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Zuerst wurden die Krankenkassen nur belächelt: Ihr Verband Santésuisse prognostizierte in einem von SonntagsBlick publik gemachten Arbeitspapier Verluste in Milliardenhöhe bei der Grundversicherung.
Jetzt liegen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) alle Jahresabschlüsse der Versicherer für 2008 vor. Und der für die Aufsicht über Kranken- und Unfallversicherung zuständige Vizedirektor Peter Indra (46) bestätigt: «Der kumulierte Verlust in der Grundversicherung belief sich auf 800 Millionen Franken.»
Schlimmer noch: Besserung ist nicht in Sicht. Indra schätzt, dass die Grundversicherung auch dieses Jahr Verluste von 700 bis 800 Millionen schreiben wird. Dadurch würden die Reserven von 16 auf neun bis elf Prozent der Bruttoprämien schmelzen. Vorgeschrieben sind 11,5 Prozent. Das düstere Szenario von Santésuisse bewahrheitete sich. Denn in Kassenbilanzen tun sich zusätzliche Löcher bei den Finanzanlagen auf.
Der von Bundesrat Pascal Couchepin (67) befohlene Reservenabbau hat dazu geführt, dass die Prämien um sieben bis acht Prozent unter dem aktuellen Kostenniveau liegen. Die von Indra auch für 2010 auf vier bis fünf Prozent geschätzte Kostensteigerung kommt dazu. Um nur schon die Gesundheitskosten zu decken, müssen daher die Prämien um elf bis 13 Prozent angehoben werden.
Damit lassen sich weder Rückstellungen noch Reserven bilden. Um wieder auf das gesetzliche Minimum zu kommen, wären Prämienerhöhungen von mindestens zwei weiteren Prozentpunkten nötig. Indra: «Aufgrund dieser nachvollziehbaren Rechnung lässt sich 2010 aus heutiger Sicht eine durchschnittliche Prämienerhöhung von über zehn Prozent kaum vermeiden.»
Die Konsumenten müssen also mitten in der Krise über zwei Milliarden Franken mehr für ihre Kassenprämien zahlen. «Die Prämien einzufrieren, wie dies einige Politiker fordern, ist nicht möglich», sagt Indra. «Das löst das Kostenproblem nicht und könnte zu Konkursen bei Kassen führen.»
Am 21. April lädt Couchepin die Partner im Gesundheitswesen zum Prämiengipfel. Sie müssten Vorschläge machen, wie die Gesundheitskosten effektiv gesenkt werden können. Aufgegleist werden soll ein «ganzes Paket von Gesetzes- und Verordnungsmassnahmen». Indra: «Prämienwirksam werden diese aber erst auf 2011, sofern das Parlament zustimmt.»
Helsana-Sprecher Rob Hartmans: «Eine nachhaltige Kosteneindämmung erreichen wir tatsächlich nicht von heute auf morgen.» Ideen, um 700 bis 900 Millionen Franken zu sparen, liegen auf dem Tisch. Neben Kostensenkungen wird offensichtlich auch die Einführung einer «Praxisgebühr» geprüft, die für Arztbesuche fällig wird – also eine indirekte Erhöhung der Mindestfranchise. Diese Mehrbelastung hilft auch, Gesundheitskosten zu sparen. Denn wer wegen einer Bagatellerkrankung beim Apotheker ein Medikament kauft statt zum Arzt geht, zahlt keine Gebühr.