Weil US-Truppen Haitis Flughafen blockieren: «Uns sterben die Menschen weg!»

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play Ein Arzt kümmert sich um eine Verletzte im Erdbebengebiet. (Keystone)

PORT-AU-PRINCE – «Ärzte ohne Grenzen» erheben schwere Vorwürfe gegen die US-Truppen in Haiti. Weil diese den Flughafen blockierten, sollen den Helfern Medikamente und Hilfsgüter fehlen.

In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince herrscht das blanke Chaos. Hunderttausende Menschen leben seit dem Erdbeben auf der Strasse und warten auf Hilfe. Doch weil die US-Truppen seit Freitag den einzigen Flughafen kontrollieren, und hauptsächlich ihre eigenen Leute aus dem Land fliegen, läuft die Hilfe nur schleppend an.

Jetzt erhebt Benoit Leduc, Notfallkoordinator der «Ärzte ohne Grenzen» in Haiti, schwere Vorfwürfe gegen die Amerikaner. «Weil zwei unserer Flugzeuge nicht in Port-au-Prince landen konnten, fehlen uns Medikamente und medizinische Utensilien», sagt er an einer Pressekonferenz. «So können wir den Menschen nicht helfen. Sie sterben uns zu Hunderten weg.»

48 Stunden im Rückstand

Die US-Amerikaner hätten nur vier Flugzeuge der «Ärzte ohne Grenzen» landen lassen. Die anderen seien in der benachbarten Dominikanischen Republik gelandet, so Leduc weiter. Der Transport der 65 Tonnen Hilfsmaterial komme nur schleppend voran, da sämtliche Infrastrukturen des Landes zerstört seien.

Deshalb fordert Beoit Leduc von den US-Amerikanern: «Transportflugzeuge mit Medikamenten, Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern, müssen unbedingt Priorität auf dem Flughafen haben.» Noch diese Woche werden sechs weitere Flugzeuge von «Ärzte ohne Grenzen» nach Haiti aufbrechen.

500 Operationen

Trotz der fehlenden Materialien, konnten die 165-köpfige Hilfscrew bisher über 500 Menschen operieren und insgesamt über 3000 behandeln. «Wir arbeiten Tag und Nacht, doch uns fehlen wichtige Medikamente», sagt Leduc.

Insgesamt habe man fünf Standorte, an denen man die haitianische Bevölkerung medizinisch versorgen könne. Aber nur an drei Orten könne man operieren. «Es gibt viele Menschen, die infizierte Wunden haben und denen man Körperteile amputieren muss. Die Lage ist dramatisch», sagt Leduc.

Er weist auch darauf hin, dass es ausserhalb von Port-au-Prince viele Dörfer und Kleinstädte gibt, die noch keine Hilfe erhalten haben, obwohl dort 80 Prozent der Infrastruktur zerstört sei. «Die Menschen dort haben nicht einmal das Nötigste, doch dorthin zu gelangen ist nahezu unmöglich.»

Opfer rasten aus

Da viele Menschen keine Hilfe bekommen, gehe der Schock der Bevölkerung in Frustration und Wut über, erklärt Leduc. «Helfer werden bedroht, weil die Menschen nicht verstehen, dass wir nicht für alle Nahrung und Medikamente haben.»

Am Flughafen kam es heute zu unschönen Szenen (Blick.ch berichtete). Eine aufgebrachte Meute versuchte diesen zu stürmen, da sie sich von den US-Truppen ungerecht behandelt fühlten.

Alle Kommentare (29)

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    Roman Schneiter, Olten
    Geschichte der USA.
    Vielleicht sollten Sie mal die Geschichte der Entstehung der Schweiz etwas besser studieren. Da ist die Geschichte der USA ein Weisenkind gegenüber der Schweiz.
    Aber hier geht es ja um Hilfe für Haiti und nicht Politik. Wie kleinlich kann man auch immer sein.
    Ich bin stolz heute Kanadier zu sein und peinlich als gebürtiger Schweizer wenn ich viele der Kommentare hier lese. Wären die Ärzte ohne Grenzen besser organisiert, hätten sie weniger Probleme
    • 19.01.2010
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    michel koeb, montady
    Soviel Unsinn habe ich noch nie gelesen.
    Dass so viele Schweizer so verbittert sind wusste ich wirklich nicht.
    Immer nur Negativ. So viel Kleinlichkeit. Ich habe Erbarmen mit Euch.
    Ich gratuliere und danke allen Ländern und Völker die Haiti helfen ob viel oder wenig.
    Gruss von Kanada.
    • 19.01.2010
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    Wieder die schon allbekannte Kritik an Amerikanern.
    Natürlich müssen Flugzeuge, wenn ein Flugplatz voll gestopft ist, abfliegen damit wieder parkplatz erstellt werden kann. Kanada hat zwei Flüge täglich nur von der Militär Flugwaffe plus Air Canada und West Jet. Aber diese Flüge werden koordiniert und habe somit keine lande Probleme.
    Wo ist die Schweiz mit Ihrer Armee um zu helfen. Es ist einfach ein Flugzeug voll Hilfmittel zu senden und dann die Arbeit Andern zu überlassen.
    • 19.01.2010
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    Plünderungen, Gewalt, allgemeines Chaos...
    Die Tastaturhelden, die hier ein grosses Maul haben und die Amerikaner verspotten wären die Ersten, die genau das Gleiche täten, hätten die USA nicht alle ihre Kräfte mobilisiert. In diesem Fall wäre der Vorwurf man würde die Leute im Stich lassen. Erbärmlich, einfach erbärmlich wie schnell solche Witzfiguren aus ihren Löchern gekrochen kommen.
    • 19.01.2010
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    @ Rindlisbacher: Es geht um Haïti und nicht um Puerto Rico! Die USA nehmen sich was sie wollen basta! In Afghanistan möchten sie die Droge kontrollieren als Gegengewicht zu Kolombien und Mexico, nur die Talibane haben etwas dagegen! Verstanden um was es wirklich geht? Warum brauchen die USA auf Haïti diesen Waffenarsenal um Humanitäre Hilfe zu leisten? Mit einem M16 Leute retten? Lächerlich!
    • 19.01.2010
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