Axpo-Verwaltungsrat Roland Eberle (62) über die Ausstiegs-Initiative Hat die Atom-Lobby resigniert, Herr Eberle?

FRAUENFELD - Schlechte Zeiten für AKW-Befürworter: In Umfragen spricht sich eine Mehrheit für die Atomausstiegs-Initiative der Grünen aus. Axpo-Verwaltungsrat Roland Eberle (SVP/TG) gibt Gegensteuer.

WAHLEN 2015, PARLAMENTSWAHLEN, PARTEITAG, KANTONALPARTEI, KANTON THURGAU, DV, DELEGIERTENVERSAMMLUNG, DELEGIERTE, SVP, UDC, play
Roland Eberle, Axpo-Verwaltungsrat und SVP-Ständerat für den Thurgau. Keystone

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BLICK: Die Atomausstiegs-Initiative der Grünen ist ein Geschenk des Himmels für die Strombranche. Sagt am 27. November eine Mehrheit Ja, können Axpo und Alpiq ihre unrentablen AKW stilllegen und auf Schadenersatz klagen.
Roland Eberle:
Das ist eine haltlose Unterstellung. Wir lehnen die Initiative klar ab. Einen chaotischen Ausstieg ab 2017 hätte allein bei der Axpo einen Verlust von 4,1 Milliarden Franken zur Folge. Als Verwaltungsrat setze ich alles daran, das zu verhindern. Auf Schadenersatz können wir nicht hoffen. Die Befürworter der Initiative stellen die Entschädigung so oder so in Frage.

Die Branche glaubt doch selbst nicht mehr an die Atomkraft. Alpiq möchte ihre AKW am liebsten verschenken. Ein Zeichen von Resignation.
Wenn das wirklich der Fall wäre, müsste Alpiq auch die Wasserkraftwerke verschenken. An der europäischen Strombörse kostet eine Kilowattstunde Strom 2,5 bis 4 Rappen. Kein einziges Werk kann zu diesem Preis Strom produzieren. Mit 4,5 bis 5 Rappen ist Atomstrom noch am günstigsten. Strom aus Wasserkraft kostet 5 Rappen, Windstrom 20 Rappen, Solarstrom 37 Rappen. Niemand würde in Solar- oder Windenergie investieren, wenn er nicht beim Staat die hohle Hand machen könnte. 

Politisch unter Druck steht aber der Atomstrom. Alpiq hat sogar ein PR-Büro engagiert, das dafür kämpfen soll, dass die AKW verstaatlicht werden.
Ich kenne die Vorwürfe nur aus den Medien. Falls sie zutreffen, fände ich dieses Vorgehen von Alpiq unternehmerisch falsch. 

Die Energiewende des Bundesrats kommt ohne AKW aus. Wäre ein Ausstieg nicht konsequent?
Nein, wirtschaftlich macht ein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn. Jede verkaufte Kilowattstunde bringt einen Deckungsbeitrag an die Gestehungskosten. Der reicht zwar nicht, um alle Kosten zu decken, aber die Verluste sinken. Wenn man einen sicheren und sauberen Atomausstieg will, muss man jetzt Nein sagen.

Wann wird Atomstrom wieder rentabel?
Das ist extrem schwierig zu sagen. Der Preis für Öl, Kohle und CO2, aber auch das Wirtschaftswachstum und die Höhe der Subventionen für Ökostrom beeinflussen den Preis. Viele Experten sehen die Strompreise ab 2020 wieder steigen, weil dann KKW in Frankreich und Kohlekraftwerke in Deutschland vom Netz gehen.

Ein Gutachten von Ruedi Rechsteiner bezweifelt das.
Das ist ein Auftragsgutachten der Ausstiegsbefürworter. Dort wird unterschlagen, dass alle anderen konventionellen Stromquellen mindestens gleich teuer produzieren. Die Produktion von Wind- und Sonnenstrom kostet sogar das Fünf- bis Zehnfache.

