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«Es geht ihnen nicht um moralische oder ethische Standards, sonder um harte Wirtschaftspolitik», sagt Raymond Bär im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Es geht um Machtpolitik. Vor allem defizitäre Hochsteuerländer kritisieren die Schweiz.»
Man könne alles kritisieren, aber es sei «nicht schwer zu verstehen, weshalb wir angegriffen werden». Er sei stolz, in der Schweiz «in einem Vertrauensstaat» zu leben, sagte Bär. «Bei uns ist der Bürger mündig, in anderen europäischen Ländern wird er entmündigt.»
Harte Worte gegen Deutschland
Bärs Kritik geht an die Adresse Deutschlands, dem das Schweizer Bankgeheimnis im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung ein besonderer Dorn im Auge ist. «Einen Misstrauensstaat wie Deutschland können wir nicht wollen.»
Die ganze Problematik müsse «ruhig und sachlich» angegangen werden. Zumal nicht alle Akteure mit offenen Karten spielen würden. So sei allgemein bekannt, dass der US-Bundesstaat Miami «eine Hochburg für unversteuertes Geld aus Lateinamerika ist».
Die Schweiz sei gut beraten, die Rechtsordnung nicht vom Ausland aufzwingen zu lassen, sagte Bär mit Blick auf die Differenzierung zwischen Steuerbetrug und -hinterziehung. Diese sei die Schweizer Rechtsauffassung.
Oberholzer: Differenzierung nicht haltbar
Etwas anders sieht das der Präsident der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Urs Oberholzer: Ob diese Unterscheidung gegenüber ausländischen Steuerbehörden «auf die Dauer haltbar ist, wage ich zumindest zu bezweifeln», sagte Oberholzer im Interview mit «Sonntag».
Er sei ein engagierter Verfechter des Bankgeheimnisses. Steuerhinterziehung sei jedoch ein anderes Thema, das damit nichts zu tun habe. «Die Steuerhinterziehung ist für die Schweizer Banken längst kein erfolgversprechendes Business-Modell mehr.» (SDA)
Raymond Bär ortet im Streit um das Bankgeheimnis in erster Linie Machtpolitik.- Keystone