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Markus A.* (18) sitzt am Wohnzimmertisch seiner Parterrewohnung: «Ich bin so froh, dass ich wieder aus der U-Haft bin. Einfach nur schlimm, was dieser Sauhund getan hat.» Sauhund, damit meint Markus seinen Nachbarn vom obersten Stock, Daniel H.* (25), den Mörder von Lucie Trezzini (16).
«Ich kenne Daniel erst seit etwa einem Monat», sagt Markus. Er sei eines Abends klingeln gekommen, habe nach einem Bier gefragt. Später hätten sie in der Wohnung von Markus mal «ein Feierabend-Bier getrunken. Dass er kiffte und harte Drogen nahm − davon wusste ich nichts», sagt er.
Er wusste auch nicht, dass Daniel gerade erst Lucie kennengelernt hat. Genau gestern vor einer Woche. Er lockt sie unter dem Vorwand, sie als Foto-Model engagieren zu wollen, in seine Wohnung nach Rieden AG. Schlägt sie. Verletzt sie mit einem Messer. Und schlitzt ihr schliesslich die Kehle auf. Aber wie lange musste Lucie leiden?
«Er war betrunken, hat gelallt»
Sicher ist: Daniel ruft am selben Tag mit dem Handy von Lucie zweimal seinen Nachbarn Markus an. «Zwischen 17.30 und 22 Uhr», sagt Markus. Doch er arbeitet gerade − auch als Koch. Darum ruft er die ihm unbekannte Nummer nach Feierabend an, um 22.30 Uhr. «Daniel meldete sich. Er fragte mich, ob ich ihm ein Bier hätte.» Sie treffen sich daheim auf dem Vorplatz. «Er war betrunken, hat gelallt», sagt Markus.
An diesem Abend ist alles etwas anders im Doppel-Mehrfamilienhaus. Etwa bei Marina Costa (18). Sie wohnt bei der Familie ihres Freundes im 2. Stock. Ihr fällt auf: «Dieser Dani, dessen Schlaf- und Badzimmer-Mauer unsere Stubenmauer ist, hörte laut Hip-Hop», wundert sich die Portugiesin. «Das hat er noch nie getan, seit er hier wohnt!» Und auch am nächsten Tag: «Daniel trug nicht nur einen Müllsack, sondern gleich vier raus.» Und am Abend habe er «wieder mega laut Musik gehört.»
«Wir hörten zwei seltsame Klopfgeräusche»
Doch auch am Freitag staunt Marina. Als sie mit drei Freunden um 23 Uhr in der Stube TV schaut, «hörten wir plötzlich zwei seltsam laute Klopfgeräusche». Sie kommen von der Wand, hinter der Daniel sein Badzimmer hat. «Wir stellten den Ton im TV ab. Es war ruhig.» Als Marina wieder aufdreht, «schlug es wieder zweimal». Wieder macht sie den Ton aus. «Da hörten wir nur noch einen leichten Schlag. Dann war es ruhig.»
Es vergehen zwei Tage. Sonntag. Markus geht mit seiner Freundin zu deren Eltern. «Wir wollten gerade essen», sagt er. Da klingeln zwei Polizisten um 19.30 Uhr an der Tür. «Ich müsse mitkommen.» Er weiss nicht, dass die Polizei ihn jetzt des Mordes verdächtigt. Wegen Daniels Anruf mit Lucies Handy.
«Sie fragten mich nur, ob ich wisse, um was es gehe.» Markus hat keine Ahnung. Beim zweiten Verhör um 2.30 Uhr erzählen ihm die Beamten, dass man Lucie gefunden hat − tot. Markus erzählt der Polizei, was er später auch BLICK erzählt. Er sei unschuldig. Doch er muss in Haft bleiben. Erst am Montag, 16.30 Uhr, kommt er frei.
«Dass Daniel so etwas getan hat – unfassbar», sagt Markus. Dann sagt er: «Jetzt ist mir klar, warum er, bevor ich selber ihn kannte, mal meine Freundin und eine Kollegin für Fotos angesprochen hat.»
Was Daniel H. wirklich mit Lucie angestellt und wann er sie getötet hat − darüber informiert die Polizei heute. Ebenfalls heute nehmen auch die Behörden Stellung, die den Vorbestraften nicht verwahrt hatten. Endlich.
*Namen der Redaktion bekannt
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Klopfgeräusche: Nachbarin Marina Costa hörte am Freitagabend lautes Klopfen aus H.s Wohnung. (Ralph Donghi)