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«Die wichtigsten Orte des Finanzbetrugs bleiben intakt», fürchtet der Gründungspräsident der Osteuropabank, Jacques Attali. Und der französische Finanzrichter Jean de Maillard prophezeit: «Wir erleben die Augenwischerei mit den schwarzen Listen wieder.»
Um eine eigene Liste der Steuerparadiese vorzulegen, war die G-20 zu zerstritten: Briten und Amerikaner wollten nicht selbst an den Pranger und China stellte sich vor Hongkong. Die G-20 verweist daher auf die OECD, die gleich nach der Konferenz drei Listen vorlegte: eine weisse, eine graue und eine schwarze Liste (Blick.ch berichtete).
Die OECD setzte vorerst nur Costa Rica, Malaysia, Uruguay und die Philippinen auf ihre schwarze Liste der widerspenstigen Steuersünder.
Steuerparadiese mit weisser Weste?
Dagegen stehen die in der Öffentlichkeit häufig als Steuerparadiese angeklagten Länder wie die Schweiz, Liechtenstein und die Cayman Inseln nur auf einer grauen Liste derjenigen Finanzzentren, die ihre Kooperationszusagen bisher nicht wesentlich umgesetzt haben.
Oder sie werden wie die britischen Isle of Man, Jersey, Guernsey und Barbados auf eine Stufe mit Deutschland und Schweden gestellt und damit praktisch rein gewaschen.
Die OECD-Liste orientiere sich bloss an Absichtserklärungen und biete «nicht das erwartete Werkzeug», meint die Hilfsorganisation Oxfam-France enttäuscht. Ohne eigene Liste der G-20 seien aber «keine Sanktionen möglich».
London und USA «wichtige Orte des Finanzbetrugs»
Jean Merckaert vom Katholischen Komitee gegen Hunger CCFD nannte es «scheinheilig, auf einige exotische Gebiete zu verweisen» und die Londoner City auszunehmen. Der Finanzrichter Maillard erklärte, die City sei «einer der undurchsichtigsten Finanzplätze der Welt». Auch der US-Staat Delaware werde von der G-20 «niemals als nicht kooperativ bezeichnet» werden.
Auch Attali zählt London und die USA zu den «wichtigsten Orten des Finanzbetrugs». Der frühere Präsidentenberater beklagt, dass niemand in der G-20 das britische «Trust»-System in Frage stelle.
Die Trusts machen es schwer, das auf Konten angehäufte Kapital dem Besitzer zuzuordnen, wenn ihre verschachtelten Teile über mehrere «Vororte der City» wie Jersey und andere Finanzzentren verstreut sind. Denn es gibt keine übergreifende Aufsicht.
Beispiel Jersey: Die britische Kanalinsel hat 89000 Einwohner, aber 47 Banken und 3100 Investmentfonds mit hunderten Milliarden Pfund Anlagevermögen.
Hedgefonds für Kunden mit mehr als einer Million Einlage wurden noch 2008 von externen Prüfungen und vielen Dokumentationspflichten befreit. Viele der jetzt verpönten «kreativen Finanzprodukte» wurden über solche Offshore-Zentren verschachert.
... und die Grossen lässt man laufen
Die «Vertreibung aus dem Steuerparadies» gelte nicht für alle, bilanziert ein Pariser Finanzexperte. Der kleine Handwerker, der an der Steuer vorbei Geld in die Schweiz schaffe, dürfte Probleme bekommen, aber nicht die in Dutzenden Offshore-Zentren aktive Grossbank.
Die G-20 wollte aber eigentlich die grossen Sünder fassen, die das ganze Weltfinanzsystem in die Krise stürzen können. (SDA/snx)