Ausgerechnet Peter Kurer neuer UBS-Präsident?

ZÜRICH – Marcel Ospel tritt als UBS-Präsident zurück. Nach all den Mega-Verlusten ist das gut. Aber warum schlägt die UBS als Nachfolger ausgerechnet einen Mann mit Swissair-Vergangenheit vor?

  • Publiziert: 01.04.2008, Aktualisiert: 17.01.2012

An der Pressekonferenz heute Morgen gab sich UBS-CEO Marcel Rohner voll überzeugt: Peter Kurer (59) langjähriger Wirtschaftsanwalt, bringe «Erfahrung, Führungsstärke und Urteil» mit. «Ich bin sehr dankbar, dass ich weiter mit ihm zusammenarbeiten darf.»

Auch der abtretende Präsident, Marcel Ospel, glaubt, Kurer sei der Richtige: Kurer ist «in der heutigen Situation unser Wunschkandidat.

Da reibt man sich schon ein wenig die Augen. Warum bringt die UBS in ihrer schlimmsten Krise einen Kandidaten mit umstrittener Vergangenheit? Nämlich mit Swissair-Vergangenheit!

«Kurer ist kein Unbekannter», schreibt die «NZZ Online». Sein Wechsel zur UBS Mitte 2001 sei problematisch gewesen. Denn: «Er hatte vorher im Dienste der damaligen Swissair die komplizierten ausgestatteten Verträge mit ausländischen Beteiligungen juristisch begleitet. Danach wechselte er, mit seinem Insider-Wissen, die Front und trat in den Sold der UBS ein.»

Und dann war es die UBS, mit Präsident Marcel Ospel an der Spitze, die der Swissair im Herbst desselben Jahres den Stecker zog.

Damals wurden, so «NZZ Online» Vorwürfe laut, die UBS habe von seinem Wissen über die SAirGroup profitiert. Kurer stritt aber Missbrauch von Insiderwissen ab. «Als nicht hauptverantwortlicher Anwalt hatte ich nur einen sehr beschränkten Einblick in die Angelegenheiten», beteuerte er gegenüber der Zeitung «Finanz und Wirtschaft».

Die UBS-Bosse scheint diese reichlich enge Verbundenheit von Kurer mit der gegroundeten Swissair überhaupt nicht zu kümmern. Neben CEO Marcel Rohner ist auch Helmut Panke, Chairman des Nominationsausschusses des UBS- Verwaltungsrats, voll von seinem Kandidaten überzeugt: «Peter Kurer blickt auf eine langjährige erfolgreiche Karriere als Wirtschaftsanwalt zurück. Er verfügt über grosse Erfahrung als Verwaltungsrat in Finanz- und anderen Unternehmen, kennt die globalen Finanzmärkte und ist mit der UBS eng vertraut.»

Analysten aber sind gar nicht überzeugt. Der Wahl von Peter Kurer zum neuen Präsidenten begegnen sie mit Zweifeln. Er werde seine Kompetenz als Banker erst noch beweisen müssen, sagte ein Händler. (snx)

<b>UBS-Telefonkonferenz </b>

Aktienkurs nach oben

Der Rücktritt von UBS-Präsident Ospel ist an der Schweizer Börse SWX mit Erleichterung aufgenommen worden. Damit verlasse der Mann das Schiff, der von allen für den angerichteten Schaden verantwortlich gemacht werde, hiess es. Die Aktie verbuchte bereits in den ersten Handelsminuten kräftige Gewinne. Der Titel schnellte um 8,6 Prozent auf 31.34 Franken in die Höhe. Gestartet war UBS bei 28.98 Franken. (SDA)
play Das UBS-Debakel: Keine andere Bank hat so viel Geld verloren. (SDA-Infografik)

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Wirtschaft

Schafft Peter Kurer die Wende mit der UBS?»

  • 27,1% Ja. Ich glaube an den neuen Mann.
  • 72,9% Nein. Ein Neuanfang mit einem Ex-Swissair-Anwalt geht nicht.