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Deutsche Steuersünder: Raus aus der Bank, rein zum Juwelier Bahnhofstrasse im Schwarzgeld-Rausch

Merkels Jagd auf Steuersünder beschert den Juwelieren an der Zürcher Bahnhofstrasse goldene Geschäfte: Deutsche legen ihr Schwarzgeld in Schmuck an.

Von Guido Schätti und Werner Vontobel | Aktualisiert um 00:33 | 07.02.2010
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Juwelier Türler: «Deutsche Kunden sind seit jeher wichtig für uns.» (Sebastian Derungs)
Hilfsbereit: Juweliere lösen Schwarzgeld-Probleme – schnell und diskret. (Sebastian Derungs)
(Sebastian Derungs)
(Sebastian Derungs)
Deutsche Steuersünder, die hierzulande Millionen und Abermillionen Franken Schwarzgeld bunkern, haben unruhige Nächte hinter sich. Fast täglich tauchten in der vergangenen Woche neue Datensätze mit angeblich belastendem Material auf. Die Regierung Merkel fuhr damit ihre Droh­kulisse hoch.

Ihre unmissverständliche Botschaft: Steuersünder kommen an die Kasse! Wie vor zwei Jahren Klaus Zumwinkel: Den damaligen Chef der Deutschen Post führten Beamte im Morgengrauen vor laufenden Kameras ab, weil er Geld in Liechtenstein gebunkert hatte. So kann es allen Steuersündern gehen, wenn ihnen der Fiskus auf die Schliche kommt.

Der Weg, den viele von ihnen jetzt einschlagen, ist simpel: Sie lösen ihr Bankkonto auf und marschieren mit dem Geld schnurstracks in die nächste Bijouterie. «Die Leute stecken in der Zwickmühle», sagt der Inhaber eines renommierten Schmuck- und Uhrengeschäfts an der Zürcher Bahnhofstrasse, der anonym bleiben will. «Sie suchen nach Sachgütern, die werterhaltend und zukunftsträchtig sind. Gleichzeitig sollten diese nicht allzu gross sein.» Sonst laufen die Besitzer Gefahr, doch noch geschnappt zu werden – am Zoll.

Eine teure Uhr, ein schweres Collier oder ein paar Brillanten lösen das Dilemma optimal.

Fürs schnelle Verbrennen entscheiden sich vor allem Besitzer kleiner Schwarzgeld-Vermögen. Die Grenze liegt bei rund 100000 Franken, schätzt Daniel Senn, Leiter Financial Services beim Beratungsunternehmen KPMG. «Die Besitzer grösserer Vermögen entscheiden sich oft für eine Selbstanzeige», weiss der Steuerexperte. Die anderen lösen ihre Konti lieber auf, «lassen sich bar auszahlen und kaufen mit dem Geld Schmuck, Autos oder andere Wertgegenstände», sagt Senn. Damit sei die Gefahr einer Strafverfolgung zwar nicht gebannt, aber doch wesentlich vermindert.

«Deutsche Kunden sind seit jeher wichtig für uns», sagt Franz Türler (63), Doyen der Bijoutiers an der Zürcher Bahnhofstrasse. Natürlich sei denkbar, dass auch Schwarzgelder im Spiel sind. «Das sind aber Vermutungen. Wir fragen die Leute ja nicht, woher das Geld kommt.»

Doch Juweliere haben ein gutes Gespür. «Schwarzgeld-Besitzer waren schon früher eine gute Klientel», räumt Türlers Berufskollege ein. Bis anhin finanzierten sie die Kostbarkeiten allerdings mit den Gewinnen. Jetzt gehts ans Eingemachte.  

Adieu, Bank­geheimnis!

Die Bombe platzte vorletzten Freitag: Ein Datendieb bot dem deutschen Fiskus die erste CD mit geklauten Bankdaten zum Kauf an.

