ARD-Dok untersucht Suizid des Zurich-Finanzchefs Sah sich Wauthier als Märtyrer?

ZÜRICH - Ihr Mann habe sich für die Zurich-Versicherung geopfert, sagt Fabienne Wauthier in einer Dokumentation. Der Sohn sieht den Suidzid des Vaters kritischer.

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Am 26. August 2013 nahm sich Pierre Wauthier (†53) das Leben. In einem Abschiedsbrief erhob der Finanzchef der Zurich-Versicherung schwere Vorwürfe gegen Josef Ackermann (68): «Joe Ackermann war der bei weitem schlechteste Verwaltungsratspräsident, den ich jemals getroffen habe», schrieb Wauthier.

Der gestern ausgestrahlte ARD-Dok «Der Fall Wauthier» zitiert erstmals aus dem Brief. Und bringt eine neue Erklärung für die Tat: Wauthier hat sich geopfert, um die Zurich vor Ackermann zu retten.  

Im Abschiedsbrief beklagt er, Ackermann habe ihn vor allen Leuten desavouiert und das Management lächerlich gemacht. Und er kritisierte, der frühere Chef der Deutschen Bank habe der Zurich die Unternehmensphilosophie einer Bank überstülpen wollen.

Weder Verklärung noch Abrechnung

Dagegen wehrte sich Wauthier. Ihr Mann habe gewusst, «dass er Ackermann nicht mit normalen Geschäftsmethoden bekämpfen und loswerden konnte», sagt Witwe Fabienne Wauthier (57) im Film. «Und dann setzte er sein Leben dafür ein, weil es der einzige Weg war.» Sah sich Wauthier tatsächlich als Märtyrer, so blieb seine Tat nicht ohne Folgen: Ackermann trat kurz darauf zurück. 

Der Film ist weder eine Verklärung Wauthiers noch eine platte Abrechnung mit Ackermann. Die Autoren, aber auch die Familie stellen den Sinn der Tat in Frage. Selbstmord sei nie eine Lösung, sagt Sohn Alexander: «Es hilft nicht. Es macht alles nur viel schlimmer für diejenigen, die übrig bleiben.» Und Tochter Laura sagt: «Mein Vater wird nicht da sein, wenn ich ihn brauche.»

Brauchen Sie jemand, der Ihnen zuhört? Falls Alltagssorgen Sie bedrücken sind Beraterinnen und Berater der «Dargebotenen Hand» jederzeit unter der Telefon-Kurznummer 143 erreichbar. www.143.ch

Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016
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17 Kommentare
  • Gerhard  Fatzer Dr. aus Grüningen
    03.11.2016
    Im Club Beitrag "Suizid von Spitzenmanagern-knallharte Unternehmenskultur" vom 7. 6. 2016 werden die Hintergründe aufgezeigt. Die Tatsache, dass während Ackermanns Zeit als Verwaltungsratspräsident zwei Spitzenmanager den Suizid wählten, hat Ganz Klar mit der von ihm geschaffenen Kultur zu tun. Der Führungssumpf der deutschen Bank ist eine weitere Leistung dieses Helden. Hier die Manager verantwortlich zu machen, zeigt, dass kein Verständnis für die Stärke einer geschaffenen Kultur vorhanden ist
  • Somboon  Saleoff aus Koh Samui Suratani
    03.11.2016
    Das sich damals gleich zwei Personen von der Zürich Versicherung das Leben namen hat sehr wohl mit dem erzkonservativen Skaventreibermanier Josef Ackermann zu tun.
    Dabei steht auch nicht zur Diskussion, dass er die Macht- ud Habgier in diesem Führungstiel vorher bei der Deutschen Bank über Jahre zelebrieren konnte. Wo die Deutsche Bank heute steht, lesen wir ja fast täglich in der Presse.
    • Sarah  Keller 03.11.2016
      Vergessen Sie nicht, dass während allen Stationen in Ackermanns Karriere zig CEOs/Manager unter ihm gearbeitet haben. Würde man Ihrer Argumentation folgen, hätten sich im Laufe der Jahre Hunderte Leute seiner Entourage das Leben nehmen müssen. Haben sie aber nicht, weil sie schlicht nicht so funktionieren, dass sie bei Schwierigkeiten aus dem Leben gehen. Für Suizid ist nur die betroffene Person zuständig oder verantwortlich, auch wenn für die Überlebenden die Schuldfrage ganz zuvorderst steht.
    • Thomas  Maeder 03.11.2016
      So einfach ist es wohl nicht, da wird mehr dahinter stecken als nur Jobfrust. Wauthier hat immerhin nicht die viel naheliegendere Lösung gewählt, nämlich seinen Job zu kündigen. Den in seiner Branche üblichen Gepflogenheiten entsprechend hätte er noch am gleichen Tag als freier Mann aus dem Laden rauslaufen können, und mit seinem Beziehungsnetzwerk hätte er sicher eine andere Position gefunden.
  • gerber  rolf aus breganzona
    03.11.2016
    Ich hab da so meine Bedenken ob es denn überhaupt Suizid war. Das Telefongespräch mit seiner Frau, der nicht von Hand geschriebene Abschiedsbrief, aber vorallem aber die Frage: warum fesselt sich einer die Hände auf den Rücken bevor er sich umbrint ?
  • Peter  Graf aus Zürich
    03.11.2016
    Ich gehe mit der Tochter und dem Sohn einig! Wie auch immer; jeder hat in seinem Berufsleben Hoch und Tiefs, Mobbings, Vorgesetzte die einem nicht passen etc. Da dann diesen (Aus-)Weg zu suchen ist bei einer intakten Familie/Partnerschaft unverständlich! Gestützt in letzteren steht man das durch, kämpft, sucht eine Neuorientierung. Leuten mit Format P. Wauthier wären anderweitig gute Verantwortungen offen gewesen. Ueber Ackermann-Bankers und *Viktoria-Fingern* darf man denken was man will .....
  • Hans U  Kuehni aus Wollerau
    03.11.2016
    @Werner Meier: Bis einer wie Ackermann " Leistungsträger der Gesellschaft" ist, wie sie ihn löblich hochjubeln, muss einer vermutlich schon mehrfach die Ellbogen ausgefahren haben, denn oben wird die Luft dünn und nur die - na, sagen wir mal -, härtesten überleben. Aber ob Ackermann als Leistungsträger eingestuft werden kann, darf man sich schon fragen. Ein Kämpfer war er wohl, ein Kämpfer für seinen Zweck sicher auch.
    • Werner  Meier 03.11.2016
      Den ehemaligen Chef der Deutschen Bank als Leistungsträger zu bezeichnen, nennen Sie hochjubeln? Ackermann hat Deutschland im Jahre 2010 davor gewarnt, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlen kann und sich dadurch politisch exponiert. Ein Mann mit Ecken und Kanten und auch Charakter. Diese Persönlichkeit werde ich nicht aufgrund eines bedauerlichen Unglücksfalls verurteilen. Etiam si omnes, ego non.