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«heute»: Ihr beiden steht auch nach der Session stark im Fokus der Medien. Wie erklärt ihr euch das?
Natalie Rickli: Wir sind jung und neu. Das scheint die Medien zu interessieren. Nur rufen die wenigsten Journalisten an, um etwas zu einem bestimmten Thema zu fragen. Sie wollen einfach allgemein mit uns reden.
Bastien Girod: Genau. So wie hier geplant. Dabei will ich gar nicht über mein Privatleben reden. Ich will Politik machen.
Wie ist der Eindruck nach eurer ersten Session: Wie abhängig seid ihr von eurer Partei? Könnt ihr sagen, was ihr wollt?
Rickli: Ich bin gewählt worden ohne Verbände und ohne Verein im Rücken. Ich kann sagen, was ich denke und muss nicht die Ideale einer Organisation vertreten. Das macht mich natürlich freier.
Girod: Bei der SVP schreibt doch das Grüppchen um Christoph Blocher das Parteiprogramm, und der Rest hat sich daran zu halten. Bei den Grünen kann man auch ein Stück weit Querdenker sein. Ich musste das Parteiprogramm der Grünen nicht auswendig lernen.
Einverstanden, Natalie?
Rickli: Es ist doch so: Alle reden immer nur von der SVP und von Blocher, weil sie es nicht schaffen, andere Themen zu setzen. Blocher hat zum Beispiel Lösungen zur Ausländer- und Jugendkriminalität gefunden.
Girod: Gerade dort sieht man doch, dass ihr nur billige Lösungen präsentiert! Mit eurem Sparkurs habt ihr beispielsweise dazu beigetragen, dass wir zu wenige Jugendanwälte haben und der Vollzug bestehender Gesetze erschwert wird.
Rickli: Moment: Die SVP ist die einzige Partei, die das Problem anpacken wollte: mit der Ausschaffungsinitiative und einer Verschärfung des Jugendstrafrechts.
Girod: Einfach nur strenger bestrafen ist keine Lösung. In den USA haben sie trotz harten Strafen zwei Mal mehr Morde und vier Mal mehr Vergewaltigungen. Wir müssen deshalb vor allem in die Integration und die Bildung der Jugendlichen investieren.
Rickli: Die Schweiz gibt jetzt schon weltweit pro Kopf am meisten für die Bildung aus. Aber in Ordnung: Die, die sich integrieren wollen, müssen wir belohnen. Wer sich nicht integrieren will, soll das Land verlassen.
Was wird sich in den nächsten Jahren in der Schweizer Politik verändern?
Girod: Ich hoffe, dass wir Fortschritte in der Umweltpolitik machen. Und dass das Volk einsieht, dass sich die SVP nur für die Reichen und Superreichen einsetzt und Blocher die normalen Bürger in die Irre führt.
Rickli: Das stimmt jetzt einfach wieder nicht!
Girod: He, wir haben gerade von der Zukunft gesprochen.
Rickli: Der Druck der EU wird zunehmen. Bei den Steuern wollen sie uns dreinreden. Aber die Schweizer wollen unabhängig und selbständig bleiben. Das merkt man immer mehr.
Wenn ihr absolute politische Freiheit hättet, was würdet ihr tun?
Girod: Ich würde den Leuten klar machen, dass wir gerade dabei sind, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen.
Rickli: Ich finde diese Frage eigenartig. Ich will nicht träumen, ich will Dinge umsetzen.
Girod: Hast du keine Wünsche?
Rickli: Doch, sicher. Ich würde dafür sorgen, dass sieben Blochers im Bundesrat vertreten wären.