
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
«Die Leute haben zunehmend Angst», sagt Bernet im Interview mit Radio DRS1. Bürgerinnen und Bürger wollen vom Staat beruhigt werden. Sie wollen hören, dass sie ihr Erspartes auf ihrer Bank lassen können.
Der Experte fordert darum: «Man muss offensiver informieren!» Die globale Finanz-Krise sei eine ernste Sache, sachdienliche Informationen seien für alle Betroffenen Gold wert.
Bereitschaft signalisieren
Wenn plötzlich alle Bankkunden ihr Erspartes abheben würden, kämen auch bislang kerngesunde Institute ins Wanken. «Darum sind Garantiezusagen von Staaten oder grossen Institutionen wichtig», erklärt Bernet.
Der Staat müsse Signale aussenden, dass er «etwas in der Schublade» habe. Zurückhaltung ist für Bernet völlig fehl am Platz. Er verlangt von Regierung und Parlament aber auch, dass sie intensiv nach neuen Lösungen für die Zukunft suchen.
Einlegerschutz anpassen
Der Einlegerschutz von 30000 Franken pro Kopf sei auf den «Normalfall» ausgerichtet, sagt Bernet. Da aber maximal 4 Milliarden Franken ausbezahlt würden, wäre der Niedergang einer mittleren Regionalbank bereits zu viel des Guten.
Im Krisenfall, der das gesamte Finanzwesen betrifft, bedürfe es einer Neuausrichtung. «Denkbar ist eine Art Versicherungslösung», meint Bernet, wobei Banken und ihre Kunden eine Art Prämie zahlen müssten.
«Mehr Fairness für alle beteiligten Banken» ist ein weiterer Wunsch. Dass die meisten Schweizer Kantonalbanken mit ihrer unbeschränkten Staatsgarantie einen Wettbewerbs-Vorteil hätten, gehe nicht auf.
Den «Seiltänzer» retten
Die wirtschaftliche Lage vergleicht der Professor mit einem Seiltänzer: Wenn er ins Schwanken kommt, versucht er dies mit Ausgleichsbewegungen aufzufangen. Diese werden derzeit immer heftiger. Was passiert, wenn der Seiltänzer abstürzt, kann aber auch Bernet nicht beantworten: «Das wäre vermessen.» Der Professor ist aber felsenfest überzeugt, dass es nicht soweit kommt. (dip)
* Beat Bernet ist Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Uni St. Gallen und Professor für Wirtschaftslehre.
play
Beat Bernet: «Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt.» (Cash/RDB)