1,2 Milliarden Franken Gewinn im letzten Quartal Aber der UBS laufen die Kunden scharenweise davon

ZÜRICH – Die gute Nachricht: Die UBS macht 1,2 Milliarden Gewinn. Die schlechte Nachricht: 2009 verlor die Bank 147 Milliarden Franken an Kundengeldern.

  • Publiziert: 09.02.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
play Kapitän Oswald Grübel hat die UBS wieder auf Kurs gebracht – zumindest, was den Gewinn betrifft. (Keystone)

Einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken im letzten Quartal und einen Verlust für das ganze Jahr von 2,7 Milliarden Franken. Mit diesen Zahlen übertrifft die UBS die Erwartungen deutlich: Im Vorfeld hatten Analysten mit einem Jahresverlust zwischen 2,9 und 3,9 Milliarden Franken gerechnet.

Hat es UBS-Chef Oswald Grübel also geschafft, alle Probleme der Bank aus der Welt zu schaffen?

Nein, denn eine andere Zahl zeigt, dass die UBS ihre Krise bei weitem noch nicht überwunden hat.

Kunden haben 147 Milliarden abgezogen!

Im vierten Quartal sind erneut über 56 Milliarden Franken aus der Bank abgeflossen. Mehr als jeweils in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 verloren gingen. Das zeigt: Das Vertrauen in die Grossbank ist immer noch massiv angeknackst. Insgesamt flossen im vergangenen Jahr Vermögen in der Höhe von 147,3 Milliarden aus der UBS.

Ende 2009 verwaltete die Bank Vermögen in der Höhe von 2,23 Billionen Franken. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Plus von 3 Prozent, im Vergleich zum Vorquartal ist es allerdings ein Minus von 1 Prozent.

Stellenabbau belastet die Zahlen

Die grösste Belastung mit 2 Milliarden Franken auf dem Ergebnis seien Verluste auf eigenen Schuldtiteln. Weil durch die bessere Verfassung der UBS die Kreditwürdigkeit der Bank steigt, werden die Schulden wertvoller. Negativ schlugen unter anderem der Verkauf der brasilianischen Bank Pactual und der drastische Stellenabbau zu Buche.

Den fürs vergangene Jahr angekündigte Stellenabbau hat die UBS umgesetzt: Der Personalbestand sank im Laufe des Jahres um 16 Prozent und betrug Ende Jahr noch rund 65000 Mitarbeiter.

Die Personalreduktion war Teil eines Sparprogramms. Damit hat die UBS ihre Fixkosten um 20,1 Milliarden Franken pro Jahr reduziert . Zielvorgabe waren hier Einsparungen von 20 Mrd. Franken.

Grübel zufrieden

«Anfang 2009 war die Krise auf ihrem Höhepunkt. Ende letztes Jahr ist UBS in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat damit eines ihrer prioritären Ziele erreicht», kommentiert Oswald Grübel das Resultat. Er geht davon aus, dass sich damit auch ein weiteres Problem lösen lässt: «Wir erwarten, dass mit der Rückkehr zur Profitabilität auch das Kundenvertrauen und unsere Reputation wieder steigen.» (SDA, pft)

Was ist mit den Boni?

Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiss: Die UBS zahlt ihren Mitarbeitern für das Verlustjahr 2009 Boni in der Höhe von 3 Milliarden Franken. Obwohl die Bank für das Gesamtjahr einen Verlust von 2,73 Milliarden ausweist.

Weil gleichzeitig der Mitarbeiterbestand bei der UBS massiv runtergefahren wurde, sind die fixen Personalkosten im Vergleich mit dem Vorjahr von 14,1 auf 13 Milliarden Franken gesunken. Zählt man aber die fixen und variablen Personalkosten zusammen, ist der Aufwand sogar gestiegen: Von 15.8 auf 16 Milliarden Franken.

Ursprünglich wollte die UBS ihren Mitarbeitern 4 Milliarden Franken Boni ausschütten. Doch sie wurde von der Bankenaufsicht zurückgepfiffen. (pft)

Farbanschlag auf UBS in Zug

Sechs vermummte Personen haben die Fassade der UBS in Zug mit Farbe beworfen. Dann flüchteten die Schmierfinken in Richtung Bahnhof Zug. Am Gebäude entstand ein Sachschaden von mehreren Zehntausend Franken.

Investment-Banking erstmals wieder schwarz

Sie war die Kummerabteilung bei der UBS während mehr als zwei Jahren: Das Investment-Banking hat die UBS in die Krise gestürzt, weil dort die risikanten Geschäfte mit US-Ramschhypotheken abgewickelt wurden. Jetzt ist die Abeitlung zum ersten Mal wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt und hat einen Gewinn von 297 Millionen Franken ausgewiesen. Im Vorquartal stand da noch ein Verlust von 1,3 Milliarden Franken.

Keine UBS-Kunden auf deutscher Steuer-CD?

Die UBS hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass Daten ihrer Kunden auf der CD sind, welche den deutschen Behörden Informationen zu Steuersündern liefern soll. Dies sagte UBS-Finanzchef John Cryan an der heutigen Telefonkonferenz. Solange nicht klar ist, welche Banken vom Datenklau betroffen sind, wird im Geschäft mit deutschen Kunden aber wohl auch bei der UBS weiterhin eine Unsicherheit mitschwingen. Dass die Bank es aber durchaus zu spüren bekommt, wenn ein Land sein Vorgehen gegenüber Steuerhinterziehung ändert, zeigt die Steueramnestie Italiens. Diese sorgte vor allem im vierten Quartal des vergangenen Jahres für einen grossen Abfluss an Geldern von italienischen Kunden. In den Unterlagen zur Medienkonferenz wird der durch die italienische Steueramnestie ausgelöste Geldabfluss auf rund 8,5 Mrd. Franken beziffert. (SDA)

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