September führt die Migros-Tochter dreissig IP-Suisse-Lebensmittel im Sortiment. «Wir können den Käfer zu echten Discount-Preisen anbieten«, jubelt Denner-Chef Mario Irminger (50). Das Angebot soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

Zum neuen Deal mit der IP-Suisse-Organisation gehört, dass Denner künftig mit dem Begriff «IP-Suisse» und dem Käfer-Logo werben darf. Und das bringt Aldi und Lidl auf die Palme. 

Migros-Tochter Denner darf neu mit dem Käfer von IP-Suisse werben play

Das bekannte Label der Organisation IP-Suisse ist bei den deutschen Discountern begehrt. Das Käfer-Logo steht für Lebensmittel von Schweizer Bauernbetrieben, die irgendwo zwischen konventionell und biologisch produziert werden. «Viel Natur zu tiefen Preisen. Ein Mittelweg zwischen herkömmlicher Produktion und Bio», erklärt Denner-Chef Irminger am Mittwochvormittag im Gespräch mit Medienvertretern.

Seit Jahren streiten sich Aldi und Lidl mit IP-Suisse. Beide Unternehmen beziehen Eier, Rüebli, Fleisch oder Wurstwaren von IP-Bauern und verkaufen diese in ihren Filialen. Das ist erlaubt.

Doch die IP-Suisse-Geschäftsleitung verbietet den beiden Discountern, den Käfer auf Verpackungen zu drucken, geschweige denn mit dem Logo zu werben. Das gleiche gilt übrigens für die Knospe: Das Label von Bio Suisse ist für Aldi und Lidl immer noch tabu.

Dass Denner den IP-Käfer kriegt, lag auf der Hand

Migros-Tochter Denner darf neu mit dem Käfer von IP-Suisse werben play
Blick

Aldi war offenbar nicht ganz unschuldig am Streit, denn in der Vergangenheit druckte der Discounter den Käfer einmal ungefragt auf eine Fleischpackung und löste damit eine Diskussion unter IP-Bauern aus. IP-Suisse Präsident Andreas Stalder (59) will auch künftig nicht mit Aldi und Lidl zusammenarbeiten: «Wir IP-Suisse-Bauern wollen uns auch künftig nicht mit den beiden deutschen Harddiscountern ins Bett legen», sagt Stalder zu Blick.ch. Eine Exklusivklausel im Vertrag mit Denner gebe es aber nicht.

Dass Denner nun zum IP-Handkuss kommt und Aldi und Lidl leer ausgehen, verwundert nur auf den ersten Blick.

Was viele nicht wissen: Hauptabnehmerin von IP-Suisse-Produkten ist die Migros. Sie verkauft diese Produkte unter ihrem eigenen Label Terrasuisse. Die Detailhändlerin hat viel Aufwand für den Aufbau und die Marke IP-Suisse getan. Das ist unbestritten. Was der orange Riese nicht gerne an die grosse Glocke hängt: IP gilt heute als Produktions-Standard, wie der «Beobachter» anmerkte.

Nun liegt der Verdacht nahe, dass die Migros seinen Einfluss bei IP-Suisse geltend machte: Gegen die deutschen Discounter und für die Discount-Tochter Denner, die Produkte wie Milch, Fleisch, Brot und Käse aus IP-Produktion nun neu mit dem Käfer auszeichnen darf.

Laut Denner-Chef Irminger hat man sich natürlich mit der Migros abgesprochen vor dem Deal. Ansonsten agieren wir aber als Denner unabhängig von der Migros, sagt Irminger. Stalder will nicht auf den Verdacht eingehen. Nur soviel: «Denner ergänzt sich doch ausgezeichnet mit dem Migros-Engagement bei uns», sagt Stalder mit einem Augenzwinkern.

Migros-Tochter Denner darf neu mit dem Käfer von IP-Suisse werben play

Aldi spricht vom Kniefall vor der Migros

Während Lidl sich mit einem Kommentar zum IP-Denner-Deal zurückhält, macht Aldi seinem Ärger Luft: «Entweder deutet dies auf einen Kniefall vor dem grössten Abnehmer von IP-Suisse-Produkten hin», sagt Sprecher Philippe Vetterli gegenüber Blick.ch. «Oder es lässt auf den zu begrüssenden Gesinnungswandel bei IP-Suisse schliessen», so der Sprecher weiter.

Seit fünf Jahren bemüht sich Aldi um den IP-Käfer. «Die bisher ablehnende Haltung, verbunden mit dem Argument 'IP Suisse ist auf Discounter nicht angewiesen' stellt einen Affront gegenüber Schweizer Bauern dar, die nachweislich nach IP-Standards für Aldi produzieren«, wettert der Aldi-Vertreter.

IP-Suisse heizt Streit mit Aldi an

Öl ins Feuer giesst IP-Suisse: «Denner ist der ideale Partner, weil er uns mit viel Engagement dabei unterstützt, die Existenzgrundlage unserer Familienbetriebe auch für kommende Generationen zu sichern», sagt IP-Präsident Stalder. Ganz offensichtlich erwartet er das von den beiden deutschen Discountern nicht. Eine Ohrfeige für Aldi und Lidl.

Aldi fordert mit Nachdruck die Möglichkeit, sämtliche Produkte von IP-Bauern mit dem Käferlogo ausloben zu dürfen, sagt Vetterli. «Wettbewerbsverzerrende Vorbehalte gegenüber Mitbewerbern werden abgelehnt.«

Kommt Aldi auch künftig nicht an den Käfer, dann ist für Vetterli klar: «Mit einer bewussten Ausgrenzung von Mitbewerbern büsst die in der Öffentlichkeit als unabhängig und neutral wahrgenommene Organisation die Glaubwürdigkeit ein.» Dafür hat IP-Präsident Stalder nur ein Lächeln übrig.

Publiziert am 31.08.2016 | Aktualisiert am 19.09.2016
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21 Kommentare
  • Robert  Brunner 03.09.2016
    wenn man 1864 franken ahv bekommt geht man zu aldi oder lidl einkaufen .wen man dann mit dem eingekauften an der kasse bezahlt bin ich mit 50 oder 60 franken dabei hole ich das selbe in den anderen beiden grossen bezahle ich das doppelte für die gleichen produkte welche bei aldi und lidl sehr gut und frisch sind und freutlich ist das personal auch noch was wil man mehr .danke den beiden aldi + lidl
  • Peter  Marthaler aus Chur
    01.09.2016
    Mit vielen anderen Labeln, z.B. für Bauprodukte, verhält es sich ähnlich. Viel Vetterliwirtschaft und wenig Gunst für die Konsumenten!
  • .  Nils aus Buchs
    31.08.2016
    Für mich ist ein Label in der Schweiz nichts wert, wenn man für gleiche Qualität nicht gleich bemessen wird. Sowieso ist so etwas nicht normal und in anderen Ländern sogar illegal. Deswegen kauft man gleich im Ausland, wo solches nicht vorkommt.
  • Dany  Meier , via Facebook 31.08.2016
    Ich verstehe das Geschrei nicht, wenn ich bei einem Bauern Kartoffeln kaufe der auch für Zweifel produziert darf ich auch nicht Zweifel auf meine Packung schreiben!
  • Beat  Mathys , via Facebook 31.08.2016
    Dieses Jahr hat es wegen sehr hohem Krankheitsdruck viel zu wenig IP Suisse Getreide, so dass es schon nur für Migros und Denner bei weitem nicht reicht und mit konventionellem Getreide gemischt werden muss.