Blocher läuft auf Bankiers wollen nicht Steuerfahnder spielen

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • Von Simon Hehli

ZÜRICH – Nur noch versteuertes Geld auf Schweizer Konti! Das fordert Christoph Blocher. Doch die Privatbankiers winken ab: Zu gut verdienen sie an den schwarzen Milliarden.

Christoph Blocher will den Druck vom Bankgeheimnis nehmen: Ausländische Kunden sollen künftig gegenüber ihrer Schweizer Bank deklarieren, dass sie ihr Geld versteuert haben. Der alt Bundesrat kann sich sogar vorstellen, dass Klienten die Sauberkeit mit einem Beleg der heimischen Steuerbehörden beweisen müssen.

Nicht mal in seinen eigenen Reihen stösst Blocher damit auf besondere Begeisterung. Der Aargauer Nationalrat Ueli Giezendanner fände eine Selbstdeklaration «ehrlich und sauber». Doch einen Beleg vom Steueramt will er unter keinen Umständen einfordern, wie er gegenüber Blick.ch erklärt.

SVP-Finanzpolitiker Jean-François Rime hingegen sieht es genau umgekehrt: Eine Selbstdeklaration hält er nicht für tauglich. «Woher sollen denn die Banken wissen, dass sie den Kunden trauen können?», fragt der Fribourger Nationalrat.

Banken könnten Hände in Unschuld waschen

Mit seinem Vorschlag glaubte Blocher eigentlich, im Interesse der Banken zu handeln: Mit der Selbstdeklaration ihrer Kunden könnten sie ihre Hände in Unschuld waschen, wenn sich die Euro oder Dollar in ihren Tresoren dennoch als Schwarzgeld herausstellten, so die Überlegung Blochers. Liechtenstein praktiziert bereits ein ähnliches System – und hat damit den ramponierten Ruf seines Finanzplatzes aufgebessert.

Doch die tonangebenden Privatbankiers winken ab: Sie wollen sich vom SVP-Vordenker nicht helfen lassen. Boris Collardi, CEO der Bank Julius Bär, schmettert in einem Interview auf «finews.ch» den Vorschlag als untauglich ab: «Selbst wenn jemand ein solches Formular unterschreibt, heisst das nicht, dass die Richtigkeit damit garantiert ist», erklärt Collardi.

Am Ende des Tages gehe es halt doch um das Vertrauen zwischen Bank und Kunde. Das lasse sich nicht auf einem Formular festhalten.

Hummler will kein Komplize der Steuerfahnder sein

Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin & Co., will gegenüber Blick.ch keine Stellung zu Blochers Vorschlag nehmen. Doch in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» erteilte auch er solchen Ideen generell eine Absage: Er akzeptiere Amtshilfe bei Steuerhinterziehung, sonst nichts.

«Nie werde ich bereit sein, den Status eines Steuerzahlers zu überprüfen. Sonst hänge ich den Job an den Nagel», erklärte Hummler kategorisch. Der Privatbankier will unter allen Umständen verhindern, zum verlängerten Arm des Fiskus zu werden.

Blochers Vorschlag ist nicht ganz neu: Bereits im Dezember hatte Patrick Odier, der neue Chef der Bankiervereinigung, verlangt, dass die Banken nur noch versteuerte Gelder annehmen sollten. Und wie Blocher jetzt erhielt Odier damals eine Tracht verbaler Prügel von seinen Standesgenossen.

Was ich nicht weiss …

«Es ist absolut undenkbar – zumindest solange ich hier bin – dass wir unsere Kunden Deklarationen unterschreiben lassen und damit ihre Steuerehrlichkeit überprüfen», erklärte Privat-Bankier Iwan Pictet gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Die Botschaft von Pictet, Hummler, Collardi und Co. ist klar: Auf das lukrative Geschäft mit den unversteuerten Milliarden aus dem Ausland wollen sie unter keinen Umständen verzichten. Und solange kein Kunde deklarieren muss, ob sein Geld sauber ist, können auch die Banker ihren Kopf in den Sand stecken. Getreu dem Motto: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

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