Schweizer Experte zu Killer-Beben Haiti «Stärke 6 bis 7,5 ist am schlimmsten»

  • Publiziert: 13.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Roman Neumann

ZÜRICH – Ein Erdbeben mit Stärke 7,0 machte Haiti zur Hölle. Warum die Stärke so schlimm ist, erklärt der Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, Professor Domenico Giardini.

Blick.ch: Herr Giardini, wie muss man sich ein Erdbeben der Stärke 7 etwa vorstellen?
Domenico Giardini: Ein Beben mit einer Magnitude von 7 dauert lange, sehr lange. Nicht die Stärke, sondern die Frequenz ist das Problem. Die Häuser können nicht mehr hin- und herschwingen und der Bewegung nicht mehr standhalten. Dazu kommt, dass die Häuser in Haiti zuwenig stabil gebaut sind.

Aber es gilt doch: Je stärker, desto schlimmer?
Nein, ein Erdbeben der Stärke 9 wäre nicht so schlimm für Haiti gewesen, da die Energie sich auf ein viel grösseres Gebiet verteilt hätte.

Das müssen Sie erklären.
Sehen Sie, vergleicht man die Frequenzen der Erdbeben mit Musikinstrumenten, so ist ein Beben der Stärke 7 eine Geige, eine 9 ist ein Kontrabass. Die Frequenz einer Geige ist höher als die eines Kontrabasses; eine Magnitude 7 erzeugt Frequenzen die ähnlich zu den natürlichen Frequenzen der Gebäude sind, und richtet also auch mehr Schaden an.

Was sind denn die verheerendsten Beben?
Die Erdbeben mit einer Stärke von 6 bis 7,5 sind die schlimmsten. Die zehn Kilometer Entfernung, die Port-au-Prince zum Epizentrum hatte, haben nicht gereicht, die Schäden zu verhindern.

Wie ist das Beben in Haiti eigentlich entstanden?
Die karibische Platte bewegt sich entlang der nordamerikanischen Platte einen Zentimeter pro Jahr. Wird ein Teil der Plattengrenze nun blockiert, kann sie sich nicht mehr bewegen und baut eine grosse Spannung auf. Im Fall von Haiti war das letzte grosse Beben in 1860, und dies ergibt etwa 1,5 Meter, die sich am Rand der Platte innert Sekunden bewegt haben.

Müssen die Menschen in Haiti nun noch weitere Beben erwarten?
Solche grossen Beben lösen immer wieder auch andere Beben aus. Östlich oder westlich von Haiti könnte es in der nächsten Zeit zu ähnlich starken Beben kommen. Wir haben aber bis jetzt kein Anzeichen, dass das in der nahen Zukunft passieren wird.

Theoretisch: Was würde ein Beben dieser Stärke in der Schweiz anrichten?
In der Schweiz würde ein Beben in Basel mit der Magnitude von 6,7 ungefähr 40 Milliarden Franken Schaden an Gebäuden anrichten. Das hat man mal ausgerechnet. Aber das letzte derart grosse Beben gab es 1356 in Basel.

play Der Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, Prof. Domenico Giardini. (Keystone)

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