Löhne 2010 Bekommen Sie auch mehr Lohn?

  • Publiziert: 10.11.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Matthias Pfander

BERN – Die Arbeitnehmer tanken Selbstvertrauen. Immer mehr rechnen mit mehr Lohn fürs nächste Jahr. Gehören Sie auch dazu?

Die Angst vor einer Nullrunde bei den Löhnen ist verflogen. Das zeigt sich auf der Strasse: Mancher rechnet mit guten Gründen im nächsten Jahr mehr zu erhalten (siehe Video).

Das sah bis vor kurzem noch anders aus: Im September begeht der Verband Angestellte Schweiz einen Tabubruch: Statt eine Lohnerhöhung für seine Mitglieder zu fordern, tritt er für die Erhaltung von Arbeitsplätzen ein. Die Gewerkschaften sind empört.

Optimistische Schätzungen

Seither mehren sich aber die Zeichen, dass es trotz Wirtschaftskrise keine Nullrunde absetzen wird. Am zuversichtlichsten ist die Beratungsfirma Towers Perrin: Sie rechnet mit 2,5 Prozent mehr Lohn für die Arbeitnehmer im nächsten Jahr.

Zurückhaltender ist die UBS in ihrer Lohnumfrage für das nächste Jahr: Die Ökonomen der Bank gehen von einem Anstieg um 0,8 Prozent aus. Das deckt sich mit der neusten Studie der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management: Dort wird mit Lohnerhöhungen um 0,75 Prozent gerechnet.

«Eine Nullrunde war immer nur Wunschdenken von Arbeitgeberfunktionären, die mehr am Schreibtisch sitzen, als sie Kontakt mir ihren Mitgliedern haben. Wir rechnen dieses Jahr mit einer Reallohnerhöhung», sagt Daniel Lampart, der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.

Hier kann auch noch die Teuerung helfen: Sie wird in diesem negativ ausfallen. Blickt man nach vorne, droht die Teuerung die Lohnerhöhungen wegzufressen. Die aktuellen Prognosen rechnen für 2010 mit einem Preisanstieg von 0,8 Prozent.

Verschiedene Perspektiven

Zudem sind die Aussichten nicht in allen Branchen gleich. Laut UBS sehen sie am besten bei Firmen aus, die Dienstleistungen für andere Unternehmen erbringen. Die Mitarbeiter können dort im Schnitt mit Lohnerhöhungen um 1,5 Prozent rechnen.

Das andere Extrem: In den Branchen Textil, Medien, Non-Food und der Uhrenindustrie müssen sich viele Arbeitnehmer trotz allem mit einer Nullrunde abfinden. In den Banken und Versicherungen ist der Druck auf die Löhne hingegen bereits vorbei: Hier rechnet die UBS mit einer Erhöhung um 1 Prozent im Schnitt.

Klar, in vielen Unternehmen wird erst noch über die Löhne für nächstes Jahr verhandelt. Doch seit die Wirtschaftsprognosen nach oben korrigiert werden, sind die Chancen für einen Zustupf im nächsten Jahr wieder besser.

Tipps fürs Lohngespräch

Bereiten Sie sich vor: Wie geht es der Firma? Was haben Sie geleistet? Wo und wie haben Sie sich verbessert? Wie sieht das Lohngefüge im Unternehmen aus?

Werden Sie aktiv: Verlangen Sie einen Termin beim Chef. Ein guter Zeitpunkt, den Lohn anzusprechen, ist das Jahresgespräch. Informieren Sie allenfalls Ihren Chef vorab, dass Sie über den Lohn sprechen wollen. Damit er sich auch vorbereiten kann.

Seien Sie selbstbewusst: Argumentieren Sie mit Ihren Leistungen. Tragen Sie die Gründe vor, weshalb Sie einen höheren Lohn als angemessen empfinden.

Stellen Sie keine Bedingungen: Mit der Kündigung oder Dienst nach Vorschrift zu drohen, führt in die falsche Richtung.

Bleiben Sie beim Thema: Vermeiden Sie, familiäre Gründe oder eine spezielle Lebenssituation in die Waagschale zu werfen. Der Lohn soll Ihre Leistung im Unternehmen honorieren.

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