Das Banken-Debakel 4 Milliarden verlocht, Manager fein raus

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Daniel Meier

ZÜRICH – Vier Milliarden hat die UBS in den Sand gesetzt. Doch die hoch bezahlten Manager werden geschont.

Vier Milliarden. Das ist eine Zahl mit neun Nullen. So viel geben die Schweizer jedes Jahr für Medikamente aus. So viel steckt die Schweiz jedes Jahr in den Strassenbau. So viel kostete die Gründung der Swiss. Und so viel hat die UBS in den Sand gesetzt.

Schuld ist die Immobilienkrise in den USA (siehe verlinkter Artikel rechts). Die grösste Schweizer Bank ist zu hohe Risiken eingegangen und wurde vom Markteinbruch kalt erwischt. Nun tritt sie auf die Notbremse und entlässt 1500 Banker. Der Jobabbau trifft vor allem die USA und England.

Auch im Top-Management kündigte UBS-Konzernchef Marcel Rohner (43) gestern Veränderungen an. Schliesslich sind dort Fehler gemacht worden. Aber was zunächst wie ein Köpferollen aussieht, ist gar keines.

Finanzchef Clive Standish geht in den Ruhestand – im Alter von 54 Jahren. Eine sehr frühe Frühpensionierung.

Und Huw Jenkins tritt zwar zurück. Das gab die UBS offziell bekannt. Doch der Brite bleibt weiterhin ein Angesteller der Bank. Dabei leitete er die Investment-Bank, also genau jene Abteilung, die den Milliardenverlust verursacht hat.

Warum stellt man Jenkins nicht auf die Strasse? «Seine Erfahrung nützt uns bei der Neuausrichtung der Investment-Bank», sagt UBS-Sprecher Christoph Meier.

Und der oberste Chef? Rohner hat Glück. Ihm kann das Debakel nicht angelastet werden, weil er erst seit drei Monaten im Amt ist. Und sein Vorgänger Peter Wuffli (49) braucht sich auch keine Sorgen zu machen. Die UBS wird ihren Ex-Chef nicht zur Rechenschaft ziehen: «Das ist kein Thema», bestätigt Meier.

Das heisst: Die verantwortlichen Top-Banker mit ihren Superboni kommen nicht schmerzhaft an die Kasse. Bei einer Gesamtlohnsumme von 246 Millionen Franken für die Chefetage kommt ein einzelner Banker in der Geschäftsleitung auf durchschnittlich 18,5 Millionen Franken Jahresgehalt. Bei Investment-Chef Jenkins wird es noch mehr sein.

Dabei steht fest, dass interne Fehler gemacht wurden. Tatsache ist: Die UBS hat weniger Geld als ihre Konkurrenten in US-Hypotheken gesteckt. Trotzdem fährt sie nun den grössten Verlust ein. «Folglich war das Risikomanagement der UBS schlechter als bei anderen Banken», sagt Hans Geiger, Professor an der Uni Zürich.

Für den Banken-Experten ist klar: Einmal mehr hat man auf die mathematischen Modelle vertraut. Damit lassen sich angeblich die Risiken genau berechnen: «Aber diese Modelle funktionieren nur bei schönem Wetter. Kommt ein Gewitter, versagen sie», kritisiert Geiger.

Mit dem Milliarden-Debakel wird sich auch die Eidgenössische Bankenkommission befassen müssen. Professor Hans Geiger rechnet mit einer Untersuchung: «Weil die Bankenkommission für die Stabilität des Bankensystems verantwortlich ist, muss sie wissen, was hier geschehen ist.»

4'000'000'000

ZÜRICH – Vier Milliarden Franken. Das sind 17600 Tonnen Einfränkler. Damit könnte man halb Indien bei Sprüngli verpflegen.

Ein Paar könnte im Luxushotel «Burj Al Arab» in Dubai 7800 Jahre in einer 225-m2-Suite wohnen, Frühstück inbegriffen. Beim Zürcher Confiseur Sprüngli gäbe es 40000 Tonnen Luxemburgerli, genug Dessert für 640 Millionen Personen. Wer Autos sammelt, erhält für die vier Milliarden Franken 24242 Maserati Quattroporte mit je 400 PS. Man könnte aber auch die Jahresrechnung des Kantons Aargau begleichen – oder 3 Millionen Hektoliter Bier trinken.

von Beat Michel

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