Banken-Experte: Bern soll reden!

  • Publiziert: 07.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Für HSG-Professor Beat Bernet* ist die Finanz-Krise eine Vertrauens-Krise, geprägt von psychologischen Faktoren. Darum seien Beruhigungs-Signale vom Staat zentral.

«Die Leute haben zunehmend Angst», sagt Bernet im Interview mit Radio DRS1. Bürgerinnen und Bürger wollen vom Staat beruhigt werden. Sie wollen hören, dass sie ihr Erspartes auf ihrer Bank lassen können.

Der Experte fordert darum: «Man muss offensiver informieren!» Die globale Finanz-Krise sei eine ernste Sache, sachdienliche Informationen seien für alle Betroffenen Gold wert.

Bereitschaft signalisieren

Wenn plötzlich alle Bankkunden ihr Erspartes abheben würden, kämen auch bislang kerngesunde Institute ins Wanken. «Darum sind Garantiezusagen von Staaten oder grossen Institutionen wichtig», erklärt Bernet.

Der Staat müsse Signale aussenden, dass er «etwas in der Schublade» habe. Zurückhaltung ist für Bernet völlig fehl am Platz. Er verlangt von Regierung und Parlament aber auch, dass sie intensiv nach neuen Lösungen für die Zukunft suchen.

Einlegerschutz anpassen

Der Einlegerschutz von 30000 Franken pro Kopf sei auf den «Normalfall» ausgerichtet, sagt Bernet. Da aber maximal 4 Milliarden Franken ausbezahlt würden, wäre der Niedergang einer mittleren Regionalbank bereits zu viel des Guten.

Im Krisenfall, der das gesamte Finanzwesen betrifft, bedürfe es einer Neuausrichtung. «Denkbar ist eine Art Versicherungslösung», meint Bernet, wobei Banken und ihre Kunden eine Art Prämie zahlen müssten.

«Mehr Fairness für alle beteiligten Banken» ist ein weiterer Wunsch. Dass die meisten Schweizer Kantonalbanken mit ihrer unbeschränkten Staatsgarantie einen Wettbewerbs-Vorteil hätten, gehe nicht auf.

Den «Seiltänzer» retten

Die wirtschaftliche Lage vergleicht der Professor mit einem Seiltänzer: Wenn er ins Schwanken kommt, versucht er dies mit Ausgleichsbewegungen aufzufangen. Diese werden derzeit immer heftiger. Was passiert, wenn der Seiltänzer abstürzt, kann aber auch Bernet nicht beantworten: «Das wäre vermessen.» Der Professor ist aber felsenfest überzeugt, dass es nicht soweit kommt. (dip)

* Beat Bernet ist Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Uni St. Gallen und Professor für Wirtschaftslehre.

Blick an die Börse

Die Schweizer Börse hat zwar deutlich höher eröffnet, sie drehte dann aber rasch wieder ins Minus. Auch die Finanzwerte gaben ihre frühen Gewinne schnell wieder preis.

Der Swiss Market Index (SMI) lag um 14 Uhr um 1,2 Prozent im Plus bei 6538 Punkten. Eröffnet hatte der Leitindex noch um 113,4 Punkte über dem Schlussstand vom Montag. Die Aktien des Rückversicherers Swiss Re rutschten um 4,23 Prozent auf 50.95 Fr. ab – und gehörten damit zu den grössten Verlierern des Vormittags. Die CS büsste derweil 3,3 Prozent ein, Julius Bär verloren 0,7 Prozent und UBS 1,53 Prozent.
play Beat Bernet: «Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt.» (Cash/RDB)

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