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An Erdbeben hat sich das Wikingervolk gewohnt. Diesmal erschüttert jedoch nicht die Natur die Insel. Diesmal bringt die globale Finanzkrise sie ins Wanken.
«Island geht es gar nicht gut», sagt die Schweizerin Dora. Vor 26 Jahren ist sie ins Land der Elfen gereist, wollte nur einen mehrwöchigen Landdienst leisten.
Im hohen Norden ist sie hängen geblieben. Aus Liebe zur Natur, den Vulkanen, den speienden Geysiren, mächtigen Gletschern und – Bauer Christian. Zusammen produzieren sie den ersten Bio-Joghurt Islands. Es ist schon besser gelaufen. «Der Importpreis für Rohstoffe hat sich verdoppelt.» Doch klagen will Bäuerin Dora nicht. «Anderen geht es wesentlich schlechter.»
In Reykjavik merke man, dass die Menschen weniger einkaufen. «Vielen Isländern wurde im Ausland die Visakarte gesperrt.» Jetzt drohe auch noch England mit einer Klage, sollten britische Sparer nicht mehr an ihr Geld bei isländischen Banken kommen. Dora: «Es ist nicht lustig, aber es musste einmal so weit kommen.» Die Banken hätten mit Darlehen ja nur so um sich geworfen.
Seit Juli 2007 verliert die isländische Krone gegenüber dem Euro kontinuierlich an Wert – bis heute 45,9 Prozent. Dazu schnellte die Inflationsrate auf 14,5 Prozent.
In einer dramatischen Fernsehansprache informiert Ministerpräsident Geir Haarde die Isländer: «Es besteht die Gefahr, dass unsere Volkswirtschaft dem Abwärtstrend der globalen Bankenkrise nicht entkommt und unsere Nation am Ende bankrottgeht.» Viele Menschen würden sehr viel Geld verlieren.
Die Regierung in Reykjavik, der nördlichsten Hauptstadt der Welt, hat zwei grosse Banken – Landsbanki und Glitnir – verstaatlicht und will mit Russland über einen Milliardenkredit verhandeln.
Islands grösste, auch in der Schweiz tätige Bank Kaupthing wurde gestern ebenfalls unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Kurz zuvor bekam sie vom schwedischen Staat einen Kredit über 800 Millionen Franken.