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Frauen springen sich an die Gurgel, würgen, schreien und werfen einander in hohem Bogen auf den Ringboden, dass die Bretter zu brechen drohen. Amy Cooper gegen Laura Wellings – der Kampf um den Meistergürtel bei den Wrestlerinnen. Catchen bis zum Umfallen.
Amy Cooper, die mit bürgerlichem Namen Marie Gavillet heisst und als Kellnerin in einem Café in Fribourg arbeitet, spielt die Gute. Laura, die ihre Zukunft in einem Sozialberuf sieht, mimt das Biest, die Zicke, die Böse.
Amy tritt in einem dunklen T-Shirt und schwarzen Lackhosen an, mit einem Schweizer Kreuz am Hintern. Als sie auf der Bühne aus dem Trockeneis tritt, dröhnt Paul Stanleys «Live to Win» aus den Lautsprechern.
Laura, die Titelverteidigerin, erscheint mit Rüschen-Höschen, pinkfarbenem Top und Netzstrümpfen, die Haare grell gefärbt, die Lippen rot geschminkt. Aggressiv fordert sie ihre Konkurrentin heraus. «Du bist es nicht würdig, mit mir zu kämpfen!» Luder Laura.
«Ein bisschen Erotik muss sein», sagt die 17-Jährige, «das gehört zur Show.» Den Männern im Publikum gefällts, auch wenn sie ihre Stimme laut gegen Laura erheben.
Ein 11-Jähriger formt die Hände zu einem Trichter und ruft «du Schlampe», sein Kollege schreit «Bitch» – und lacht. Die Frauen im Publikum bleiben still auf ihren Stühlen sitzen. Sie sind in der Unterzahl.
Dass ausgerechnet in der testosterongeschwängerten Arena des Wrestlings Frauen ihren Mann stehen, mag erstaunen. Doch gerade hier können sie ihre Wünsche ausleben. Und am Ende siegt das Gute über das Böse.
Amy stemmt den Gürtel in die Höhe und lässt sich als neue Championne feiern. Laura liegt regungslos auf dem Ringboden, scheinbar K.o.
Amys zierliches Wesen passt so gar nicht ins Bild der effekthascherischen Anabolikagockel und Silikon-Drohnen. Amy ist bloss 165 Zentimeter gross und 50 Kilo schwer. Als Jugendliche schob sie sportlich eine ruhige Kugel – und spielte Pétanque.
«Gegensätze gehören genauso zur Faszination des Wrestlings wie die ganze Show», sagt die 22-Jährige. «Ich bin privat eher scheu. Im Ring kann ich meine andere Seite ausleben, kann eine Rolle spielen und zeigen, dass Frauen nicht nur zur Dekoration dienen, sondern auch richtig kämpfen können.»