Baustopp 700 Büezer streiken für 120 Stutz mehr

  • Publiziert: 05.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

ZÜRICH – Ihr Job ist hart – und ihr Lohn nach der Meinung der Gewerkschaften zu tief: Deshalb haben sich heute zahlreiche Bauarbeiter eine verlängerte Mittagspause gegönnt.

Rund 700 Bauleute haben heute auf über 20 Grossbaustellen in Zürich, Winterthur, Pfäffikon ZH, Schlieren und Schaffhausen in der Region Zürich/Schaffhausen ihre Mittagspause um 45 Minuten verlängert. Sie fordern «gerechte Löhne für eine äusserst harte Arbeit» – konkret 120 Franken mehr pro Monat. Organisiert wurde die Protestpause von der Gewerkschaft Unia.

In Zürich trafen sich rund 350 Bauleute zu einem gemeinsamen von der Unia offerierten Mittagessen auf der Baustelle «Prime Tower» bei der Hardbrücke. Die Arbeiter machten sich anschliessend auf zu einem Protestmarsch über die derzeit gesperrten Fahrspuren der Hardbrücke bis zum Escher-Wyss-Platz.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten machten sie auf ihre Forderungen aufmerksam. «Die Protestaktionen sind ein deutliches Signal an die Baumeister, dass bessere Angebote folgen müssten», sagte Roman Burger, Geschäftsleiter der Unia-Sektion Zürich.

Unbefriedigende Angebote der Baumeister

Die Lohnverhandlungen stocken. Die Baumeister böten zurzeit nur «kümmerliche» Lohnerhöhungen von 40 Franken und einige forderten gar eine Senkung der ohnehin schon tiefen Löhne, schreibt Unia in einer Mitteilung. Grosser Nachholbedarf bestehe vor allem im Ausbaugewerbe, wo die Löhne noch tiefer seien.

Das Baugewerbe habe trotz Wirtschaftskrise eine sehr hohe Wachstumsdynamik, begründete die Gewerkschaft ihre Forderung nach höheren Löhnen. Die Mehrheit der Firmen habe volle Auftragsbücher. Überstunden und Samstagsarbeit seien die Regel. Die Beschäftigten der Baubranche hätten eine Lohnerhöhung «mehr als verdient», ist Unia überzeugt.

Eine Lohnerhöhung würde aus Sicht der Unia auch die Kaufkraft von weit über hunderttausend Arbeitnehmenden stärken. «Dies würde einen raschen konjunkturellen Aufschwung unterstützen und sich positiv auf das mittelfristige Bauverhalten auswirken.»

Abbruch der Lohnverhandlungen

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) reagierte empört auf die Protestaktionen der Unia. Der Verband verurteile diese Provokation und Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen, hiess es in einer Mitteilung. Der SBV brach wegen der Aktion heute Nachmittag die laufenden Lohnverhandlungen ab.

Seit einer Woche verhandeln Verband und Gewerkschaften über die Lohnanpassungen 2010. Die Baumeister hätten damit ein deutliches Signal gegeben, dass sie trotz negativer Teuerung zu Lohnerhöhungen bereit seien. Der SBV werde im Laufe dieser Woche die Lage beurteilen und die Bedingungen für die Fortsetzung der Lohnverhandlungen formulieren. (SDA/hhs)

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