Beznau ist das älteste AKW der Welt. Würden Sie mit einem Auto aus dem Jahr 1969 auf der Autobahn 130 km/h fahren?
Solche Vergleiche sind reines Polit-Marketing. Inhaltlich sind sie abwegig. Bei den technischen Anforderungen an unsere Werke und an neue Werke gibt es keinen Unterschied.

Experten sagen aber, ein altes AKW sei nie so sicher wie ein neues.
Technisch ist die Aussage nicht zulässig. Ein neues Werk, das schlecht gewartet ist, ist viel gefährlicher als ein altes Werk, das gut gewartet ist. Beznau zum Beispiel ist durch die Nachrüstungen in Milliardenhöhe heute sicherer als 1969. Es gibt Regelwerke mit Tausenden von Prüfpositionen. Ihre Einhaltung wird regelmässig von unabhängigen Instanzen geprüft. Bei der Sicherheit machen wir absolut keine Kompromisse.

Die Branche betont die Versorgungssicherheit. Aber Beznau 1 und 2 sind im letzten Winter auch nicht gelaufen. Dennoch ist nichts passiert.
In den letzten zehn Jahren haben wir im Winter immer Strom importiert. Bisher ging das gut, aber es gibt keine Garantie, dass das auch in Zukunft funktioniert. 

Jetzt malen Sie schwarz.
Überhaupt nicht. In den nächsten Jahren nimmt Deutschland weitere AKW und Kohlekraftwerke vom Netz. Dadurch werden sich Engpässe ergeben. Überall in Europa wird der Strom knapp. Wir haben keine Garantie, dass wir dann Strom erhalten. Die EU verweigert in erpresserischer Art den Abschluss eines Energieabkommens mit der Schweiz.     

Aber erneuerbare Energien gibt es doch im Überfluss.
Aber nur zu Zeiten, in denen dieser Strom nicht gebraucht wird. Der Marktwert des Stroms aus Fotovoltaik liegt bei elf Prozent der Gestehungskosten, von Windkraft bei 25 Prozent. Um die Netze stabil zu halten, brauchen wir Bandenergie. Wenn wir unsere AKW unnötigerweise abschalten, werden wir Atom- oder Kohlestrom aus dem Ausland importieren müssen. Der Strom in Deutschland ist aber doppelt so teuer wie bei uns. Ich bezweifle, dass die Schweizer Konsumenten bereit sind, dies zu zahlen.

