100 Kinderkrippen für die Schweiz – das war eine der Visionen von Otto Ineichen. Doch daraus wird nichts.
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Ein glücklicher Moment für den Luzerner Nationalrat Otto Ineichen: Im April dieses Jahres eröffnete er in Beromünster seine erste und einzige Kinderkrippe.
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Stifungsrats-Vize Hans Rudolf Gysin. (Keystone)
Exakt vier Monate nach dem überraschenden Tod des beliebten Luzerner FDP-Nationalrats, Projektanreissers und Brückenbauers Otto Ineichen († 71), wird sein politisches Erbe gestutzt.
«In den vergangenen Jahren hat sich das Projekt Speranza aufgrund der vielen und permanenten Impulse von Otto Ineichen stark diversifiziert. Wir müssen uns für die Zukunft wieder auf die Kernkompetenzen der Stiftung be sinnen», sagt Hans Rudolf Gysin (71).
Der ehemalige basellandschaftliche FDP-Nationalrat und Weggefährte Ineichens ist Vizepräsident der Stiftung Speranza. Seit Ineichens Tod trägt er die Verantwortung dafür. Für die Zukunft ist er zuversichtlich, verordnet der Initiative nun aber eine Abspeckkur: Konkret: Im Zentrum steht wieder die Integration von jungen, bildungsschwächeren Menschen auf dem Arbeitsmarkt.
Die strategische Neuausrichtung hat, so zeigen Recherchen des SonntagsBlicks, konkrete Folgen. In der Speranza-Zentrale am Standort Aarau wurden fünf Personen entlassen, unter anderem auch die Leiterin des Krippenprojekts.
Gysin: «Die Idee Sperantino wird nicht mehr weiterverfolgt.» Statt, wie es Ineichen vorschwebte, in der Schweiz hundert «Billigkrippen» für einkommensschwächere Familien zu eröffnen, bleibt es bei einer.
Im April konnte Ineichen in Beromünster LU diese eine Krippe eröffnen. Für sie ändert der strategische Beschluss des Speranza-Stiftungsrats nichts. Sie werde «selbstverständlich im gleichen Rahmen weiterbetrieben», verspricht Gysin.
Das Aus für die Billigkrippen hat sich abgezeichnet. Ineichen selber musste schon kurz nach der Lancierung seiner Idee zurückkrebsen und Schwierigkeiten einräumen. Er habe seinen «ursprünglichen Plan anpassen müssen», gab er schon im Frühling öffentlich zu.
Das Ende von Otto Ineichens Idee für günstige Kinderkrippen löst bei Frauenpolitikerinnen grosse Enttäuschung aus. «Ich bedaure diesen Entscheid zutiefst», sagt FDP-Frauenpräsidentin Carmen Walker Späh (54). «Für die Schweiz wäre dieses Projekt extrem wichtig gewesen.» Zum einen brauche es dringend mehr Krippenplätze, zum anderen seien die öffentlichen Finanzen auf solche Privatinitiativen angewiesen.
Walker Späh: «Man muss nicht jede Aufgabe der öffentlichen Hand übergeben. Umso bedauerlicher ist es, dass das Projekt eingestellt wird.»
Hat die Stiftung Speranza also Geldsorgen? Läuft der Spendenfluss seit Ineichens Tod nicht mehr so gut? Gysin will davon nichts wissen, sagt aber: «Wir sind gefordert, allfällige neue Projekte auch in Zukunft finanzieren zu können.»
Deshalb will sich die Stiftung auf sichere Füsse stellen. Der Stiftungsrat soll in den nächsten Wochen neu zusammengestellt und ergänzt werden. Wer neuer Stiftungsratspräsident wird, ist offen. Klar ist einzig, dass es nicht Gysin sein wird.
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