Robert F. Kennedy Jr.: «Obama ist der neue Kennedy»
Robert F. Kennedy Jr. empfiehlt eine grüne Revolution und die Erneuerung der moralischen Autorität Amerikas.
Von Johannes von DohnÁnyi und Karin El Mais | Aktualisiert um 11:47 | 25.01.2009
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Mr Kennedy, Ihr schwer kranker Onkel Ted brach nach der Vereidigung von Präsident Barack Obama am Dienstag zusammen. Wie geht es Senator Kennedy jetzt?
Robert F. Kennedy Jr.: Danke, es geht ihm gut. Seit seiner Gehirnoperation im letzten Jahr hat er manchmal solche Anfälle. Aber er macht schon wieder Witze.
Und warum verzichtet Ihre Cousine Caroline, die Tochter von John F. Kennedy, auf die Kandidatur für den Senatssitz von Hillary Clinton in New York?
Das weiss ich nicht. Aber ich habe ihre Entscheidung sehr bedauert. Wenn meine Kinder grösser sind, werde ich mich vielleicht selber um diesen Sitz bewerben.
Viele vergleichen das Weisse Haus unter Obama mit der Regierung Ihres Onkels John F. Kennedy. Zu Recht?
Ja. Obama ist der neue Kennedy. Nehmen Sie den jugendlichen Auftritt der beiden. Oder den Appell an das Pflichtgefühl der Gemeinschaft. Oder Obamas erklärtes Ziel der moralischen Erneuerung unseres Landes. Amerika soll wieder eine Nation mit Vorbildcharakter werden.
Soll deshalb das Lager von Guantánamo geschlossen werden?
Für mich war Guantánamo immer eine Art Anti-Freiheitsstatue. Obamas Entscheidung, das Lager zu schliessen, ist das offizielle Eingeständnis dafür, dass Amerika in den vergangenen acht Jahren auf dem falschen Weg war.
Ist Amerika als Vorbild überhaupt noch zu reparieren?
Allein die Wahl von Obama signalisiert doch eine dramatische Veränderung gegenüber den vergangenen acht Jahren.
Kurz und knapp: Wie lautet Ihr Urteil über George W. Bush?
Er wird als der schlechteste Präsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen. Bush hat unser internationales moralisches Ansehen ebenso zerstört wie unsere nationale Sicherheit und unsere Wirtschaft.
Und unter Obama wird jetzt alles wieder gut?
Ich glaube, dass die Erneuerung der moralischen Autorität und der politischen Führung verhältnismässig leicht sein wird. Das wirkliche Problem wird die Wirtschaft sein. Das wird viel länger dauern.
Was raten Sie dem Präsidenten?
Das Wichtigste ist, unser Land vom Import fossiler Brennstoffe unabhängig zu machen. Daran arbeitet er aber schon: Die Energiefrage steht ganz oben auf der Liste von Obamas Wirtschaftshilfpaket.
Und wie soll er das machen?
Wir müssen unser Stromnetz modernisieren. Mit Wind- und Sonnenenergie allein könnten wir den gesamten Energiebedarf der USA mehr als decken. Wenn die Regierung dieses Problem konsequent anpackt, könnten wir in zehn Jahren von Ölimporten unabhängig sein.
Und wer soll das bezahlen?
Sie müssen die Frage andersherum stellen: Was kostet uns die Abhängigkeit vom Öl?
Das können Sie sicher beziffern.
Der Ölimport allein kostet uns zur Zeit 700 Milliarden Dollar im Jahr. Dafür müssen wir uns täglich eine Milliarde Dollar von Staaten leihen, die uns weder besonders gut leiden können noch unsere Werte teilen.
Zum Beispiel?
Ich denke da an China und den Nahen Osten. Das heisst letztlich nichts anderes, als dass wir unsere weltpolitischen Gegner finanzieren. Und da sind andere Kosten wie die militärische Sicherung der Ölversorgung noch gar nicht drin. Der Krieg im Irak hat bisher 4,5 Billionen Dollar gekostet.
Ihr Vorschlag?
Ein modernes Leitungsnetz würde etwa 150 Milliarden Dollar kosten. Weitere 650 Milliarden müssten wir in die Produktion von erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser und Erdwärme investieren. Für eine Billion Dollar, etwa so viel, wie wir zurzeit jedes Jahr für Erdöl ausgeben, könnten wir im Energiebereich für immer Selbstversorger sein. All das ginge in wenigen
Jahren.
