Vom Gucci-Schwindler zum Sony-Manager

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • VON BEAT KRAUSHAAR

ZÜRICH – Auch das noch: Gucci-Schwindler Juan Isidro Casilla (22) plante als Sony-Manager seine eigene Schweizer Tournee – als Latino-Weltstar.Chayanne (38) – mit bürgerlichem Namen Elmer Figueroa-Arce – ist bei den Latinos ein Superstar. Millionen von Plattenverkäufen und Nummer eins Hits schmücken seine Karriere. Die Band- und Showgruppe Fanatic Wave in Wettingen AG staunte deshalb nicht schlecht, als sich am 24. November 2006 ein Herr Watson von Sony BMG in New York meldete. «Er sagte, dass sie eine Tanzcrew für die Schweizer-Tournee ihres Latino-Superstarsängers Chayanne suchen», sagt Marco Schöpf von Fanatic Wave. Einen Tag später in Wettingen: Superstar Chayanne trifft im Tanzlokal ein. «Er präsentierte uns eine DVD, die absolut professionel gemacht war. Man sah ihn im Tonstudio und beim Interview. Zudem präsentierte er seine Tourliste 2007 durch die USA», sagt Schöpf. Dann schwärmte Chayanne der Tanzcrew vor, wie er mit Justin Timberlake und Co. im Disney Club aufgetreten sei. Er versprach hohe Gagen. Als Sponsoren nannte er Dolce & Cabbana. «Für uns hörte sich das an wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen an », sagt Schöpf zu BLICK.Die Tanz- und Showgruppe stellte sich auf tägliches Training ein und liessen alles andere stehen und liegen. Doch der Traum platzte jäh. Latino-Weltstar Chayenne meldete per SMS, dass er wegen einem Autounfall im Spital liege und die Tournee verschoben werden muss.BLICK-Leser ahnen es: Der angebliche Superstar Chayanne ist in Wirklichkeit der Gucci-Schwindler Juan Isidro Casilla. Der auch schon als Armani-Model, als Cirque du Soleil-Chef und als Sony BMG Manager Watson «Karriere» machte. Im Internet präsentiert er sich sogar als Grammy-Awards-Gewinner 2005.In diesem Jahr hatte der Gucci-Schwindler allerdings nur einen Auftritt als falscher Latino-Sänger Chayanne. Am Christopher Street Day, dem Gedenk- und Demonstrationstag der Schwulen und Lesben, in Stuttgart. Dort legte er die Veranstalter herein, die glaubten der Weltstar engagiere sich mit seinem Auftritt für die Sache der Homosexuellen.Nach der BLICK-Enthüllung über den Gucci-Schwindler weht ihm ein rauer Wind entgegen. Sein Stiefvater nennt ihn ein «Halunke, denn er am liebsten nicht mehr sehen will». Sein Ex-Freund und Kollegen aus der Schwulenszene bezeichnen ihn als krank. Und die Justiz ist ihm auf den Fersen. Neben der laufenden Ermittlung wegen Betrügerei drohen dem Hochstapler Casilla weitere Klagen.

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