Trotz zwei Schwerverletzter in Rehetobel AR Darum wollen Polizisten keine Schutzwestenpflicht

REHETOBEL AR/ZÜRICH - Die beiden Polizisten, die in Rehetobel AR im Einsatz durch Schüsse schwer verletzt wurden, trugen keine Schutzwesten. Das mussten sie auch nicht. Eine Tragepflicht ist unter Beamten nicht mehrheitsfähig.

Ein Polizist im Einsatz nach der Schiesserei in Rehetobel AR. Im Gegensatz zu seinen beiden verletzten Kollegen trägt er ein Schutzweste.  play
Ein Polizist im Einsatz nach der Schiesserei in Rehetobel AR. Im Gegensatz zu seinen beiden verletzten Kollegen trägt er ein Schutzweste.  Keystone

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Auch drei Tage nach der Schiesserei bei einer Hausdurchsuchung in Rehetobel AR, bei der zwei Polizisten schwer verletzt wurden, ist die Betroffenheit noch immer gross.

Der 29-jährige Beamte, den eine Kugel aus der Waffe von Roger S. (†33) mitten ins Herz getroffen hat, befindet sich nach wie vor in einem «kritischem Zustand», wie Kapo-Sprecher Hanspeter Saxer auf Anfrage von BLICK sagt. Der zweite angeschossene Polizist (37) sei zwar «stabil», befindet sich aber ebenfalls weiterhin in Spitalpflege.

 

«Entscheid war gut überlegt»

Doch neben der Betroffenheit, die er auslöst, wirft der Fall auch Fragen auf. Allen voran jene, weshalb die Polizisten bei ihrem Einsatz keine Schutzweste getragen haben. Handelten sie gar fahrlässig?

Sprecher Saxer nimmt die Beamten in Schutz. «Der Einsatz war seriös vorbereitet und der Entscheid, auf eine Schutzweste zu verzichten, war gut überlegt», sagt er.

Als ungefährlich eingestuft

Roger S. wurde von den Polizisten offensichtlich als ungefährlich eingestuft – obwohl diesen bekannt war, dass der 33-Jährige bereits 2003 mit einer Schrotflinte auf einen anderen Mann geschossen hatte, wie Saxer betont. Hinzu kommt, dass sich S. bei dem Einsatz zunächst kooperativ gezeigt hatte, bevor die Situation überraschend eskalierte.

Der Fall Rehetobel werde sicherlich eine erneute Diskussion über eine Tragpflicht für Schutzwesten auslösen, glaubt Saxer.

Er ist aber persönlich der Ansicht, dass eine stärkere Reglementierung für die tägliche Polizeiarbeit nicht tauglich sei. Es müsse einen Spielraum geben, sagt der Polizeisprecher. Schliesslich könne eine Weste je nach Schutzgrad und Gewicht auch die Handlungsfähigkeit der Polizisten einschränken.

Zudem hält Saxer fest: «Einen absoluten Schutz gibt es sowieso nicht – auch nicht mit Weste.»

«Keine 100-Prozent-Garantie»

Ähnlich tönt es beim Verband Schweizerischer Polizeibeamter VSPB. «Man kann das Risiko nur minimieren, eine 100-Prozent-Garantie auf Unversehrtheit im Einsatz gibt es für Polizisten nicht», sagt Präsidentin Johanna Bundi Ryser, die sich ebenfalls gegen eine allgemeine Tragpflicht ausspricht.

Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB), will keine Schutzwestenpflicht. play
Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB), will keine Schutzwestenpflicht. Rolf Weiss

Der Aufgabenbereich der Polizei sei heutzutage sehr vielfältig, jede Situation unterschiedlich. «Ein Polizist muss anhand seiner Lagebeurteilung selber abwägen können», sagt Bundi Ryser.

Wichtig sei indessen aber die Verfügbarkeit der Schutzwesten. «Jedes Korps muss seinen Polizisten ein persönliches Exemplar zur Verfügung stellen, damit sie diese tragen können, falls sie es für notwendig erachten.»

Publiziert am 05.01.2017 | Aktualisiert am 12.01.2017
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37 Kommentare
  • Josef  Blocher 06.01.2017
    Liebe Besserwisser; überlasst diese Entscheidung doch den Polizisten,denn es ist tatsächlich so: eine Weste kann je nach Schutzgrad und Gewicht auch die Handlungsfähigkeit der Polizisten einschränken.Froidveaux und Silva:Leichte Schutzwesten schützen auf diese kurze Distanz,auf die der Polizist erschossen wurde,überhaupt nicht. Soviel zum"Wissen über den neuesten Stand der internationalen Technik".Plaudern kann jeder.
  • Hanspeter  Oppliger aus Valencia Philippinen
    06.01.2017
    Was für unüberlegte Kommentare von Polizisten, hohen Polizisten, wenn die dann wirklich so ausgesprochen wurden! Es ist nun mal ja leider nicht das erstemal, dass so etwas Schreckliches passiert und wird wohl auch nicht das letztemal sein. Es ist so (noch so), dass Polizisten zum Glück eher selten mit Waffen bedroht werden. Sicherlich aber, ist zunehmend damit zu rechnen, leider. Lagebeurteilung und Selbstschutz werden daher immer wichtiger. Das muss für jede Art von Polizei Einsatz gelten.
  • Somboon  Saleoff aus Koh Samui Suratani
    05.01.2017
    Helm Tragpflicht für Fahrrad und Motorradfahren, Gurten Tragplicht für Autofahrer, jegliche Mengen Vorschriften für Arbeitsschutzkleidung, ein mehrere hunderttausend frängkiges Werbebudget der SUVA für Unfallverhütung.
    Dann merkt doch dieser rückständige Herr Saxer tatsächlich, der offenbar in den 50er Jahren die Polizei-RS noch mit der Steinschleuder gemacht hat, das es nirgens eine 100 Prozente Sicherheit gibt.
    Wie soll so einer wissen was er denkt, befor er hört was er sagt?
  • R  S aus St.Gallen
    05.01.2017
    Der Entscheid war gut überlegt? Man wusste, dass diese Person schon einmal zur Waffe gegriffen hat, und trotzdem hat man auf die Weste verzichtet. Ich kann nur den Kopf schütteln. Ich trage in jedem Einsatz eine Weste. Man weiss nie, wo und wann solche Menschen zuschlagen.
  • Werner  Caviezel , via Facebook 05.01.2017
    "will keine Schutzwestenpflicht. Rolf Weiss " Warum "Pflicht" und nicht Obligatorium? So sagt man doch bei uns. Wir müssen ja nicht wie die Deutschen reden.
    • Silvio  Valentino aus Winterthur
      05.01.2017
      Ach wirklich, es heisst "Obligatorium" und nicht "Pflicht" hier "bei uns"? Danke für den Hinweis, ich dachte immer, es hiesse Dienstpflicht, Steuerpflicht, Präsenzpflicht, Bürgerpflicht, Ehrenpflicht, Gehorsamspflicht, Sorgfaltspflicht, Amtspflicht ... Pflichtaufgabe, Pflichterfüllung, Pflichtverletzung usw. . Aber wenn Sie sich gegenüber "den Deutschen" abgrenzen wollen, setzen Sie ruhig anstelle von "Pflicht" "Obligatorium" ein; man wird Sie dann sicher nicht mit einem Deutschen verwechseln.