Noch einmal: Wer soll das alles bezahlen?
Der Staat muss mit 150 Milliarden die Stromnetz-Modernisierung auf den Weg bringen. Dann könnten wir sofort anfangen. Den Rest würden private Investoren auf-bringen.
Aber die immense Staatsverschuldung würde schwer auf den künftigen Generationen lasten.
Falsch. Was wir in einem einzigen Jahr für Öl ausgeben, hätte für die Finanzierung des gesamten Rettungsplans für die Banken gereicht. Und vergessen Sie nicht, die Öl- und die Atomstromindustrie werden zusätzlich mit weit über einer Billion Dollar pro Jahr subventioniert. Ohne diese Subventionen wäre der Sprit in Amerika längst so teuer wie bei Ihnen in Europa.
Sie planen eine Revolution!
Ja. Aber eine, die aus dem Energiesektor endlich einen freien Markt macht, in dem die effizientesten und günstigsten Anbieter belohnt und die Verschwender bestraft werden. Wenn jeder Haushalt selbst Energie herstellen und seine Überschüsse zu Marktpreisen ins Netz einspeisen könnte, würde jeder Einzelne zum kleinen Strom-Unternehmer. Stellen Sie sich das vor: Wir hätten ein intelligentes Verbrauchersystem, das jede Stromquelle bei Ihnen zu Hause abstellt, wenn sie nicht gebraucht wird. Dann kämen wir ohne die teuren Gaskraftwerke aus, die zurzeit für die Versorgung in Spitzenbedarfszeiten gebraucht werden. Das ist
so verschwenderisch, als würden Sie Ihre Wäsche in teurem Cognac spülen.
Es gibt keine Revolution ohne Verlierer.
Die Verlierer wären die Saudis und all die anderen, die ihr Geld mit unseren Öl-Importen verdienen.
Ihr Konzept würde die Aussenpolitik der USA verändern.
Wenn wir keine Militärstützpunkte mehr bauen würden zum Schutz von Pipelines, dafür aber Schulen und Krankenhäuser, könnten wir der islamischen Welt beweisen, dass wir nicht nur an ihrem Öl interessiert sind.
Gespräche also auch mit dem Iran, obwohl dieser eigene Atomwaffen entwickelt?
Obama muss mit dem Iran reden. Die Geschichte zeigt immer wieder, wie aus politischen Missverständnissen heisse Kriege werden. Das iranische und das amerikanische Volk sind ja eigentlich gute Freunde.
Jetzt haben Sie Ihre Freunde in Israel verärgert!
Im Gegenteil. Die meisten Probleme Israels sind das Ergebnis unserer falschen Iran-Politik.
Damit bekäme der Kampf gegen den Terrorismus eine ganz neue Qualität.
Die hat Obama doch schon eingeleitet. Guantánamo wird geschlossen. Folter ist ausdrücklich wieder verboten. Die USA haben sich vor der Weltöffentlichkeit gegen all das entschieden, wofür George W. Bush stand. Abgesehen davon, dass alle Experten sich einig sind: Auf Erkenntnisse aus Folterverhören ist kein Verlass. Der Kampf gegen den Terrorismus muss mit polizeilichen Methoden und nicht mit militärischen Mitteln geführt werden.
Wie soll die Welt auf diesen neuen Weg der USA reagieren? Sollte die Schweiz Guantánamo-Häftlinge aufnehmen?
Das meiste müssen wir selber tun. Es ist absurd, zu glauben, wir könnten in unseren Gefängnissen keine gefährlichen Terroristen sicher wegsperren. Das ist Unsinn. Aber würde die Schweiz, würde Europa insgesamt uns bei der Bewältigung des Guantánamo-Problems helfen, dann wäre das ein Zeichen der Anerkennung für den Wandel.
Zuletzt: Sollte Präsident Obama, wie üblich, der Bush-Regierung eine Generalamnestie erteilen?
Jeder, der gefoltert hat oder Folter erlaubte, gehört meiner Meinung nach vor ein Kriegsgericht.
