Geschäftstüchtig Wer baden will, muss blechen

  • Publiziert: 21.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Walter Hauser

Der Einsiedler Abt Martin Werlen will von Schwimmern und Bötlern Gebühren kassieren.

Etwa 100 Seeanstösser in Ausserschwyz staunten nicht schlecht: Per eingeschriebenen Brief teilte ihnen die Immobilienfirma Livit AG im Auftrag des Klosters Einsiedeln mit, dass sie künftig für die Benutzung des Zürichsees Abgaben entrichten müssten: 150 Franken pro Quadratmeter.

Bisher glaubte die Bevölkerung zwischen Seedamm und Freienbach, dass der See der Öffentlichkeit gehöre wie sonst überall in der Schweiz. Doch das Kloster Einsiedeln beansprucht sowohl den Seebereich als auch den Strandboden im Gebiet Frauenwinkel als Eigentum. Dort wollen die Klostermönche nun sprichwörtlich Wasser zu Geld machen.

Irene Herzog-Feusi (50), Präsidentin des Bürgerforums Freienbach, hält das für fragwürdig. «Die geforderten Gebühren sind alles andere als klösterlich bescheiden.» Zum Vergleich: Der Kanton Schwyz verlangt für die Nutzung des Uferbereichs eine Grundgebühr, die 20-mal niedriger liegt als jene des Klosters.

Das Kloster Einsiedeln SZ verlangt Gebühren für Bootshäuser, Stege, Bojen, sogar Treppen ins Wasser. Aber auch der öffentliche Strandboden im Frauenwinkel soll künftig die Klosterkasse zum Klingeln bringen. Betroffen sind unter anderem die Strandbäder Gemeinde Freienbach SZ.

«Wir wollen nur unser Eigentum bewirtschaften. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen», sagt der Statthalter vom Kloster Einsiedeln, Pater Lorenz Moser (65). Der beruft sich auf das Grundbuch und auf eine mehr als tausendjährige Urkunde. Demnach hat das Kloster im 10. Jahrhundert diesen Abschnitt des Zürichsees als Schenkung von Kaiser Otto I. erhalten.

Irene Herzog: «An der Echtheit dieses Dokuments bestehen schon seit einiger Zeit Zweifel. Laut dieser Urkunde soll der Kaiser damals See, Land und sogar Menschen, die dort lebten, an die Einsiedler Mönche verschenkt haben. Will nun das Kloster im Jahr 2007 wieder Abgaben von den ehemaligen Untertanen – wie im dunkelsten Mittelalter?»

play Gebiet Frauenwinkel (markiert): Hier will Abt Martin Werlen Gebühren eintreiben. (Illustration: SonntagsBlick)

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