Über 200 Fälle des gefährlichen Dengue-Fiebers: Tessin jagt die Tigermücken

Heisser Sommer, milder Winter - die Zahl der Tigermücken hat sich zu 2014 fast verdoppelt und sie verbreiten Krankheitserreger.

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Die Tigermücke kommt ursprünglich aus Südostasien. Seit 2003 ist sie auch im Tessin heimisch. Wikidepia

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Sie schleust sich als blinde Passagierin ins Land. Auf LKW-Planen. In Autos. In Pflanzentöpfen. Sie macht es sich besonders in Hydrokulturen wie dem Glücksbambus bequem. Und dank des Klimawandels fühlt sie sich besonders wohl in der Schweiz: die gefährliche Asiatische Tigermücke.

Zehn Jahre schon bevölkert sie das Tessin. «Seit 2014 hat sich ihre Zahl im Südkanton fast verdoppelt», sagt Mauro Tonolla (55), Mikrobiologe und Leiter der Tessiner Mücken-Arbeitsgruppe. Dank der heissen Sommer und milden Winter finde die Tigermücke das ideale Ökosystem.

Nicht nur der Stich plagt den Menschen. Die Aedes albopictus überträgt auch das Dengue- und Chikungunya-Fieber. Und laut der Weltgesundheitsorganisation kann sie uns sogar das Zika-Virus bringen.

In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Dengue-Fälle in der Schweiz von fünf auf 201. «Die Patienten haben das Virus aus den Tropen mitgebracht», sagt Tonolla. Wird aber einer der Patienten von einer hiesigen Tigermücke gestochen, infiziert sich diese mit dem Virus und kann ihn weiter übertragen.

Tonolla erinnert an die Epidemie in Ravenna (I) im Jahr 2007, als das Chikungunya-Virus von einem Touristen auf die italienischen Tigermücken übertragen wurde und darauf 250 Menschen am Fieber erkrankten.

In der Sonnenstube herrscht Alarmstufe Rot. 64 Tessiner Gemeinden erklären der Tigermücke den Krieg. Die Einwohner dürfen kein Wasser in Blumentopfuntersätzen stehen lassen, müssen Abfalleimer hermetisch abriegeln und Wasserbehälter schliessen, da sie Brutstätten für den lästigen Moskito sind. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, muss mit Bussen von 50 bis 10 000 Franken rechnen. Zudem legt der Südkanton Mücken-Fallen aus und bekämpft die Brut mit Bio-Granulat.

Für Basil Gerber (48) vom Bundesamt für Umwelt sind Moskitos die gefährlichsten Tiere der Welt. Der stellvertretende Leiter der Sektion Biotechnologie warnt: «Mit dem Klimawandel werden weitere Mückenarten folgen. Auch wenn es heute keinen Grund zur Sorge gibt, sollten die Behörden auf der Hut sein.» Auch mit der Ausbreitung der Ägyptischen Tigermücke sei in Zukunft zu rechnen, der tückischsten Moskito-Art. Sie überträgt nicht nur Gelbfieber, sondern auch das Zika-Virus.

Publiziert am 19.02.2016 | Aktualisiert am 29.04.2016
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  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    19.02.2016
    Wir vergessen dabei das bis ca. 1950 sowohl Oberitalien als auch das Oberrheintal Malariagebiete waren. Es braucht also nicht unbedingt ein wärmeres Klima damit sich gefährliche Mückenarten ausbreiten können. Durch konsequente Bekämpfung der Mücken konnte die Malaria zumindest am Oberrhein verschwinden. Sie trat aber sofort wieder auf als am Ende des II. Weltkrieges die öffentliche Ordnung zusammenbrach und infizierte Kriegsheimkehrer die Malaria wieder nach Deutschland gebracht hatten.
  • Elfriede  Beck 19.02.2016
    Kann ich Herr Hunziker nur beipflichten. Hoffentlich wird diese Nachricht nicht missbraucht um tonnenweise Gift in die Umwelt auszubringen!
    Die Chemiekonzerne sind unersättlich!!!
  • Markus  Hunziker aus Chur
    19.02.2016
    Bei diesen 200 Fällen wurde die Krankheit aus den Tropen mitgebracht!!! nicht durch die Tigermücken im Tessin, wie es der Titel imliziert! Lieber Blick: etwas weniger reisserische dafür sachlichere Titel wären wünschenswert!