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Deutsche Steuersünder, die hierzulande Millionen und Abermillionen Franken Schwarzgeld bunkern, haben unruhige Nächte hinter sich. Fast täglich tauchten in der vergangenen Woche neue Datensätze mit angeblich belastendem Material auf. Die Regierung Merkel fuhr damit ihre Drohkulisse hoch.
Ihre unmissverständliche Botschaft: Steuersünder kommen an die Kasse! Wie vor zwei Jahren Klaus Zumwinkel: Den damaligen Chef der Deutschen Post führten Beamte im Morgengrauen vor laufenden Kameras ab, weil er Geld in Liechtenstein gebunkert hatte. So kann es allen Steuersündern gehen, wenn ihnen der Fiskus auf die Schliche kommt.
Der Weg, den viele von ihnen jetzt einschlagen, ist simpel: Sie lösen ihr Bankkonto auf und marschieren mit dem Geld schnurstracks in die nächste Bijouterie. «Die Leute stecken in der Zwickmühle», sagt der Inhaber eines renommierten Schmuck- und Uhrengeschäfts an der Zürcher Bahnhofstrasse, der anonym bleiben will. «Sie suchen nach Sachgütern, die werterhaltend und zukunftsträchtig sind. Gleichzeitig sollten diese nicht allzu gross sein.» Sonst laufen die Besitzer Gefahr, doch noch geschnappt zu werden – am Zoll.
Eine teure Uhr, ein schweres Collier oder ein paar Brillanten lösen das Dilemma optimal.
Fürs schnelle Verbrennen entscheiden sich vor allem Besitzer kleiner Schwarzgeld-Vermögen. Die Grenze liegt bei rund 100000 Franken, schätzt Daniel Senn, Leiter Financial Services beim Beratungsunternehmen KPMG. «Die Besitzer grösserer Vermögen entscheiden sich oft für eine Selbstanzeige», weiss der Steuerexperte. Die anderen lösen ihre Konti lieber auf, «lassen sich bar auszahlen und kaufen mit dem Geld Schmuck, Autos oder andere Wertgegenstände», sagt Senn. Damit sei die Gefahr einer Strafverfolgung zwar nicht gebannt, aber doch wesentlich vermindert.
«Deutsche Kunden sind seit jeher wichtig für uns», sagt Franz Türler (63), Doyen der Bijoutiers an der Zürcher Bahnhofstrasse. Natürlich sei denkbar, dass auch Schwarzgelder im Spiel sind. «Das sind aber Vermutungen. Wir fragen die Leute ja nicht, woher das Geld kommt.»
Doch Juweliere haben ein gutes Gespür. «Schwarzgeld-Besitzer waren schon früher eine gute Klientel», räumt Türlers Berufskollege ein. Bis anhin finanzierten sie die Kostbarkeiten allerdings mit den Gewinnen. Jetzt gehts ans Eingemachte.