«Birreweiche» Mieterhöhung um 40 Prozent Alprausch schiesst mit Video gegen Stadt Zürich

Seit elf Jahren betreibt das Modelabel Alprausch seinen Flagshipstore in der Zürcher Altstadt. Nun hat die Stadt den Mietzins um 40 Prozent erhöht. Jetzt wehren sich die Macher mit einem Video und sagen: «Oh läck du mir am Tschöpli»

Alprausch sagt «Oh läck du mir am Tschöpli»

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Horrende Mietpreise vertreiben viele traditionelle Läden aus der Zürcher Innenstadt. In die Lücke springen dann oft globale Marken. Das Resultat: Öde und austauschbare Innenstädte.

Das sollte eigentlich nicht im Interesse der Stadt Zürich sein – könnte man meinen. Doch nun befeuert sie selbst das Lädelisterben. Neustes Opfer: das Schweizer Modelabel Alprausch. Seit elf Jahren besass das Familienunternehmen ein Geschäft am Zürcher Werdmühleplatz.

Mietpreise im Höhenrausch

Damit ist es nun vorbei. Denn die Stadt Zürich, Besitzerin der Liegenschaft, erhöht den Mietpreis – um satte 40 Prozent! «Das können wir uns nicht mehr leisten», sagt Alprausch Mitgründerin Nicole Bretscher. Das sei auf gut Zürichdeutsch «birreweich».

Gegenüber Alprausch spricht die Stadt von einer «marktüblichen Miete». Weil 2015 der Mietvertrag auslief, liess die Stadtverwaltung die Mieten von der Immobilienfirma KMP neu beurteilen. Das Gutachten kommt zum Schluss: Die bisher verlangten 920 Franken pro Quadratmeter und Jahr entsprechen nicht mehr der marktüblichen Miete. Empfohlen wird eine Erhöhung auf 1400 Franken.

Alprausch kritisiert in Video die Mieterhöhung in Zürich Altstadt play
In der Videobotschaft richtet sich Nicole Bretscher mit ihrer Alprausch-Familie an die Stadtverwaltung Zürich. Screenshot

Zu viel. Nach Gesprächen kam die Stadt dem Modelabel entgegen. Und reduzierte die Miete auf 1300 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Ein Aufschlag von 380 Franken pro Quadratmeter. Bei den 165 Quadratmetern sind das jährlich zusätzliche 62'700 Franken.

Bei der Liegenschaftsverwaltung heisst es auf Anfrage: «Der Werdmühleplatz ist eine sehr gute Lage. Die Mieter konnten dort lange von sehr tiefen Mietzinsen profitieren», sagt Sprecher Kuno Gurtner.

Neues Lokal dank den SBB

Doch zuviel ist zuviel. Alprausch sagte Tschüss, suchte sich eine neue Location – und wurde fündig. «Der neue Alprausch Flagship Store, welcher Mitte September offiziell seine Pforten öffnet, ist nicht nur an einer bedeutend besser frequentierten Passantenlage, sondern erst noch noch deutlich günstiger», sagt Bretscher.

Vermieterin wird dann nicht mehr die Stadt Zürich sein, sondern die SBB. Sie hätten bei der Entwicklung der Europaallee grossen Wert auf ein vielseitiges Angebot gelegt und seien vom Zuzug des Zürcher Labels auf Anhieb angetan gewesen, so Bretscher.

Rache mit Trio-Eugster-Hit

Für Alprausch endet damit eine ungewisse und emotionale Zeit mit einem Happy End. Bei der Stadt Zürich «bedanken» sie sich mit einem kleinen Seitenhieb für das neu gefundene Lokal. «Mässi, liebi Stadtverwaltig! Ohne Euch wären wir nicht zu diesem tollen, neuen Geschäft gekommen. In diesem Sinne: Läck mer am Tschöpli! Mir gsehnd eus ade Europaallee», heisst es in der Videobotschaft frei nach dem Hit des Trio Eugsters.

Bei der Liegenschaftsverwaltung nimmt man das Video mit Humor: «Auch wenn Alprausch zum Abschied der Stadt auf Youtube an den Karren fährt: Wir wünschen unserer langjährigen Mieterin viel Glück und Erfolg am neuen Standort», so Gurtner.

Mitleid hat er keines. Man hätte auch noch höhere Mietpreise verlangen können.

PS: Alprausch-Spross Robin Bretscher arbeitete Anfang Jahr bei «Blick am Abend» als Praktikantin.

Publiziert am 29.08.2016 | Aktualisiert am 30.10.2016
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20 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    31.08.2016
    Diese Gutachter gehören in den gleichen Korb wie die immobilienspekulanten - sie ebnen ihnen den Weg zu sogenannten lukrativen Immobilien. Quartierüblich Mietzinse heisst das,auch wenn man wertmässig zwei Immobilien mit gleichem Standort gar nicht vergleichen kann ! So einfach geht die Sache, ansonsten Pseudowertverluste enstehen könnten......
  • Ernest  Blanco 30.08.2016
    Produzieren in Portugal, Türkei und Bali - sprich Billiglohnländer - und verkaufen selbstverständlich zu Züri-Preisen. Wenn der Vermieter dann halt auch die marktgängige Züri-Miete verlangt - mit viel Getöse dagegen wettern. Peinlich.
  • Marco  Küttel 30.08.2016
    Wenn ich mit Freunden rede die zum beispiel in Frankreich oder Italien in den Ferien waren, höre ich immer das selbe. Die Städte sind so schön es hat noch richtige kleine Läden die Sachen verkaufen die wir in der Schweiz nicht haben. In Zürich kannst das Vergessen alle kleinen gehen kapput weill die Vermieter meinen die Stadt ist eine goldgrube und 10-20,000 Miete im Monat sind richtig! Auch die grossen machen das zum glück nicht mehr mit McDonald’s und Starbucks gehen auch weg vom Niderdorf.
  • Paul  Meier aus Bergdietikon
    30.08.2016
    Da beissen sich zwei Sachen - auf der einen Seite muss die Stadt für gute Mietzinseinnahmen sorgen, auf der anderen sollte sie an einem guten Mietermix interessiert sein. Ich gewichte das letztere stärker als die Mietzinseinnahmen - denn diese können sich bald nur noch die Einheitsbreiläden erlauben, und die machen die Stadt unattraktiv!
  • Urs  Hagen 30.08.2016
    In der maroden Stadt Zürich kann es von mir aus noch teurer sein, unten sind die alten Häuser hui und oben pfui, schon mal an der Rämistrasse oder im Niederdorf nach oben geschaut? Ich mache immer einen grossen Bogen um das Chaos. Ich würde es nicht einmal merken wenn man die Stadt abreissen würde.