Robert F. Kennedy Jr.: Danke, es geht ihm gut. Seit seiner Gehirnoperation im letzten Jahr hat er manchmal solche Anfälle. Aber er macht schon wieder Witze.
Und warum verzichtet Ihre Cousine Caroline, die Tochter von John F. Kennedy, auf die Kandidatur für den Senatssitz von Hillary Clinton in New York?
Das weiss ich nicht. Aber ich habe ihre Entscheidung sehr bedauert. Wenn meine Kinder grösser sind, werde ich mich vielleicht selber um diesen Sitz bewerben.
Viele vergleichen das Weisse Haus unter Obama mit der Regierung Ihres Onkels John F. Kennedy. Zu Recht?
Ja. Obama ist der neue Kennedy. Nehmen Sie den jugendlichen Auftritt der beiden. Oder den Appell an das Pflichtgefühl der Gemeinschaft. Oder Obamas erklärtes Ziel der moralischen Erneuerung unseres Landes. Amerika soll wieder eine Nation mit Vorbildcharakter werden.
Soll deshalb das Lager von Guantánamo geschlossen werden?
Für mich war Guantánamo immer eine Art Anti-Freiheitsstatue. Obamas Entscheidung, das Lager zu schliessen, ist das offizielle Eingeständnis dafür, dass Amerika in den vergangenen acht Jahren auf dem falschen Weg war.
Ist Amerika als Vorbild überhaupt noch zu reparieren?
Allein die Wahl von Obama signalisiert doch eine dramatische Veränderung gegenüber den vergangenen acht Jahren.
Kurz und knapp: Wie lautet Ihr Urteil über George W. Bush?
Er wird als der schlechteste Präsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen. Bush hat unser internationales moralisches Ansehen ebenso zerstört wie unsere nationale Sicherheit und unsere Wirtschaft.
Und unter Obama wird jetzt alles wieder gut?
Ich glaube, dass die Erneuerung der moralischen Autorität und der politischen Führung verhältnismässig leicht sein wird. Das wirkliche Problem wird die Wirtschaft sein. Das wird viel länger dauern.
Was raten Sie dem Präsidenten?
Das Wichtigste ist, unser Land vom Import fossiler Brennstoffe unabhängig zu machen. Daran arbeitet er aber schon: Die Energiefrage steht ganz oben auf der Liste von Obamas Wirtschaftshilfpaket.
Und wie soll er das machen?
Wir müssen unser Stromnetz modernisieren. Mit Wind- und Sonnenenergie allein könnten wir den gesamten Energiebedarf der USA mehr als decken. Wenn die Regierung dieses Problem konsequent anpackt, könnten wir in zehn Jahren von Ölimporten unabhängig sein.
Und wer soll das bezahlen?
Sie müssen die Frage andersherum stellen: Was kostet uns die Abhängigkeit vom Öl?
Das können Sie sicher beziffern.
Der Ölimport allein kostet uns zur Zeit 700 Milliarden Dollar im Jahr. Dafür müssen wir uns täglich eine Milliarde Dollar von Staaten leihen, die uns weder besonders gut leiden können noch unsere Werte teilen.
Zum Beispiel?
Ich denke da an China und den Nahen Osten. Das heisst letztlich nichts anderes, als dass wir unsere weltpolitischen Gegner finanzieren. Und da sind andere Kosten wie die militärische Sicherung der Ölversorgung noch gar nicht drin. Der Krieg im Irak hat bisher 4,5 Billionen Dollar gekostet.
Ihr Vorschlag?
Ein modernes Leitungsnetz würde etwa 150 Milliarden Dollar kosten. Weitere 650 Milliarden müssten wir in die Produktion von erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne, Wasser und Erdwärme investieren. Für eine Billion Dollar, etwa so viel, wie wir zurzeit jedes Jahr für Erdöl ausgeben, könnten wir im Energiebereich für immer Selbstversorger sein. All das ginge in wenigen
Jahren.
Noch einmal: Wer soll das alles bezahlen?
Der Staat muss mit 150 Milliarden die Stromnetz-Modernisierung auf den Weg bringen. Dann könnten wir sofort anfangen. Den Rest würden private Investoren auf-bringen.
Aber die immense Staatsverschuldung würde schwer auf den künftigen Generationen lasten.
