Datenklau 34 Milliarden Schwarzgeld bunkern Deutsche

Beihilfe zur Steuerhinterziehung? Schweizer Banken verwahren sich gegen diesen Vorwurf aus Deutschland.

  • Publiziert: 06.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Marcel Speiser
play Der Zürcher Paradeplatz mit der Credit Suisse (rechts) und der UBS (links). (Keystone)

Fast 90 Prozent der Deutschen, die ihr Vermögen bei der Credit Suisse in der Schweiz angelegt hätten, seien Steuerhinterzieher. Insgesamt gehe es um Schwarzgeld in Höhe von 34 Milliarden Franken.

Das schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Sie beruft sich dabei auf CS-interne Dokumente aus dem Jahr 2004, die ihr vorliegen. Die Zeitung glaubt zu wissen, dass auf der Daten-CD mit Kundendaten insbesondere CS-Kunden gespeichert sind.

Die Schweizer Grossbank widerspricht: Man habe keine Kenntnis von einem Datenklau. Zudem beruhe das Geschäftsmodell der Bank nicht auf steuerlichen Aspekten. «Wenn ein Neukunde oder ein bestehender Kunde dem Bankberater sagt, er habe Schwarzgeld, dann wird der Bankberater dem Kunden raten, eine unabhängige Steuerberatung einzuholen», sagt Sprecher Marc Dosch.

Ähnliche Weissgeld-Massnahmen verfolgen auch andere Schweizer Banken. Die ZKB frage neue Kunden, ob ihr Geld versteuert sei und würde Geschäftsbeziehungen ablehnen, wenn die Frage nicht plausibel bejaht werde, so ein Sprecher.

Bei Julius Bär heisst es zwar, dass jeder Kunde selbst für seine Steuersituation verantwortlich sei. Aber: «Wir sagen dem Kunden, dass sie zusammen mit dem Steuerberater eine Lösung suchen sollen», sagt Finanzchef Dieter Enkelmann.

Einig sind sich die Schweizer Banken darin, dass sie nicht der verlängerte Arm der Steuerbehörden sein wollen.

Aber waren sie vielleicht der verlängerte Arm der Steuerhinterzieher? Haben sie die Steuerhinterziehung sogar erleichtert und unterstützt? Werden deutsche Behörden gegen Berater und Banker wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermitteln?

Genau das wird in Deutschland diskutiert. Die «Süddeutsche Zeitung» sagt voraus: «Für einige Bank-Manager könnte es eng werden. Es werden sicherlich auch für einige Manager Aktenzeichen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung vergeben werden.» Das sei Spekulation, sagt CS-Sprecher Dosch. «Dazu nehmen wir grundsätzlich keine Stellung.»

In der Schweiz wird derweil über die Identität des Datenklauers gerätselt. Erste Vorbereitungen für ein Strafverfahren laufen. Sobald man wisse, wer der Dieb sei, werde die Bundesanwaltschaft handeln, sagt Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Zudem wurden den deutschen Behörden offenbar bereits weitere Bankdaten von Steuerflüchtlingen zum Kauf angeboten. Das berichtet die «Frankfurter Rundschau».

Razzia bei einem Kunden von Bär

Razzia beim deutschen Multi-Millionär Robert Schuler-Voith. Deutsche Steuerermittler verdächtigen den Industriellen, dem unter anderem die Mehrheit am Haushaltswaren-Hersteller Leifheit gehört, über einen Karibik-Trust Geld versteckt zu haben. Der Trust soll laut Angaben der «Financial Times Deutschland» von einer Tochterfirma von Julius Bär gegründet worden sein.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen gegen Schuler-Voith durch den Ex-Bär-Manager Rudolf Elmer. «Es scheint einen gewissen Zusammenhang zwischen diesem Fall und Daten zu geben, die Herr Elmer 2002 gestohlen hat», sagt Bär-Chef Boris Collardi.

Elmer hatte vor seinem Rauswurf im Jahre 2002 Kundendaten gestohlen und diese Steuerbehörden mehrerer Länder angeboten.

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