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Er Lokführer bei der Rhätischen Bahn, sie Vergolderin in einem Teilzeitjob, eine Tochter von 16, ein Sohn von 13 Jahren – die Familie von Andreina Hartmann (46) und Markus Streun (50) ist typischer Schweizer Mittelstand. Doch obwohl das gemeinsame Monatseinkommen (siehe «Kassenzettel» mit Monatsbudget) der beiden um gut 1000 Franken über dem nationalen Schnitt liegt, wird es am Monatsende immer enger. «Seit wir vergangenes Jahr unser altes Auto ersetzen mussten, sind die Reserven ziemlich aufgebraucht», meint Mutter Hartmann.
Dabei steht der nächste gröbere Posten bereits buchstäblich ins Haus – ein 5,5-Zimmer-Haus im Stockwerkeigentum: «Die Heizanlage ist bei der Kontrolle durchgefallen und muss ersetzt werden. Streuns denken an eine Wärmepumpe. Mindestens 25000 Franken werde das wohl kosten, meint Hartmann. «Zum Glück haben wir noch eine Frist von drei Jahren.»
Im Herbst kommt zudem der Jüngste ins Gymnasium in Schiers GR. Das bedeutet mehr Schulgelder, teure Schulbücher, essen in der Schulkantine statt zu Hause, usw. Alles in allem, schätzt Frau Hartmann, werde das Jahresbudget noch einmal mit rund 5000 Franken zusätzlich belastet. Die Englandreise im vergangenen Jahr (Kostenpunkt rund 5000 Franken) dürfte deshalb für einige Zeit die letzten gemeinsamen Auslandferien gewesen sein. Nun geht es eben wieder mehr ins Wallis, wo Papa Streun ein Maiensäss geerbt hat.
«Auswärts essen liegt nicht mehr drin», meint Frau Hartmann, «höchstens mal bei einem runden Geburtstag. Bei den jährlich rund zehn gemeinsamen Ausflügen ins Skigebiet nimmt man grundsätzlich Essen von zu Hause mit, die Skilifte sind teuer genug. Das bisschen, was am Monatsende übrig bleibt, wird meist von der nächsten grösseren Anschaffung aufgefressen.
Immerhin, für das Alter müssen sich die Streuns dennoch keine grossen Sorgen machen: Die AHV und zwei BVG-Renten sollten reichen. Markus Streun will trotzdem nicht klagen: «Natürlich kann man von dem Lohn leben.» Aber es nervt ihn, dass das Budget wegen der Teuerung immer enger wird. «Mein Lohn hinkt ständig hinter der Inflation her.»
Die letzte nennenswerte Erhöhung von 2,5 Prozent wurde inzwischen schon wieder von der auf 3,1 Prozent gestiegenen Teuerung vernichtet. «Dafür sind die Pensionskassenprämien von 7 auf 9,5 Prozent erhöht worden.» Die Arbeitszeit übrigens auch: «Ich arbeite heute fünf Tage pro Jahr mehr als 2003.»
Die Streuns teilen das Schicksal vieler Schweizer: Der Boom der vergangenen fünf Jahre – mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von bisher gut 13 Prozent – ist spurlos an ihnen vorübergegangen. Sie haben alles in allem eine typisch schweizerische Lohnkarriere erlebt: mehr Arbeit, weniger Kaufkraft.