Umfrage Waffen und Munition ins Zeughaus

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Christian Dorer und Flurina Valsecchi

Das Volk will Armeewaffen aus Estrichen und Wohnungen verbannen.Der Amok-Schütze von Baden AG tötete mit seinem Sturmgewehr. Jährlich sterben rund 300 Menschen durch Armeewaffen – Soldaten haben ein Sturmgewehr, Offiziere eine Pistole. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von SonntagsBlick zeigt jetzt:
  • Zwei Drittel der Befragten lehnen den Mythos ab, dass jeder Wehrmann Sturmgewehr und Munition zu Hause haben muss.
  • Mehr als drei Viertel finden, für die Auftragerfüllung der Armee sei die Waffe im Schrank nicht nötig.
  • Mehr als jeder Dritte glaubt, dass Familiendramen verhindert werden könnten, wenn keine Armeewaffe zur Hand wäre.
«Das sind sehr deutliche Resultate», sagt der Leiter der Isopublic-Studie, Matthias Kappeler (35). «Die Bürger wollen Waffe und Munition ins Zeughaus sperren.» Eine Initiative hätte gute Chancen, obwohl Männer und Ältere kritischer seien – diejenigen, die in der Politik überdurchschnittlich viel Einfluss haben. Interessant:
  • Die Frauen urteilen am deutlichsten: drei von vier sind für das Wegsperren aller Armeewaffen.
  • Bei den über 55-Jährigen sind es am wenigsten: Nur jeder Zweite ist dafür.
In einem Punkt aber sind sich alle Befragten einig: Die Waffe zu Hause ist für die Armee bedeutungslos. Auch wenn deren Chef Christophe Keckeis (62) kürzlich im SonntagsBlick sagte: «Für mich ist ein Soldat ohne Waffe kein Soldat.»

Munitions-Motion

Das Parlament lehnte es in den vergangenen Jahren immer wieder ab, Armeewaffen aus den Haushalten zu verbannen. Im März scheiterte der bislang letzte Antrag im Nationalrat – mit 96 zu 80 Stimmen. Jetzt hat die Stimmung umgeschlagen:

Eine Ständeratskommission beschloss am Montag eine Motion, wonach Wehrmänner die Munition – nicht aber ihre Waffe – im Zeughaus deponieren müssen. Der Kompromiss hat gute Chancen im Parlament. Denn viele Bürgerliche wollen so der Volksinitiative «Zum Schutz vor Waffengewalt» den Wind aus den Segeln nehmen. Die will nicht nur die Aufbewahrung der Armeewaffen zu Hause verbieten, sondern das Recht auf Waffenerwerb und Waffenbesitz generell beschränken.

Umfrage

Die Umfrage wurde vom 19. bis 21. April vom Institut Isopublic im Auftrag von SonntagsBlick durchgeführt. Befragt wurden 1203 Personen der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz.

Die kompletten Resultate finden Sie im PDF.

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