Pinkel-Affäre am WEF So ein Seich: Wir sind keine blöden B(r)ünzlis

BERN/DAVOS – Londons Stapi lästert am WEF über ein angebliches Stehpinkel-Verbot bei uns. Das lassen die Schweizer nicht auf sich sitzen und brünzeln zurück.

  • Publiziert: 29.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Mario Gertschen, Martin Messmer und Matthias Pfander

Die Breitseite von Londons Bürgermeister Boris Johnson sass: Schweizer sind Sitzpinkler. Gestern abend am WEF zog der Brite über die Schweiz her: «Mir wurde gesagt, dass es Regionen im Kanton Bern gibt, wo ein Mann nach 10 Uhr abends nicht mehr im Stehen pinkeln kann, aus Angst die Nachbarn zu stören.»

Damit wollte er verhindern, dass Londoner Banker in die Schweiz auswandern – wegen den hohen Boni-Steuern in Grossbritannien. Boris Johnson ist kein Kind von Traurigkeit. Schon oft ist er wegen seinen markigen Sprüchen und seiner Fäkalsprache aufgefallen.

Wie reagieren Berner auf den Seich aus Davos?

In der Hauptstadt lässt man sich von Johnson nicht ans Bein pinkeln. Stapi Alexander Tschäppät gibt zurück: «Ich bin sehr dankbar für Johnsons Äusserung. Denn diese Boni-Abzocker aus England wollen wir in Bern nicht. Die sollen bleiben, wo sie sind», erklärt er gegenüber Blick am Abend.

Auch der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen kann über die Aussagen von Brunz-Boris nur lachen: «Das ist einfach ein Spruch. Dafür ist er ja bekannt.»

Wasserfallen will Londons Bürgermeister sogar in die Hauptstadt einladen. «Dann würde er sehen, dass seine Aussage mit dem Steh-Pinkel-Verbot gar nicht stimmt. Beim Zytglogge-Turm hat es eines der ältesten Steh-Pissoirs der Schweiz.»

Ministerin zum Pinkelspruch: Falsches Thema

Und was sagt man am WEF zu Johnsons Sitzpinkler-Angriff?

Die meisten Manager drücken sich vor einem Kommentar. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagts direkt: «Solche Sachen will ich nicht diskutieren.» Aber als Frau kann sie auch nicht mitreden.

Unternehmensberater Gib Bulloch aus England findet Johnsons Aussage unter der Gürterlinie: «In Davos geht es doch um mehr als um Löhne und die Steuern von morgen.»

Johnson: Das sagt er am Tag danach

Der Blick.ch-Reporter stellte Boris Johnson in Davos heute morgen zur Rede. Und siehe da, er zieht sein bestes Stück ein: «Switzerland is a wonderful Country», entschuldigt er sich. Er habe das mit dem Steh-Pinkel-Verbot halt irgendwo gelesen.

play Berühmt berüchtigt für seine Sprüche: Londons Bürgermeister Boris Johnson. (Keystone)

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