Falsch. Was wir in einem einzigen Jahr für Öl ausgeben, hätte für die Finanzierung des gesamten Rettungsplans für die Banken gereicht. Und vergessen Sie nicht, die Öl- und die Atomstromindustrie werden zusätzlich mit weit über einer Billion Dollar pro Jahr subventioniert. Ohne diese Subventionen wäre der Sprit in Amerika längst so teuer wie bei Ihnen in Europa.
Sie planen eine Revolution!
Ja. Aber eine, die aus dem Energiesektor endlich einen freien Markt macht, in dem die effizientesten und günstigsten Anbieter belohnt und die Verschwender bestraft werden. Wenn jeder Haushalt selbst Energie herstellen und seine Überschüsse zu Marktpreisen ins Netz einspeisen könnte, würde jeder Einzelne zum kleinen Strom-Unternehmer. Stellen Sie sich das vor: Wir hätten ein intelligentes Verbrauchersystem, das jede Stromquelle bei Ihnen zu Hause abstellt, wenn sie nicht gebraucht wird. Dann kämen wir ohne die teuren Gaskraftwerke aus, die zurzeit für die Versorgung in Spitzenbedarfszeiten gebraucht werden. Das ist
so verschwenderisch, als würden Sie Ihre Wäsche in teurem Cognac spülen.
Es gibt keine Revolution ohne Verlierer.
Die Verlierer wären die Saudis und all die anderen, die ihr Geld mit unseren Öl-Importen verdienen.
Ihr Konzept würde die Aussenpolitik der USA verändern.
Wenn wir keine Militärstützpunkte mehr bauen würden zum Schutz von Pipelines, dafür aber Schulen und Krankenhäuser, könnten wir der islamischen Welt beweisen, dass wir nicht nur an ihrem Öl interessiert sind.
Gespräche also auch mit dem Iran, obwohl dieser eigene Atomwaffen entwickelt?
Obama muss mit dem Iran reden. Die Geschichte zeigt immer wieder, wie aus politischen Missverständnissen heisse Kriege werden. Das iranische und das amerikanische Volk sind ja eigentlich gute Freunde.
Jetzt haben Sie Ihre Freunde in Israel verärgert!
Im Gegenteil. Die meisten Probleme Israels sind das Ergebnis unserer falschen Iran-Politik.
Damit bekäme der Kampf gegen den Terrorismus eine ganz neue Qualität.
Die hat Obama doch schon eingeleitet. Guantánamo wird geschlossen. Folter ist ausdrücklich wieder verboten. Die USA haben sich vor der Weltöffentlichkeit gegen all das entschieden, wofür George W. Bush stand. Abgesehen davon, dass alle Experten sich einig sind: Auf Erkenntnisse aus Folterverhören ist kein Verlass. Der Kampf gegen den Terrorismus muss mit polizeilichen Methoden und nicht mit militärischen Mitteln geführt werden.
Wie soll die Welt auf diesen neuen Weg der USA reagieren? Sollte die Schweiz Guantánamo-Häftlinge aufnehmen?
Das meiste müssen wir selber tun. Es ist absurd, zu glauben, wir könnten in unseren Gefängnissen keine gefährlichen Terroristen sicher wegsperren. Das ist Unsinn. Aber würde die Schweiz, würde Europa insgesamt uns bei der Bewältigung des Guantánamo-Problems helfen, dann wäre das ein Zeichen der Anerkennung für den Wandel.
Zuletzt: Sollte Präsident Obama, wie üblich, der Bush-Regierung eine Generalamnestie erteilen?
Jeder, der gefoltert hat oder Folter erlaubte, gehört meiner Meinung nach vor ein Kriegsgericht.
Vision In nur zehn Jahren möchte Robert F. Kennedy Jr. die USA von Ölimporten unabhängig sehen. (Goran Basic)
Persönlich
Robert F. Kennedy Jr. (55) ist ein Neffe des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy.
Auch sein eigener Vater Robert, der unter seinem Bruder John F. als Justizminister gedient hatte, wurde am 5. Juni 1968 während des Wahlkampfs um die US-Präsidentschaft ermordet.
Robert Kennedy Jr. ist in den USA ein bekannter Umwelt-Anwalt. Aus zwei Ehen wurden ihm insgesamt sechs Kinder geboren.
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