Publiziert am 08.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016
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17 Kommentare
  • Fritz  Frigorr 09.11.2016
    Was soll dieses Interview mit einem Dinosaurier ? Erstens lebt er - nicht nur was Energie angeht - scheinbar noch in der Steinzeit. Zum Zweiten muss er ja Denen nach dem Mund reden, die ihn bezahlen. Und da interessiert sich ja bekanntlich einer Volchsparteisoldat nicht für das Volch.
  • Andreas  Grolimund , via Facebook 08.11.2016
    Diese Diskussion sollte nüchtern betrachtet werden. Es braucht im Netz gewisse Energieerzeugung, die planbar ist und nicht wie Solar und Wind gewissen Schwankungen unterliegt. Nun kann diskutiert werden wie diese planbare Energie erzeugt wird. Über Kohle, Gas oder über Atomstrom. Die AKWs abzuschalten ist eine Möglichkeit deswegen geht die Welt nicht unter, es ist aber eine legitime Frage woher in Zukunft die fehlende Energie kommen soll. Solange das nicht geklärt ist setze ich auf AKWs
    • Beatrice   Fiechter aus Allschwil
      08.11.2016
      Nüchtern betrachtet gibt es keine garantierte Antwort! Aber es gibt Tatsachen: Es sind starke wirtschaftliche Interessen vorhanden, die
      nicht schnell genug vorwärts zu machen im ökologisch unbedenklichem Strom. AKWs, jetzt schon hoch verschuldet und darauf hoffen, dass der Strom-Preis zu ihren Gunsten, steigt, sind absolut nicht zu verantworten! Statt in die Rückbau- Endlagerungs-Fonds müssen sie ständig in Nachbesserungen investieren. EBM(KT.BL) machts vor, es geht auch mit sauberem Strom!
  • Urs  Wyss 08.11.2016
    Obwohl ich kein Fan von Atomstrom bin habe ich irgendwie Mühe zu sagen, wir Schweizer steigen aus der Atomstromproduktion aus und gleichzeitig werden wir Abhängig von Stromlieferungen aus dem Ausland, wo ja auch in Atomkraftwerken produziert wird. So lange in Europa Atomkraftwerke stehen, müssen wir auch mit dem Risiko leben. Frankreich lässt grüssen. Ich plädiere für einen geordneten, nicht überstürzten Ausstieg.
  • Mr.  Snowpatrol aus Pratteln
    08.11.2016
    In welcher Welt kostet Solarstrom 37 Rp.? Selbst wenn man ein PV Anlage komplett ohne Fördergeld auf ein EFH baut sind die Gestehungskosten nicht über 15 Rp. Bei einer Grossanlage kommt man auf 5-7 Rp. Dabei sind aber Versicherung und Recycling bereits bezahlt.
    • Otto  Hirsfeld 08.11.2016
      Mal abgesehen vom Atomausstieg, welchen ich nicht beurteilen möchte, beziehe ich mich auf rein technischer Sicht auf Ihre Aussage:
      Woher haben Sie denn diese lächerlichen Zahlen wenn ich bitte fragen darf? Ich schrieb vor 2 Jahren eine Diplomarbeit über eine real bestehende PV-Anlage mit Batterie, von welcher ich 1 Jahr lang Realwerte bearbeiten und analysieren konnte. Unter 25 Rp. Gestehungskosten kommen Sie nirgendwo hin. Ohne Batterie sogar noch höher.
      Also bitte..
    • C  V 08.11.2016
      @Otto Hirsfeld:
      Würde mich interessieren, was das für eine Anlage war. Immerhin liegen die KEV-Vergütungen im Moment zwischen 15.2 und 21.9 Rp./kWh und das nur 20 Jahre lang und nicht für die ganze Lebensdauer. Wieso sollte jemand eine Photovoltaikanlage bauen, wenn er weiss, dass er immer draufzahlen muss?
      Unter 25 Rappen ist man schon seit einigen Jahren. Im 2014 lagen die Gestehungskosten zwischen 15 und 21 Rp/kWh.
      5-7 Rp./kWh ist glaube ich zu wenig, aber 25 oder gar 37 stimmt sicher nicht!
    • Beatrice   Fiechter aus Allschwil
      08.11.2016
      An Otto Hirsfeld: Ich würde gerne wissen, wie teuer denn Atomstrom wirklich ist? Durch die viel zu tief angesetzten Entsorgungs-, Rückbau- und Endlagerungskosten (alle hypothetisch, zuletzt angepasst 2013 ohne reale Überprufbarkeit, bzw. Deutschland-Erfahrung kommt viel teuerer) wird der Atomstrom auf Kosten zukünftiger Generationen künstlich verbilligt! Finden Sie das verantwortbar?
  • Patrick  Smart 08.11.2016
    Es ist für Grüne natürlich schwierig, Aussagen der anderen Seite zu überdenken und daraus Schlüsse zu ziehen. Besser alles, und unseren Wohlstand in Frage stellen. Sobald Felder mit Windrädern übersät oder Dächer mit Solarzellen bedekt sind, kommen die grünen Landschaftschützer.
    • Beatrice   Fiechter aus Allschwil
      08.11.2016
      Und die weithin sichtbaren, grauen AKWs verschandeln die Natur nicht?
      Diese waren mir auch schon immer ein Greuel in der Natur! Doch Windräder und Solardächer lassen sich weniger problematisch rückbauen als AKWs. Strom hat definitiv seinen Preis! Alternative: Strom einsparen!