Aufruhr im Sägemehl Alle verdienen – nur nicht die Schwinger

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Susanne Mühlemann und Tino Büschlen

Das Traditionsfest ist zum Trend-Event geworden. Mit dem Eidgenössischen werden Millionenumsätze gemacht. Die Schwinger haben wenig vom Big Business.

Urs Schneider (38) darf sich freuen: «Schwingen ist voll im Trend», sagt der Präsident des Organisationskomitees vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld. Das nationale Sportereignis macht mittlerweile einen Umsatz wie ein KMU.

Vor drei Jahren erzielte das Eidgenössische in Luzern bei einem Budget von 8,8 Millionen Franken knapp fünf Millionen Umsatz. Das Nettobudget in Aarau lag schon bei 12,7 Millionen Franken, der Umsatz ist noch nicht bekannt. Für Frauenfeld 2010 liegt die Latte noch einmal leicht höher. Die Sponsoren reissen sich geradezu um ein Engagement (siehe Box unten).

Nur die Schwinger selbst sehen von den Millionen wenig. Sie erhalten Lebendpreise wie Munis oder Fohlen, traditionelle Erinnerungsstücke wie Glocken und Truhen, aber auch Velos oder Kühlschränke. Die Schwinger können die Gaben auch in Franken tauschen. Sieger Jörg Abderhalden (28) entschied sich in Aarau noch auf dem Platz für den Check von 10 000 Franken anstelle des Munis.

Am Eidgenössischen in Aarau umfasste der Gabentempel Preise im Wert von 730 000 Franken. In Luzern waren es noch 594 000 Franken. Bei 280 Teilnehmern bleiben da aber selbst für die besten Schwinger nur einige tausend Franken Preisgeld. Das reicht knapp, um die Spesen zu decken, die sich im Verlauf einer Saison ansammeln.

Doch die Schwinger machen gute Miene zum bescheidenen Entgelt. Protest würde ohnehin nichts nützen. Tradition hat nun einmal Tradition: «Das Preisreglement entspricht den Vorgaben des Schwingerverbandes, das wird sich so schnell nicht ändern», sagt Urs Schneider. Für ihn ist gerade die urchige Preispolitik ein wichtiger Faktor des zunehmenden Erfolgs: «Der Anlass ist unverdorben, das unterscheidet ihn von anderen Sport-Events.»

BANKER IM SÄGEMEHL

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz (51) steigt in die Schwingerhosen. Am Schwingfest in Luzern vor drei Jahren war seine Bank noch als Sponsor dabei, in drei Jahren in Frauenfeld möchte er wieder mit dabei sein.

Das ist ein Frontalangriff auf UBS-Chef Marcel Rohner (42), denn es darf nur eine Bank als Sponsor dabei sein. In Aarau, Rohners Heimat, kam die UBS zum Zug. Die Grossbank wertet den Event als vollen Erfolg und wäre in Frauenfeld gerne wieder dabei.

Die Verhandlungen laufen – der Entscheid fällt bald und er ist heikel, wie der OK-Präsident für Frauenfeld, Urs Schneider, sagt. «Wir legen deshalb grossen Wert auf klare Kriterien und einen fairen Auswahlprozess.» Neben monetärem, fachlichem und personellem Einsatz zählen auch Sonderfaktoren. Und punkto Swissness könnte die globale UBS einen Nachteil gegenüber dem nationalen Player Raiffeisen haben.

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