Streit um Import-Fleisch: Wie gefährlich ist das Hormon-Steak?

In der EU ist dieses Fleisch verboten. In der Schweiz landet es trotzdem auf dem Teller.

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Die Produktion von Hormonfleisch ist in der Schweiz seit 1970 verboten. Und doch liegt es bei Aldi, Denner, Migros und Spar im Regal: Völlig legal – denn der Import ist erlaubt. «Diese Praxis ist absurd», sagt Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz (Grüne, VD, 44). Mit einer Motion kämpft sie dagegen an. «Einige der Hormone haben krebserregende Wirkung. Deshalb muss auch der Import verboten werden.»

In der EU ist das der Fall. Der «Wissenschaftliche Ausschuss für öffentliche Gesundheit» in Brüssel kam 1999 zum Schluss, dass derartiges Fleisch «grundsätzlich gesundheitsgefährdend» ist. Einige der in der Tierzucht verwendeten Hormone seien erbgutschädigend oder krebserregend.

Problematisch ist aber auch die Haltung der Tiere. «Die Hormone wirken wie Doping», sagt Hansuli Huber (60), Präsident des Schweizer Tierschutz (STS). «Sie sorgen dafür, dass das Mastvieh schnell wächst und Muskeln aufbaut, auch wenn es sich kaum bewegt.» Die meisten Rinder in den USA hätten in der Ausmastphase niemals Auslauf, würden einseitig mit Kraftfutter ernährt.

Der STS hat jetzt in einer Umfrage erhoben, wer in der Schweiz Hormonfleisch anbietet. Die Resultate liegen SonntagsBlick vor (siehe Tabelle unten). Coop, Lidl und Volg haben die Ware im letzten Jahr aussortiert. Migros, Aldi, Spar und Denner geloben, dies in den nächsten Jahren zu tun. «Dass der Detailhandel verzichten will, ist erfreulich», sagt Huber. Der Grossteil des Hormonfleischs werde jedoch via Grossmetzgereien, Gastrozulieferanten und Importeure über den Gastrokanal abgesetzt. 1351 Tonnen wurden 2014 in die Schweiz eingeführt – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die betroffenen Firmen sprechen alle von kleinen Anteilen im Sortiment. Warum verzichten sie nicht ganz? Ohne die Importware sei man nicht konkurrenzfähig. Hormonfleisch werde immer deklariert. Und die Anbieter berufen sich auf das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit. Entgegen der EU sieht dieses im Hormonfleisch «keine gesundheitliche Gefährdung».

Der Bundesrat empfiehlt die Motion von Adèle Thorens Goumaz denn auch zur Ablehnung. Auch aus Angst vor den Exporteuren: Die USA und Kanada verhängten Strafzölle gegen die EU, als diese den Import untersagte. Der Schweiz drohe das gleiche Szenario, so der Bundesrat. Er rechnet mit Einbussen in Höhe von 30 Millionen Franken.

 

Publiziert am 14.02.2016 | Aktualisiert am 05.03.2016
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5 Kommentare
  • Antonietta  Tumminello 16.02.2016
    Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.
  • ben  coratsch 14.02.2016
    Der Bundesrat will, dass wir hormonverseuchtes Fleisch essen, weil das erstens nicht so schlimm, zweitens Arbeitsplätze sichert und weil uns drittens die Amis und Kanadier sonst Strafzölle aufbrummen, wenn wir nicht schön aufessen, was die Chemiker in ihren Ställen gezüchtet haben. Nun ja, dann müssen wir halt da durch, nicht wahr? Antibiotika im Fleisch sind böse, aber Hormone sind es nicht, denn die haben wir ja selber, oder so ähnlich. In diesem Sinne, en guäte.
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    14.02.2016
    Die Gesetzgebung ist ein schlechter Witz. Da wird Hormonfleisch als unbedenklich erlaubt, obwohl es in diversen Ländern verboten ist und offensichtlich Krebs-gefährdend sein soll. Auf der anderen Seite werden Gesetze gegen Lebensmittel erlassen, die viel weniger gefährlich sind. Leider aber haben dafür unsere National- und Ständeräte keine Zeit, ist ja nicht wichtig. Viel wichtiger ist es, für die im Hintergrund vorhandene Lobby zu politisieren, gibt die doch gerne Geschenke.....
  • Zara  Wyss 14.02.2016
    Sind es nur die Hormone? Oder fragt sich der Konsument auch wie die Tiere getötet werden? Von einem Experten aus den USA ins deutsche uebersetzt! Es ist wie Tierquälerei , die meisten Leute kümmern sich nicht. In Schlachthöfen , Zeit ist Geld, so Kühe in Enthäutungsmaschinen gestellt werden, während sie noch am Leben sind, als sie zu schreien.! Mal nachdenken
  • Reese  Santus 14.02.2016
    Bell und Prodega gehören doch der Coop Gruppe. Na was denn nun? Haben sie das Fleisch jetzt oder nicht??