30. Januar: Leuthard ist empört
Fahndern in Wuppertal wird eine CD mit Konto­daten von 1500 Steuersündern angeboten. Bundespräsidentin Doris Leuthard (CVP): «Da entsteht ein richtiggehender Handel mit Kriminellen.»

1. Februar: Merkel will die CD Angela Merkel (CDU) spricht ein Machtwort: Deutschland wird dem ­Datendieb Kontoinformationen für 2,5 Millionen Euro abkaufen. «Jeder vernünftige Mensch weiss, dass Steuerhinterziehung geahndet werden muss», sagt die Kanzlerin bei einer Pressekonferenz in Berlin.

3. Februar: Der Bundesrat kuscht Die Schweizer Regierung will keine Eskalation. Der Bundesrat setzt die Verhandlungen über das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland fort. Ein automatischer Informationsaustausch sei «eine Frage, die sich stellt», so Bundesrat Hans-Rudolf Merz.

5. Februar: Credit Suisse unter Verdacht Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, dass alle 1500 illegal ­kopierten Datensätze Kunden der Credit Suisse beträfen. Mithilfe der CD könne der Staat 400 Millionen Euro eintreiben.

5. Februar: Der nächste Datenklau Ein neuer Diebstahl wird publik: Baden-Württembergs Finanzministerium erhält ein Angebot zum Kauf von 2000 Bankkundendaten. Eigentümer seien «verschiedene Schweizer Banken und Versicherungen».

6. Februar: Immer neue Fälle Der Kauf der ersten Steuersünder-CD steht kurz vor dem Abschluss. Gleichzeitig melden sich neue Datendiebe: Laut «Spiegel» bekamen die Steuerfahnder in Mannheim und München weitere Datensätze angeboten.

Das sagen Blick.ch-Leser
Patrick Ryf, Bern - 15:50 | 07.02.2010
» Um sich vor der Enteignung durch räuberische Staaten zu schützen, ist Gold schon seit 6000 Jahren die beste Adresse. In Zeiten der ungehemmten Geldvermehrung, ist es der beste Inflationsschutz, deshalb steigt der Preis ja auch seit neun Jahren. Wenn jetzt noch erkannt wird, das im physischen Goldbesitz das Bankkundengeheimnis inbegriffen ist, wird es zu einem regelrechten Goldrausch kommen. Dies wird dann die Papiergeld-Währungen unter massiven Zinsdruck setzen und das Schuldensystem kollabiert
Max Sutter, Winterthur - 10:10 | 07.02.2010
» Ernst können die zwei Autoren diesen Bericht wohl kaum meinen. Schwarzgeld in Schmuck anlegen - dass ich nicht lache. Denn das sind vergleichsweise kleine Beträge, welche sich da Ehefrauen (bzw. bestimmt teilweise auch Zweitfrauen) um den Hals und an die Ohren hängen lassen können. Bei echten Steuerbetrügern geht es nicht um Beträge im Bereich zwischen vier- und fünfstellig wie in beim Schmuck, da gilt alles unter einer Million als Armut.
Richard Rüttimann, Bülach - 09:56 | 07.02.2010
» Die Täter sind ja vielleicht deutsche, in die CH Banken eingeschleuste Steuerfander und Agenten des deutschen Staates? schönen Tag und Gruss
Hans Kyburz, Erlinsbach - 09:40 | 07.02.2010
» Bei dieser Grossteuer Politik wie in der EU giebt es nirgens auf der Welt. Also haben die Deutschen Steuer betrüger recht das Geld verstecken oder in Werte vewandeln!!!!
Klaus Mayer, Baden - 09:40 | 07.02.2010
» Ich hoffe, sie wird auch verhaftet wenn sie wieder mal in der Schweiz auftaucht. Da hat es aber noch andere von der CDU die verhaftet werden könnten wegen waschen von Schwarzgeldern. Beispiel: der jetzige deutsche Finanzminîster. Der war doch an so einem Spendendeal damals an vorderster Front beteiligt.
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