Big Brother bei Lidl

  • Publiziert: 14.17 Uhr, Aktualisiert: 02.01.2012

HAMBURG – Der Discounter Lidl – bald auch in der Schweiz – rühmt sich für seine tiefen Preise. Tief ist aber auch der Eingriff in die Privatsphäre der Angestellten.

WC-Besuche während der Arbeitszeit liegen für Lidl-Mitarbeiterinnen in Tschechien nicht drin, berichtet der «Stern». Das gilt nicht ganz für alle: Frauen, die ihre Tage haben, wird eine Ausnahme gewährt. Allerdings sollen sie «für dieses Privileg – weitherum sichtbar – ein Stirnband tragen.»

Systematische Bespitzelung ist bei Lidl anscheinend Programm, auch in Deutschland. Die Angestellten werden mit versteckten Kameras gefilmt, über sie existieren seitenlange Protokolle. Darin sind Informationen über Privatgespräche, Lebensumstände und Arbeitsleistung der Angestellten enthalten.

Die Überwachungsprotokolle seien «in höchstem Masse skandalös», zitiert der «Stern» den Arbeitsrechtler Klaus Müller-Knapp. Es ginge nicht um Arbeits-, sondern Verhaltenskontrolle. Lidl durchleuchtet das gesamte Leben seines Personals: Bei einem Mitarbeiter ist von «Privatinsolvenz» die Rede, «Frau M. ist an beiden Unterarmen tätowiert» und bei einer Angestellten heisst es, «ihr Freundeskreis besteht grösstenteils aus Drogenabhängigen.»

Offiziell dient die Überwachung mit Kameras dem Schutz vor Ladendieben. Natürlich ist diese Bespitzelung illegal. Doch Lidl scheint das wenig zu kümmern. Der Konzern gibt die Existenz der Protokolle zu, diese dienten allerdings «nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens».

2009 will der Discounter erste Filialen in der Schweiz eröffnen. Müssen sich auch die Angestellten hier auf einen schweren Eingriff in ihre Privatsphäre gefasst machen? Jedenfalls ist Lidl ein Spitzel-Arbeitgeber! (zeb)

play Lidl behält ganz genau den Überblick über sein Personal. (RDB)

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Wirtschaft

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  • 88,7% Nein, der Schutz der Privatsphäre ist mir wichtiger.
  • 11,3% Ja, Hauptsache der Lohn stimmt.