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Der italienische Bergführer Paulo Masa (51) traute seinen Augen nicht: Letzten Sonntag war er mit einem Gast auf dem Rückweg vom Piz Rosegg ins Val di Mello. Rund 500 Meter unterhalb der Marco-e-Rosa-Hütte sah er etwas auf dem oberen Scerscen-Gletscher liegen. «Zuerst dachte ich, ein totes Tier, das die Beine in die Luft streckt.» Als Masa und sein Kunde neben dem mumifizierten Körper stehen, wird ihnen schlecht: Es ist ein Mensch. Der Kopf ist abgerissen, die Schuhe noch in den Steigeisen.
Neben den Resten des Rucksacks dessen Inhalt: Trinkflasche und Teller aus Aluminium, Geländekarte, Tourenführer, Kompass, Kocher und die Fetzen einer Zeitung. Die Mittagsausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» von Dienstag, 30. August 1927.
Staatsanwalt Gian-Franco Avella in Sondrio (I) zweifelt, ob er den Toten jemals wird identifizieren können: «Das Portemonnaie war leer. Wir haben darin weder Geld noch einen Ausweis gefunden.» Erste Untersuchungen der Mumie haben ergeben, dass es sich um einen 25-jährigen, etwa 170 Zentimeter grossen Mann handeln muss.
Doch die Papierfetzen der NZZ bieten ein erstes wichtiges Indiz: Der einsame Bergsteiger, der vor fast genau 80 Jahren in einem der Eiskanäle neben der Hütte abstürzte, dürfte Deutschschweizer sein – wahrscheinlich ein Sohn aus reichem Haus.
Bergrettungschef Gian-Franco Comi (49) aus Sondrio will alles tun, um den Namen des Mannes herauszufinden. Man werde jetzt alle Archive nach Vermisstmeldungen aus dem Jahr 1927 durchsuchen: «Das sind wir unserem verstorbenen Bergkameraden schuldig.»